Forum zur Situation im Emsland Twist: Ausbau von Breitband-Internet diskutiert

Von Nico Buchholz


Twist. In einem sind sich die Unterhändler von Union und SPD bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin einig: Eine Milliarde Euro soll in Deutschland zusätzlich ausgegeben werden, um das Breitband-Netz auszubauen. Die Teilnehmer beim Breitbandforum, das gestern in Twist stattgefunden hat, waren sich genauso einig: Das wird nicht reichen.

80 Experten haben sich in Twist bei der Firma Wavin getroffen, um über infrastrukturelle Voraussetzungen für den Netzausbau zu diskutieren. Dabei wurde deutlich: Für das Ziel der Bundesregierung, bis 2018 alle Haushalte mit mindestens 50 Megabit schnellem Internet zu versorgen, werden wohl eher 20 bis 30 Milliarden Euro notwendig sein.

Auch Peer Beyersdorff, Geschäftsführer des Breitband-Kompetenz-Zentrums Niedersachsen , war nach Twist gekommen. „In Niedersachsen sind derzeit etwa 48 Prozent aller Gebäude mit Internet von mindestens 25 Megabit pro Sekunde versorgt“, sagt Beyersdorff im Gespräch mit unserer Zeitung. Ab 25 Megabit spricht man von einem „Next Generation Access“, einem Anschluss der nächsten Generation, mit dem Angebote wie Internet-TV nutzbar werden.

Beyersdorff lobt den Landkreis Emsland für seine Bemühungen, das Breitband-Netz auszubauen. „Das Emsland ist voll dabei.“ Und auch die Versorgung durch private Anbieter sei gut. Dennoch gibt es viele Stellen im Landkreis, an denen nur langsames Internet angeboten wird. Zu sehen ist das auf dem Breitband-Atlas Niedersachsen , den das Kompetenzzentrum erstellt hat. In Twist, dem Veranstaltungsort des Forums, ist an den meisten Stellen bei zwei Megabit pro Sekunde Schluss, wenige Gebäude kommen auf sechs bis 16 Megabit.

Nun gehe es darum, solche weißen Flecken verschwinden zu lassen. „Das geht derzeit gut voran im Emsland.“ Dennoch sei noch viel zu tun. „Wir sprechen im Moment noch nicht davon, dass nur die letzten Bauernhöfe am Rande der Ortsgrenze nicht versorgt sind. Es sind noch viele Außenbereiche betroffen.“ Größtes Problem sei besonders in kleinen Kommunen im Emsland die Straßenbesiedlung. „Da ist ein Haus neben dem anderen an einer langen Straße gebaut“, sagt Beyersdorff. Und so wird die letzte Meile, die per Kupferleitung vom Kabelverzweiger zum Haushalt führt, sehr lang und das Internet langsamer. Hier müsse man auf die Kombination aus Internet über das Telefonkabel, das Fernsehkabel und per Funk setzen, um alle Gebäude zu erreichen.

Neben Beyersdorff sprachen sich viele der Teilnehmer des Breitbandforums dafür aus, schon jetzt bei Bauarbeiten Leerrohre zu legen, durch die später Leitungen gezogen werden können, um die Kosten zu minimieren. „Der Tiefbau bildet einen großen Teil der Erschließungskosten. Durch Synergien und Leerrohrverlegung können die Kosten um 75 Prozent gesenkt werden“, sagt Mario Brenner von der Firma Geo Data , die sich mit der Planung der Netztrassen befasst. Er sagt: „Das Netz wird der Nachfrage auf Dauer nicht standhalten können. Wir brauchen mehr Power.“

Gastgeber der Veranstaltung, zu der Teilnehmer aus ganz Deutschland angereist waren, war in diesem Jahr die Firma Wavin aus Twist, die unter anderem Leerrohre herstellt, durch die Internet-Leitungen geblasen werden können. „Wir stellen auch andere Produkte wie Abwasserrohre her. Aber dieser Markt ist einfach gesättigt“, sagt Christian Kemper, Marketing-Manager bei Wavin. Ganz anders sehe es bei dem Ausbau des Telekommunikationsnetzes aus. Dort gebe es immer mehr Bedarf. „Die Nachricht, dass sich Union und SPD einig sind, eine Milliarde Euro zu investieren, ist für alle hier im Raum natürlich eine gute.“


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