Weihnachtsmuffel und -freaks Usch Hollmann liest in Twist aus „Stille Nacht light“

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Kabarettistin Usch Hollman las aus ihrem Sammelband „Stille Nacht light“ vor und gab Lisbeth-Geschichten zum Besten. Foto: Kim KarotkiKabarettistin Usch Hollman las aus ihrem Sammelband „Stille Nacht light“ vor und gab Lisbeth-Geschichten zum Besten. Foto: Kim Karotki

kim Twist. Weihnachtsmuffel oder Weihnachtsfreak? Usch Hollmann hat im Heimathaus Twist mit ihrer Lesung aus dem Buch „Stille Nacht light“ die Weihnachtstage mit kurzweiligen Geschichten Revue passieren lassen und auch Kultfigur Lisbeth durfte ein Wörtchen mitreden.

„Weihnachtsmuffel haben‘s schwer“, lautete der Titel eines Artikels auf der Zeitungsseite, die sich Hollmanns Protagonistin gerade in die nassen Schuhe knüllen wollte. Neugierig geworden, liest sie Empfehlungen von Anthropologen, Soziologen und Psychologen, denn der Weihnachtsmuffel benötige unter Umständen psychologische Hilfe, wenn er Angst vor Nähe hat. Aber auch dem Weihnachtsfreak sei adventliche Entschleunigung geraten, da der vorweihnachtliche Stress sonst zum Desaster führen könne. Obwohl sich die Erzählerin keinem der beiden Typen eindeutig zuordnen will, möchte sie sich in diesem Jahr an die vorweihnachtliche Entschleunigung halten. Denn der Deko-Stress sorge dafür, dass die Adventszeit trotz Kranz überhaupt nicht entspannt sei – einvernehmliches Nicken des Publikums. Man denke da nur an die Deko-Experten, die ihre roten Kugeln und Kerzen als „bestenfalls grenzwertig, eigentlich aber als No-go einstufen“.

Doch die Kurzgeschichte „Stille Nacht light“ spricht nicht nur von der Light-Fassung des Deko-Wahns in der vorweihnachtlichen Zeit, sondern auch von den kulinarischen Genüssen am Heiligen Abend. Da ist von Ehemännern die Rede, die ihren Frauen mit den Rezepten ihrer Mütter das Leben schwermachen, mit dem Kochprogramm zur Entlastung beitragen wollen, jedoch die Küche in ein Schlachtfeld verwandeln, um einen matschigen Sauerbraten zu servieren, den selbst der Hund verschmäht. Doch statt der gegoogelten Rezepte war wohl die Flasche Essigessenz anstatt Essig schuld.

Klopapier recycelt

Die pointenreichen, witzigen weihnachtlichen Kurzgeschichten brachten die Zuhörer vielfach zum Lachen. So in der Geschichte „Weihnachten am 24. September“ hieß es bereits zu Anfang von einer von Tante Uta geschickten Karte: „Vorsicht! Diese Karte wurde aus zu 100 Prozent recyceltem Klopapier gefertigt. Nach dem Lesen sorgfältig die Hände reinigen!“ Weiter ging es mit dem vorverlegten Weihnachtsfest und den damit verbundenen Problemen an diesem ausgerechnet in jenem Jahr heißesten Tag des Jahres, Tannenbaum und weihnachtliche Speisen herbeizuschaffen – „auf den Besuch der Christmette müssen wir aus naheliegenden Gründen verzichten“, schrieb Onkel Hubert in der E-Mail zur Planung des Fests.

„Hallo Änne, hier is Lisbeth!“ – so fangen meist die Kurzgeschichten mit der münsterländischen Kultfigur Lisbeth an. Diese Paraderolle Hollmanns mit betont hoher näselnder Stimme gelesen, ist im Heimathaus Twist bereits zum Dauerbrenner geworden. Auch wenn sich Lisbeth der Männer im Publikum wegen etwas „disziplinieren“ wollte, so ließ sie doch durchblicken, dass sie als „nicht geheiratet“ nicht das meiste vom männlichen Geschlecht halte, wenn sie von der „geheirateten“ Kathrina und ihrem Zusammenleben mit Anton erzählt und zu dem Schluss kommt: „Wat is uns alle erspart geblieben!“. Die Zuhörer kamen aus dem Lachen gar nicht mehr heraus, als Lisbeth von „vorehelichem Bettgeplänkel“, von verhinderten Bettgeschichten wegen Flanell-Nachthemden, ABC-Pflastern und Körnerkissen oder von Sexualkunde mit Lehrerin Frau Lenz munter drauflos plauderte. Und damals war noch alles anders: „Da gab es noch kein Aids“ und wenn es mal beim nächtlichen Treffen auf dem Friedhof – „die Bluse blieb zu“ – zu einem „Küsschen“ kam, dann ging es in die Kirche und „wir spülten uns mit Weihwasser den Mund aus“.


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