Erfolgreiche Oberlangenerin Sonja Gerdes holt in Twist Meistertitel im Speed-Rodeo

Von Helmut Diers

Meine Nachrichten

Um das Thema Twist Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Twist. Pokale hat Sonja Gerdes schon viele im Trophäenschrank, eine schwarz-rot-goldene Schärpe fehlte bisher in der Sammlung. Seit den vierten nationalen Titelkämpfen im Speed-Rodeo am vergangenen Samstag auf dem Pony- und Ferienhof Niers in Twist-Neuringe zieren auch die Deutsche Meisterschaftsschärpe und ein großer Erinnerungspokal das Wohnzimmer der leidenschaftlichen Rodeo-Reiterin aus Oberlangen.

Ihr Glück und ihren Erfolg kann sie heute noch nicht fassen. „Ich hatte mit dem Meisterschaftssieg doch gar nicht gerechnet, weil die Feinabstimmung zwischen meiner temperamentvollen sechsjährigen Ponystute Joy bis dato noch nicht stimmte. In Twist passte dann plötzlich doch alles.“

Dabei wollte die Mutter eines elfjährigen Sohns und einer neunjährigen Tochter „einfach nur eine gute Leistung“ abliefern, während Ehemann Jürgen zur gleichen Zeit auf Schleifenjagd beim Hallenreitturnier in Börger antrat und leer ausging. „Ich war vor der letzten der fünf Teilprüfungen, dem Keyhole Race, ganz schön aufgeregt. Die haben mir von allen Seiten zugesteckt: Wenn du schnell genug und fehlerfrei ins Ziel kommst, bist du Deutsche Meisterin“, erinnert sich Sonja Gerdes an ihre Gefühle vor dem Schlüssellochrennen.

Freunde und Zuschauer hätten sie richtig verrückt gemacht. Die Anspannung vor dem Keyhole Race sei auch deshalb so groß gewesen, weil „es die schwächere Disziplin von mir und Joy ist“. Die Endmaß-Ponystute hat wohl gewusst, worum es geht. Sie machte alles richtig, trat nicht über die am Boden liegenden Stangen und war pfeilschnell im Ziel. „Ein irres Gefühl, wenn das Pony abgeht wie Schmitz’ Katze“, sagt die 35-jährige Inhaberin der Trainer C- und B-Lizenz Reiten und hofft nach ihrem Deutschen Meistertitel darauf, dass sie noch oft das „irre Gefühl“ genießen darf.

Hätte Sonja Gerdes in der letzten Disziplin gepatzt oder wäre sie nicht schnell genug gewesen, hätte Melina Koch aus Stavern die Nase vorn gehabt. So reichte es für Koch vor dem dreifachen Deutschen Meister Denis Brands zur Silbermedaille.

Um Deutscher Meister zu werden, müsse man in allen fünf Teilprüfungen vom Barrel-Race über Flag-Race, Pole-Bending, Fantasy-Race bis zum Keyhole-Race schnell und fehlerfrei sein, da die Entscheidungen über Sieg oder Niederlage oft sehr eng ausgingen. „Die gerittenen Zeiten werden addiert. Wer am wenigsten Zeit auf seiner Liste stehen hat, hat gewonnen“, erklärt Gerdes. In Twist war sie es, die am schnellsten unterwegs war und damit mindestens ein Jahr als Deutsche Meisterin firmieren darf. Für Gerdes, deren nur wenige Minuten jüngere Zwillingsschwester Tanja Hackmann aus Oberlangen in Twist in der Deutschen Meisterschaft der „Open Klasse“ den neunten Platz belegte, ist das Speed-Rodeo-Reiten ein „tolles Hobby“.

Ausrichter der Deutschen Meisterschaft seien die Limited Rodeo Riders (LRR) aus Ratingen und die Emsland-Speed-Rodeo-Cup-Association (ESRCA). Jeder der beiden Verbände schickte acht Reiter ins Finale. „Wir mussten uns über vier Qualifikationsturniere im Emsland für Twist empfehlen.“ Der
ESRCA mit seinem Sprecher Franz-Josef Thien (Lingen) schickte seine acht punktbesten Reiter nicht nur zur Deutschen Meisterschaft, sondern auch in das Finale der Emslandmeisterschaft. „Ich habe mit meinem Deutschen Meistertitel auch die Emslandmeisterschaft gewonnen“, so Sonja Gerdes, die sich vor allem einen Tag nach ihrem Erfolg vor Glückwunschanrufen und -mails kaum retten konnte. Schwester Tanja wurde in der Emslandmeisterschaft Achte.

„Man muss ein Team sein. Pferd oder Pony müssen volles Vertrauen zum Reiter haben“, wirft Gerdes schon mal einen Blick nach vorn auf die fünfte Deutsche Meisterschaft am 31. Oktober 2015. „Natürlich wieder fast vor der Haustür in Neuringe.“

Die Oberlangenerin hat bis zum 18. Lebensjahr alle Ponys und Pferde nur ohne Sattel geritten und reitet noch immer am liebsten ohne Sattel. „Man bekommt ein unheimliches Gefühl für sein Pferd, sein Pony und schult wahnsinnig seinen eigenen Gleichgewichtssinn.“ Das beeindruckt die 15-jährige Marina Robben aus Altharen, die nach einem Jahr Speed-Rodeo bereits Emslandmeisterin der Jugendklasse ist. Gemeinsam reiten Gerdes, Hackmann und Robben rund um Oberlangen aus, um ihre Pferde auf den nächsten Wettkampf vorzubereiten.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN