Musikalische Eskorte in den Mai Streifzüge durch das Blues-Universum im Heimathaus Twist

Josh Smith aus Los Angeles präsentierte im Heimathaus Twist ausgefeilte Instrumentalpassagen. Foto: Werner ScholzJosh Smith aus Los Angeles präsentierte im Heimathaus Twist ausgefeilte Instrumentalpassagen. Foto: Werner Scholz

Twist. Den letzten Abend im April anders als von Blues-Rhythmen begleitet zu verbringen, ist im Heimathaus Twist seit Längerem undenkbar. Beim Mini-Festival „Blues in den Mai“ wurde dem Publikum in der prallvollen Konzertstätte wieder die Vielfalt dieses Genres dargeboten, mit einem Headliner, der schon an der Seite einer Legende gespielt hat.

Denn für Josh Smith, der schon als Kind seine Leidenschaft für den Blues entdeckte und mit zarten zwölf Jahren bei Jams im Süden Floridas in die Saiten griff, war B. B. King nicht nur frühe Inspiration. Der heute in Los Angeles beheimatete Gitarrist hatte später, 1998, auch Gelegenheit, sein Idol bei einigen Auftritten zu unterstützen. Damals war er noch keine 20, und nun, mit Ende 30, wird er von Kollege Joe Bonamassa zu dessen Lieblingsmusikern gezählt.

Dass diese Ehre nicht von ungefähr kommt, wurde in Twist schnell klar. Smith reichert den Blues-Sound mit Elementen des Soul, Funk und Jazz an. Während er auf seinen im eigenen Studio produzierten Alben oft Bläser-Sektionen zur Unterstützung heranzieht, beschränkten er und seine Mitstreiter sich hier auf eine Kern-Instrumentierung mit Gitarre, Bass und Schlagzeug.

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Der Fokus lag also eindeutig auf Smith und seiner Virtuosität, die er beim Tänzeln, Rutschen und Ackern über die Saiten zeigte. Ausufernde Instrumentalpassagen ließen das Publikum teils schier den Atem anhalten. Besonders eindrucksvoll das von einem funkigen Groove geprägten „Pusher“, von Smith in stupendem Zusammenspiel mit seinem Bassisten dargeboten.

Tribut an Albert King

Eine etwas vollere Bühne hatten die Festivalbesucher zuvor erlebt, als Kai Strauss & The Electric Blues Allstars an der Reihe waren. Der stark vom Chicago-Blues beeinflusste Bandleader aus Osnabrück ließ sein Gitarrenspiel neben der Rhythmus-Sektion auch von Nico Dreier am Piano und Thomas Feldmann an Saxofon und Bluesharp flankieren.


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Die Songs muteten oft wie Roadtrips an; teils erzählten sie bluestypische Geschichten, wie vom Umgang von Mann und Frau: „If you got a good woman/ You better treat her right“, sang Strauss, und Feldmanns Saxofon schnaubte zustimmend. Mit „Got To Be Some Changes Made“ von Albert King zollte die Formation dann einem Großmeister des elektrischen Blues musikalischen Tribut. „Ohne Albert King gäbe es uns nicht“, bemerkte Strauss, der für eines seiner zahlreichen Soli von der Bühne und in den Zuschauerraum stieg.


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Einen solchen Abstecher hatte auch schon Lefthand Freddy gemacht, mit dem der Blues-Abend begonnen hatte. Der Niederländer ist ein alter Bekannter im Heimathaus: Nicht nur hat er eine Plakette auf dem „Walk of Fame“ und spielte schon ein Live-Album in Twist, er verewigte das Blues-Mekka im Moor auch in einem Song.

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Mit links vollführte Lefthand Freddy einen Streifzug durch das Blues-Universum, schaute in New Orleans vorbei, schob einen dampfmaschinenartigen Boogie ein und ließ das Publikum bei „Let Me Go Or Make Me Stay“ ausdauernd mitklatschen. Der langsame, getragene „TV Blues“ veranschaulichte, wie einem die Flut schlechter Nachrichten im Fernsehen den Blues bescheren kann. Und „Two-Faced Woman“ mit nervösem Funk-Rhythmus hörte sich an, als ob die Talking Heads in Blues-Gefilde vorgestoßen wären. 

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An (Szenen-)Applaus sparte das Auditorium an diesem Abend nicht. Einmal mehr ein stilvoller Mai-Auftakt.



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