Alte Bohrungen neu genutzt Land will Erdwärme in Erdöl- und Erdgasfeldern gewinnen

Eine Bohrung auf einem Förderplatz der Neptune Energy in Rühlertwist. Hier wird Erdöl gefördert. Foto: Manfred FickersEine Bohrung auf einem Förderplatz der Neptune Energy in Rühlertwist. Hier wird Erdöl gefördert. Foto: Manfred Fickers

Twist. Das Land Niedersachsen lässt die Nachnutzung von aufgegebenen Erdöl- und Erdgasbohrungen für die Erdwärmenutzung prüfen.

Welche Rolle die Nutzung vorhandener Bohrungen bei der Energiewende leisten kann prüft  das Geothermieforum Niedersachsen, eine deutschlandweit einzigartige Plattform zum Erfahrungstransfer aus der Erdgas- und Erdöl- in die Erdwärmebranche. Das Geothermieforum hat jetzt drei Publikationen veröffentlicht: einen Bericht zur Geothermischen Nachnutzung von Bohrungen, eine Liste von Bohrungen, die möglicherweise nachnutzbar sind und eine Checkliste für privatrechtliche Verträge zur Übertragung einer Bohrung, teilt das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) mit.

Der Bericht und die Checkliste geben einen Überblick über Rahmenbedingungen für eine Folgenutzung und Vereinbarungen zum Unternehmerwechsel. Der Bericht geht auf die rechtlichen Schritte ein, die bisher als Hürde für eine Nachnutzung von Bohrungen angesehen wurden. An der neuen Bohrungsliste beteiligen sich fünf Firmen der Erdgas- und Erdölindustrie. Sie wird mindestens zweimal pro  Jahr aktualisiert. Zu den beteiligten Firmen gehören die Wintershall Holding GmbH, die unter anderem in der Grafschaft Bentheim aktiv ist, und die ExxonMobil Production Deutschland GmbH, die Erdölvorkommen im Landkreis Emsland ausbeutet.

Seit fast 100 Jahren wird in der Region nach Erdöl und Erdgas gesucht, seit 1938 wurde erstmals Erdgas und  1942 Erdöl gefunden. Allein im Ölfeld Rühle mit den Feldesteilen Rühlermoor und Rühlertwist sind mehr als 180 Fördersonden in Nutzung. Daher ist der Untergrund intensiv erkundet und es gibt im Landkreis Emsland nicht verfüllte, vorläufig noch genutzte Bohrungen In den Samtgemeinden Werlte, Sögel und Herzlake, in den Gemeinden Geeste und Twist, in den Städten Haren, Meppen und bei Lingen. Allerdings ist nicht jede Bohrung geeignet, daher sind intensive Prüfungen im Einzelfall nötig.

In Niedersachsen wurden bisher mehr als 10.000 Bohrungen mit einer Tiefe von über 400 Metern niedergebracht. Sie befinden sich vor allem im niedersächsischen Erdöl- und  Erdgasgürtel zwischen Sachsen-Anhalt und der niederländischen Grenze. Viele dieser  Bohrungen enden in Gesteinshorizonten, die Temperaturen von deutlich mehr als 60 Grad  Celsius aufweisen.  „Sie bieten im Einzelfall eine attraktive Möglichkeit für die Gewinnung von Erdwärme. So sind  Investitionen und Risiken meist wesentlich geringer als bei Erdwärmeprojekten, für die eine Neubohrung notwendig wäre“, sagt Geothermie-Experte Dr. Wolfgang Wirth vom LBEG. Beispiele für eine geothermische Nachnutzung von Erdöl- und Erdgasbohrungen gibt es  im rheinland-pfälzischen Landau und im niederösterreichischen Neukirchen an der Vöckla. 

Das Forum wird vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie und dem Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie e. V. in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung organisiert. 

Tiefe Geothermie 

Von tiefer Geothermie wird in der Regel bei Geothermieanlagen mit Bohrtiefen von mehr als 400 Metern gesprochen. Die meisten der derzeit in Deutschland genutzten tiefen Geothermiebohrungen  sind zwischen circa 2000 und 3500 Metern tief. Die tiefe Geothermie kann vor allem im Bereich der Wärmeversorgung einen  Beitrag zur Energiewende liefern. Sie ist klimaschonend und regenerativ. Im norddeutschen Becken  werden die Potenziale der tiefen Geothermie bisher kaum genutzt. Hauptgründe hierfür sind unter anderem die hohen Bohrkosten und das so genannte Fündigkeitsrisiko. Das Fündigkeitsrisiko ist das Risiko eine Bohrung niederzubringen und beispielsweise aufgrund zu geringer Fördermenge, zu geringer Temperatur oder nicht handhabbarer Wasserqualität nicht den notwendigen Wärmegewinn daraus zu erzielen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN