GDF Suez erkundet Ölvorkommen Twist: Suche nach Treibstoff für die Welt


Twist/Hoogestede. Das Lingener Unternehmen GDF Suez hat im Raum Adorf/Georgsdorf/Ringe mit der Suche nach bisher unentdeckten Ölvorkommen begonnen. Dazu fahren PS-starke Vibrotrucks durch die Gegend und ab und zu bebt sogar die Erde.

Denn GDF Suez hat das Essener Unternehmen DMT damit beauftragt, den Untergrund eines 140 Quadratkilometer großen potenziellen Ölfördergebietes ohne Bohrungen vorzuerkunden. Zu diesem Zweck erstellt DMT eine dreidimensionale Karte des Untergrundes. GDF Suez hofft am Ende auf Hinweise auf Ölvorkommen und lohnende Bohrstellen.

Dass es in der Gegend reichlich „schwarzes Gold“ gibt, weiß man schon lange und das beweisen auch die vielen Förderpumpen. „Aber die Möglichkeiten ändern sich. Vielleicht lassen sich mit neuer Technik weitere Vorkommen erschließen“, sagt Stefan Brieske, der bei GDF Suez für die Unternehmenskommunikation zuständig ist und am Dienstagnachmittag mit einigen Ingenieuren und Technikern Journalisten durch das weiträumig verkabelte Untersuchungsgebiet führt.

Nach einer Sicherheitsunterweisung auf dem Ponyhof Niers in Neuringe geht es per Auto nach Hoogestede. Schon auf dem Weg dorthin sind überall rote Kabel zu sehen, die in festgelegten Abständen ein Messnetz bilden. An ihnen hängen Sensoren, die künstlich ausgelöste Erschütterungen des Bodens erfassen und an das Herzstück der Arbeit, einen Mess-Lkw weiterleiten.

Von ihm aus koordinieren die Messtechniker Sven Koppelmann und Dieter Papst die Vibrotrucks, die in Wohngegenden mit speziellen Rüttelplatten die Erde erzittern lassen. Außerdem stehen die Messtechniker in Kontakt mit den drei „Shootern“, die zuvor in den Untergrund gebrachte Sprengladungen zur Explosion bringen.

9017 Sprengungen

„Alle Erschütterungen erzeugen Schallwellen, die in tieferen Bodenschichten reflektiert werden“, sagt GDF-Projektleiter Matthias Körbe. Die Wellen werden mit Erdmikrofonen, die an den Kabeln hängen, aufgefangen und in Daten umgewandelt, pro Messpunkt 30 Megabyte.

Das Team hat zehn Kilometer Kabel ausgelegt und deckt damit 30 Quadratkilometer Fläche ab. Allein die Technik koste mehr als drei Millionen Euro, schätzt Matthias Körbe. Und das Team steht unter Zeitdruck: nur von November bis Februar darf in der Natur gesprengt und gemessen werden – dann beginnt die Brut- und Setzzeit. Und auch während der Kampagne achten Fachleute darauf, dass vor allem Zugvögel nicht gestört werden.

Dennoch gab es gerade erst Kritik vom Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz. Er forderte, für das Naturschutzgebiet Neuringer Wiesen, das im Messgebiet liegt, dürfe es keine Genehmigung für die Sprengungen geben. „Wir bemühen uns sehr um einvernehmliche Lösungen“, sagt Stefan Brieske. Meistens gebe es die auch.

Einige Kilometer arbeitet „Shooter“ Michael Scheller derweil mit einem Kollegen eine vorgegebene Linie ab, an der alle 50 Meter eine Bohrung mit Sprengstoff eingebracht wurde. „Dieter, ich wäre dann bereit“, meldet er per Funk an Messtechniker Dieter Papst im Mess-Lkw. Der erteilt die Freigabe, Shooter Scheller kurbelt und erzeugt einen elektrischen Impuls und einige Sekunden später rummst es, fast so wie bei einem entfernten Gewitter. Wer wie die Reporter ausnahmsweise nahe an den Sprengort heran darf, spürt die Explosion unter den Füßen. Aber es spritzt keine Erde, es qualmt nicht und Matthias Körbe versichert: „Es bleibt auch nichts im Boden.“

9017 Sprengungen sind vorgesehen, in etwa zwei Wochen erreicht der Vibrations- und Sprengtross das Emsland. Erst in mehr als einem halben Jahr ist dann klar, ob es in der Region noch mehr Öl oder Gas gibt – und damit Treibstoff für eine energiehungrige Welt.


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