Drei Hektar Ackerland umgewandelt Landkreis schafft in Twist-Adorf eine Insel für Kiebitze

Eine Mischung einheimischer Wiesenblumen rund um eine von Blänken umgebene kleine Insel soll in Adorf die Artenvielfalt und die Wiesenvögel fördern. Einen Teil des Saatgutes haben v.l. Kirstin Meyer, Bernhard van der Ahe, Maike Hoberg, Silke Bender, Reinhard Winter und Dr. Andreas Scheck ausgebracht. Foto: Tobias BöckermannEine Mischung einheimischer Wiesenblumen rund um eine von Blänken umgebene kleine Insel soll in Adorf die Artenvielfalt und die Wiesenvögel fördern. Einen Teil des Saatgutes haben v.l. Kirstin Meyer, Bernhard van der Ahe, Maike Hoberg, Silke Bender, Reinhard Winter und Dr. Andreas Scheck ausgebracht. Foto: Tobias Böckermann
Tobias Böckermann

Twist. Der Landkreis Emsland hat in Twist-Adorf drei Hektar ehemaliger Torfabbaufläche umgestaltet: Dort sollen in Zukunft Wiesenvögel eine neue Heimat finden. Das für die Region passende Saatgut hat die Firma Neptune Energy aus Lingen bezahlt.

Die Fläche wurde zuletzt als Acker genutzt und liegt zwischen den beiden EU-Vogelschutzgebieten Dalum-Wietmarscher Moor und Georgsdorfer Moor. Wie Maike Hoberg von der Naturschutzstiftung des Landkreises berichtete, war der Acker immer wieder so nass gewesen, dass eine intensive Landwirtschaft erschwert wurde. Deshalb habe man sie für die Allgemeinheit erwerben und nun umgestalten können.  

„Dabei haben wir ein wenig experimentiert“, berichtete Hoberg im Beisein von Landrat Reinhard Winter, der Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde Kirstin Meyer, dem Vorsitzenden der Naturschutzstiftung Bernhard van der Ahe, sowie Andreas Scheck, Geschäftsführer der Firma Neptune Energy aus Lingen und deren Referentin für Öffentlichkeitsarbeit Silke Bender. So habe man in der Mitte eine 2000 Quadratmeter große Insel gestaltet, die, deutlich mehr regen vorausgesetzt, Kiebitz und Co dabei helfen soll, ihre Küken auch groß zu bekommen. „Denn Füchse und andere Raubsäuger mögen keine nassen Füße, zur Insel aber müssten sie schwimmen, was sie eher nicht tun sollten.“

Lebensraum auch für die Nahrung

Die Blänke wurde auch angelegt, um Amphibien sowie anderen Wassertieren und Pflanzen einen Lebensraum zu schaffen, die Vögeln als Nahrung dienen können. „Wir hoffen, dass die Wiesenvögel und insbesondere die Kiebitze sich hier sicher fühlen und ungestört nisten können“, sagte Landrat Reinhard Winter.

Kiebitze brüten hauptsächlich in offenen, flachen Landschaften mit kurzem oder gar keinem Gras, auf Wiesen und Weiden, gerne an Gewässerrändern, auf Feuchtwiesen, Heiden und Mooren. Sie gesellen sich zur Brutzeit meist in kleineren Gruppen zusammen, wobei die jeweiligen Paare ein Leben lang zusammenbleiben. Damit die Jungkiebitze nach dem Schlüpfen genügend zu fressen finden, wurde die Fläche mit blumenreichem, zertifiziertem, regionalem Saatgut eingesät.

So soll die neu angelegte Wiese in einigen Jahren aussehen. Archivfoto: Tobias Böckermann

Neptune Energy förderte mit 4000 Euro das zertifizierte Saatgut, das ausschließlich heimische Wildblumenarten enthält. Die Wildblumen sind unverzichtbar für die hiesigen Insektenarten. Diese wiederum sind notwendige Eiweißquelle für Kiebitzküken, aber auch für viele andere Vögel“, berichtete Maike Hoberg weiter.

Damit die Wildblumenwiese erhalten bleibt und das Gras im Frühjahr nicht zu hoch für die Nester und die Küken wächst, soll die Wiese zweimal im Jahr gemäht werden. Weitere Pflanzenschutzmaßnahmen oder intensive Düngung werden zum Schutz von Wildblumen, Insekten und Vögeln auf der Fläche nicht durchgeführt. Die Baukosten belaufen sich auf rund 24.000 Euro, die der Landkreis Emsland trägt. Die Naturschutzstiftung des Landkreises Emsland hat die Planung und Bauaufsicht geführt und wird sich um die weitere Flächenpflege kümmern.

Landrat Reinhard Winter dankte Neptune Energy für das inzwischen dritte Engagement dieser Art im Emsland und war sich mit Stefan Brieske von Neptune Energy einig, dass dies Vorbildcharakter besitze. „Engagement dieser Art zeigt die Verbundenheit der regionalen Unternehmen mit dem Emsland“. Bernd van der Ahe betonte, nur wenn alle mit anpackten könnten Naturschutz und Artenschutz im Emsland gelingen. Deshalb sei er dankbar für das Engagement aller Beteiligten.

Vor kurzem hatte der Naturschutzbund NABU beklagt, gerade die Wiesenvögel seien im Emsland stark vom Aussterben bedroht


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der NOZ MEDIEN und mh:n MEDIEN