Konzert der Band of Friends Rory Gallaghers Erben ackern in Twist

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Twist. Wo sich die Pfade von Bluesrock und Hardrock kreuzen, schlägt die Band of Friends ihr Lager auf. Am Freitagabend wurde das Heimathaus Twist zum Schauplatz dieser stilistischen Begegnung. Das Publikum erlebte über zwei Stunden phonstarke wie schweißgetränkte Musik, für die eine Legende dieses Genres Pate stand: Rory Gallagher.

Der Ire mit Blues und Rock in der Seele und einem verhängnisvollen Hang zum Alkohol wird von Fans und Kritikern als Meistergitarrist geschätzt. Seine Alben verkauften sich über 30 Millionen Mal, jüngeren Kollegen wie The Edge oder Slash ist er ein Vorbild, und die Rolling Stones hätten ihn gern in ihren Reihen gehabt, als Mick Taylor 1974 ausgestiegen war. Gallagher lehnte ab. Der Individualist zog es vor, sein eigener Bandleader zu bleiben – bis zu seinem Tod 1995, mit nur 47 Jahren.

Nun, bald zwei Jahrzehnte später, ließ die Band of Friends dessen Klassiker wie „Moonchild“ oder „Calling Card“ in Twist aufleben. Zwei Drittel des Trios konnten dabei auf Erfahrungen aus erster Hand zurückgreifen. Ted McKenna saß fünf Jahre bei Rory Gallagher am Schlagzeug; Bassist Gerry McAvoy war in den 70er- und 80er-Jahren, Gallaghers erfolgreichster Ära, dessen musikalischer Weggefährte. Die Schlüsselrolle des Gitarristen und Leadsängers nimmt Marcel Scherpenzeel ein. Er, der äußerlich eher einem anderen Blues-/Hardrock-Frontmann ähnelt, Leslie West von Mountain (wenn auch mit ein paar Pfunden weniger), brauchte sich in Sachen Fähigkeiten am Saiteninstrument nicht hinter seinem Vorbild zu verstecken. Tat er auch nicht.

Die Band legte los mit „Last Of The Independents“, gönnte der Menge und sich selbst gerade in der ersten Hälfte des Konzerts kaum eine Atempause und ließ die temporeichen Songs meist nahtlos ineinander übergehen. Mit McKenna als Taktgeber an den Drums lieferten sich Scherpenzeel und
McAvoy rasante Duelle. An Gitarre respektive Bass sind sie virtuose Arbeiter (oder auch ackernde Virtuosen); die bereitliegenden Handtücher zum Trocknen der schweißüberströmten Gesichter gehörten zu den wichtigsten Begleitutensilien.

Im Mittelpunkt stand ohne Zweifel Scherpenzeels Gitarrenspiel: Er ließ sein Instrument jubilieren und jammern, knarzen und hecheln, aufheulen und sogar flüstern: So gab es in Twist einen der seltenen Momente, in denen die Zuhörer aufgefordert wurden, leiser statt lauter zu sein. Und das so lange, bis das Raunen der Gitarrensaiten das schier einzige Geräusch im Raum war. Eine umkippende und umherkollernde Bierflasche störte plötzlich den Gesamteindruck, was von McAvoy mit einem „Schscht!“ und strenger, dann aber wieder grinsender Miene quittiert wurde.

Nach der Pause zeigte sich die Combo zunächst blueslastiger, um gegen Ende die Schlagzahl wieder anzuziehen. Das geschah mit Material aus den 70ern wie „Shadow Play“ oder „Tattooed Lady“, aber auch mit neuen Songs: „Too Much Is Not Enough“ entwarf eine Idee davon, wie Gallaghers Schaffen heute klingen könnte.

Das Publikum im nahezu ausverkauften Heimathaus forderte lautstark Zugaben – und bekam sie. Bei der üblichen finalen Vorstellung der Bandkollegen schickte Gerry McAvoy nebst Blick gen Himmel auch einen Dank an Rory Gallagher. Gut möglich, dass auch ihm die Show seiner Freunde und musikalischen Erben zugesagt hätte.


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