Lösung durch einen Schlichter? Dorffeste in Schöninghsdorf sorgen für reichlich Ärger


Twist. Gerne blättert Franz Leisdon mit seinen Freunden aus dem Schützen- und Karnevalsverein durch das Fotoalbum und erinnert sich an viele schöne Feiern und Momente im Festzelt auf dem Dorfplatz in Schöninghsdorf. Jedoch bereitet den Schützen derzeit eine Anwohnerbeschwerde über die Lautstärke bei den Dorffesten viel Sorge.

Alles begann 2011, als sich Dieter Gellisch erstmals bei der Gemeinde Twist beschwerte: Auf dem nahe gelegenen Dorfplatz werde zu laut gefeiert. „Im Jahr darauf wurde sogar die Polizei beim Winterfest gerufen. Wegen Lärmbelästigung sollten wir die Musik leiser stellen“, erinnert sich Franz Leisdon, Vorsitzender des Schützenvereins Schöninghsdorf.

Nachdem sich die Beschwerden des Anwohners aus der Ostlandstraße häuften, suchte Peter Liedtke vom Ordnungsamt Twist das Gespräch mit Franz Leisdon. Daraufhin seien Maßnahmen ergriffen worden, um die Belastung zu reduzieren, versichert der Vorsitzende: „Wir haben die Bässe heruntergedreht und die Musik leiser gemacht. Zusätzlich wurden doppelte Zeltwände angebracht.“

Diese Maßnahmen führten beim Anwohner Dieter Gellisch jedoch nicht zum gewünschten Erfolg. „Der Lärm ist einfach nicht mehr auszuhalten beim Winter- und Schützenfest sowie beim Karneval“, erzählt der 67-Jährige, der vor etwa zehn Jahren mit seiner Frau nach Schöninghsdorf in die Ostlandstraße zog. „Wir haben uns hier immer sehr wohl gefühlt und die Feste nie als lästig empfunden,“

Der Wendepunkt trat dann jedoch 2011 ein, als für das Projekt Dorferneuerung die Bäume abgeholzt wurden , die bis zu diesem Zeitpunkt den Lärm von den Festen auf dem Dorfplatz eindämmten. Auch die Errichtung eines zwei Meter hohen Walles vor dem Garten der Gellischs konnte den Musiklärm aus dem Festzelt nicht fernhalten. „Die Bässe sind so extrem, dass wir sogar Risse in den Wänden haben und wir einfach nur psychisch und körperlich erschöpft sind nach drei Tagen Schützenfest“, erzählt Dieter Gellisch.

Auch ein Gespräch zwischen Leisdon und Gellisch konnte eine schnelle Lösung nicht hervorbringen. „Auch die Einigung, samstags um ein Uhr nachts die Feste zu beenden und sonntags sowie montags schon um Mitternacht, ist keine Alternative für uns. Bei so leiser Musik im Zelt können und wollen wir nicht feiern“, erklärt Leisdon. Der festgeschriebene Lärmschutz sehe vor, dass tagsüber keine Überschreitung des Maximalpegels von 55 Dezibel erlaubt ist, und so sei ein Fest mit mehreren Hundert Leuten undenkbar, erläutert Wilfried Conen vom Schützenverein.

Dieter Gellisch hat bereits im vergangenen Jahr einen Anwalt hinzugezogen und hofft immer noch auf eine Einigung. „Wir möchten einfach nur durchschlafen können, wenn diese Feste stattfinden“, so der Anwohner mit seiner Frau. „Die Gemeinde hat in Erwägung gezogen, einen Teil dieser Feste auf den Sportplatz zu verlagern“, so Leisdon, dies sei jedoch schon wegen der Beschaffenheit des Bodens keine Ausweichmöglichkeit. „Zu Karneval fahren wir mit Treckern und schweren Anhängern vor, da würde der Rasen nachgeben“, so Rudolf Backs vom Karnevalsverein. Der Sportverein habe dies auch vehement abgelehnt, so Leisdon.

Um die Parteien zusammenzuführen, wurde von der Gemeinde Twist nun ein Schlichter hinzugezogen, der sowohl mit dem Anwohner als auch mit den Vereinen eine Lösung finden möchte, auf die sich alle einigen können, da der Unmut sehr groß ist. „Die Dorfgemeinschaft steht hinter uns und hat bereits mit einer Mahnwache auf sich aufmerksam gemacht“, erklärt der erste Vorsitzende. Auch in einer Facebook-Gruppe diskutieren über 400 Mitglieder das hitzige Thema um die Verlegung der Feste auf einen neuen Standort.

Dieter Gellisch und seine Frau hoffen ebenfalls auf eine schnelle Einigung mit den Vereinen bis zum nächsten Fest, denn inzwischen fühlen sie sich nach eigenen Worten zunehmend bedroht von einigen Anwohnern in Schöninghsdorf.