Nachbarschaftliche Überraschung Wie Van Gogh dem Emsland nahe kam

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„De Turfschuit“ ist ein typisches Motiv von 1883, das Museumsführer Jan Halfwerk im Van Gogh-Haus in Nieuw-Amsterdam präsentiert. Foto: Bechtluft„De Turfschuit“ ist ein typisches Motiv von 1883, das Museumsführer Jan Halfwerk im Van Gogh-Haus in Nieuw-Amsterdam präsentiert. Foto: Bechtluft

Emmen/Twist Der weltberühmte Maler Vincent van Gogh (1853 – 1890) hat im Jahr 1883 nahe der deutschen Grenze im niederländischen Schoonebeek eine weite Moorlandschaft in der Abenddämmerung gemalt. Heute hängt das Bild im Van Gogh-Haus in Nieuw-Amsterdam.

Der Künstler erprobte damals das Mischen und Anwenden von Ölfarben auf seiner Leinwand. „Dabei stand er vermutlich im Moor Richtung Schoonebeek“, erklärt Museumsführer Jan Halfwerk. Der Besucher aus dem Emsland ist elektrisiert: Schoonebeek, das ist doch das Nachbardorf seiner Wohngemeinde Twist – und hier war Van Gogh!

Plötzlich gewinnt der Tourist eine völlig neue Vorstellung von der fantastischen Moorlandschaft, die er auf dem Weg zum Van Gogh-Haus in Nieuw-Amsterdam mit dem Rad durchfahren hat: Ja, wenn er ein Maler wäre, hätte er sicherlich auch sein Stativ an diesem herrlichen Spätsommertag im Naturschutzgebiet „Bargerveen“ aufgestellt.

Leben und Werk des Vincent van Gogh werden zumeist mit leuchtenden Farben und Motiven aus Südfrankreich verbunden. Nur wenigen Kunstinteressierten ist bekannt, dass Vincent am Beginn seines Schaffens eine eher „dunkle Periode“ hatte. Von September bis Dezember 1883 hielt er sich in Südost-Drenthe im äußersten Osten der Niederlande auf. Er wollte Abstand gewinnen zu persönlichen Problemen und zugleich zu sich selbst finden auf dem Weg zum Maler. Das Van Gogh-Haus in Nieuw-Amsterdam erzählt als kleines, aber feines Museum von diesem Weg des Künstlers. Es liegt nur etwa fünfzehn Kilometer von der Grenze entfernt.

Zwei Monate lang lebte Van Gogh damals im Gasthaus von Hendrik Scholte am Kanal in Veenoord/Nieuw-Amsterdam. Es ist jenes Haus, das in Teilen rekonstruiert heute das Museum beherbergt. Von hier aus unternahm der Dreißigjährige im Herbst 1883 Wanderungen in die umgebende Landschaft. Er fand das Moor voller Eindrücke und trotz der eher grauen Jahreszeit überraschten ihn immer wieder auffällige Farben.

So schrieb er es seinem Bruder Theo in zahlreichen überlieferten Briefen, die oft auch Skizzen enthalten. Van Gogh hatte wenig Kontakte zu den Einwohnern der erst um 1860 gegründeten Siedlung im ringsum abgetorften Moor. Er galt den Menschen als Sonderling, dem man besser aus dem Weg ging. Trotzdem scheint sich der Künstler im Gasthaus Scholte am Kanal recht wohlgefühlt zu haben. Heute wird mit Stolz jener Tisch in der Ecke der Gaststube gezeigt, an dem der Maler saß und seine Briefe schrieb. Als er im Dezember 1883 auszog, ließ er dem Vernehmen nach acht seiner Malereien zurück. Da die Familie Scholte annahm, dass der Künstler wohl nicht wiederkehren würde, wurde eine Skizze verschenkt. Die übrigen sieben wurden zum Feueranmachen verwendet. Nachkommen des Gastwirtehepaars sollen ihnen bis heute nachtrauern.

Verbindungen des Künstlers über die preußisch-deutsche Grenze sind bis auf die knappe Erwähnung des Museumsführers zum Grenzort Schoonebeek nicht überliefert. Nur am 2. November 1883 wollte Van Gogh den schon damals bekannten deutschen Maler Max Liebermann besuchen. Der hielt sich ab und zu im etwa fünfzehn Kilometer von Nieuw-Amsterdam entfernten Zweeloo auf. In diesem Dorf in Südost-Drenthe entstand Liebermanns Gemälde „Die große Rasenbleiche“. Van Gogh traf Liebermann zu seinem großen Bedauern nicht an. Dieser war aus seiner „Sommerfrische“ schon abgereist. So blieb Vincent nur die Möglichkeit, den großen Apfelbaum im Bauerngarten, welchen Liebermann im Jahr zuvor unsterblich gemacht hatte, für sich mit einer schnellen Skizze wiederaufleben zu lassen.

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