Was ist Arbeit wert? Bezirksbildungstag der Kolpingsfamilien in Twist

Von Heinz-Gerd Stahl

Bezirksvorsitzender Josef Korte bedankt sich bei Pastor Punke. Foto: Heinz-Gerd StahlBezirksvorsitzender Josef Korte bedankt sich bei Pastor Punke. Foto: Heinz-Gerd Stahl

Twist. Die Kolpingsfamilien des Bezirks Meppen haben ihren diesjährigen Bezirksbildungstag zum Thema „Was ist unsere Arbeit wert?“ im Haus St. Georg Twist veranstaltet.

Als Referenten begrüßte der Bezirksvorsitzende Josef Korte Pastor Walter Punke vom Haus kirchlicher Dienste und Handwerk Hannover. Zu Beginn des Referats verwies der evangelische Theologe und Organisationsberater darauf, dass schon in der Bibel die Arbeit ein Thema sei. Gott gebot dem Menschen, dass er im Schweiße seines Angesichts sein Brot essen solle, sagte aber auch darauf, dass er am 7. Tag ruhen müsse. Auch Martin Luther habe darauf hingewiesen, dass die Arbeit zum Menschen gehöre wie zum Vogel das Lied.

Doch Zielstrebigkeit und Fleiß reichten in der heutigen Zeit nicht aus, man müsse auch Glück haben. Ohne Erfolg werde man in der Gesellschaft nicht respektiert. Nur wer es zu etwas gebracht habe, sei angesehen. Dabei könne die Wertschätzung für Arbeit sehr unterschiedlich sein, sagte Punke. Er forderte, dass eine gerechte Gesellschaft so gestaltet sein müsse, dass jeder seine Fähigkeiten einbringen könne.

Vier Säulen

Punke verwies auf die vier Säulen von gerechter Arbeit. Die internationale Arbeitsorganisation fordere die Vereinigungsfreiheit von arbeitenden Menschen an, die Beseitigung von Zwangs- und Pflichtarbeit, die Abschaffung von Kinderarbeit sowie die Beseitigung jeglicher Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf. Leider sei es heute so, das auch handwerkliche Berufe unterschiedlich bewertet würden.

Aaron Antonovsky berichte von den drei Säulen, die für die Zufriedenheit eines Menschen wichtig seien: Zufriedenheit bei der Arbeit, die Art, wie die Tätigkeiten ausgeführt werden können sowie deren Bedeutsamkeit. Jeder müsse wissen, was er tue. Wichtig seien ferner die Arbeitsbedingungen sowie die Wertschätzung und die Anerkennung für das Geleistete. Wenn diese drei Bedingung erfüllt seien, sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass Arbeit nicht krank mache. Die gelte auch für ehrenamtliche Tätigkeiten.

Ein vorrangiges Thema bei der sich anschließenden offenen Gesprächsrunde war das ständige Streben nach immer größerem Wachstum. Leider werde dieses Bemühen zum Beispiel auf dem Rücken der Leiharbeiter ausgetragen, sagte ein Diskussionsteilnehmer. Nicht selten werde versucht, mit weniger Menschen das gleiche oder vielleicht ein besseres Betriebsergebnis zu erzielen. Dies führe bei den Beschäftigten zu immer größeren physischen und psychischen Problemen. Nicht selten seien „Burn out“ Erkrankungen die Folge.

Diskutiert wurde das wachsende Bestreben nach immer billigeren Waren. Als einzige Möglichkeit, diesem Trend entgegenzuwirken, bezeichnete der Referent die Bereitschaft, sich beim Kauf für faire Waren zu entscheiden. So könnten auch die Arbeitsbedingungen der Menschen in den armen Ländern in Afrika und Asien verbessert werden.

Zum Abschluss des Bezirksbildungstages trafen sich die Teilnehmer zu einer heiligen Messe.

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