Grandiose Tribute-Show Purple Rising im ausverkauften Heimathaus Twist

Von Gerd Mecklenborg

Vollpower-Classic-Hardrock lieferten Purple Rising im Heimathaus Twist ab. Foto: Gerd MecklenborgVollpower-Classic-Hardrock lieferten Purple Rising im Heimathaus Twist ab. Foto: Gerd Mecklenborg

Twist. Ja, das Gebälk hat wieder gebebt im proppenvollen Heimathaus Twist, beim Gig von Purple Rising, der aktuell wohl besten Deep-Purple-Tributeband.

Als wäre die Zeit stehen geblieben. Denn so wie in Twist hat es schon vor über 40 Jahren bei den Originalen geklungen.

Ab den 1970er Jahren lieferte die britische Hardrockband Deep Purple in wechselnden Besetzungen weltweit legendäre Konzerte. Diese wechselnden Besetzungen werden mit „Mark“ bezeichnet. „Mark II“ ist dabei die Formation, die sich bei der internationalen Purple-Fangemeinde fest ins Gedächtnis gebrannt hat, denn in dieser Besetzung entstanden „Smoke On The Water“, „Child In Time“ und „Black Night“.

In Twist gab es die Knaller von Mark II bis Mark IV auf die am Ende des Konzerts glühenden Ohren. Wie schon vor etwa zwei Jahren an gleicher Stelle war die Illusion schlichtweg perfekt. Majestätisch thronte die C3-Hammond-Orgel mit zwei rotierenden Holz-Leslie-Boxen auf der Heimathaus-Twist-Bühne, und dann startete der Abend mit dem schaurig schönen mittelalterlichen Chorgesang „O Fortuna“ aus der „Carmina Burana“ von Carl Orff, als Intro vom Band. Mit „Highway Star“ ging dann die Post so richtig ab und gönnte sich erst nach drei Stunden den Feierabend, denn da waren sie alle „fix und fertig, aber restlos begeistert“ (O-Ton Band und Fans).

Dominik Stotzem (Bass), Andreas König (Hammondorgel, Keyboards), Patrick Sühl (Vocals), Stefan Deissler (Drums) und Reik Muhs (Gitarre) führen ihr musikalisches Handwerk enthusiastisch, exzessiv und mit Extrem-Power vor. Da donnert knackig der Bass von Roger Glover aus den Marshall-Boxen, virtuos wird Ritchie Blackmores Gitarrenspiel simuliert. Ja, und sogar noch verfeinert! Man meint, dass Ian Paice höchstselbst auf die Trommeln haut und in „höchsten Höhen“ erschallt die Stimme des „jungen“ Ian Gillan.

Was macht die Sache aber so interessant und spannend für eingefleischte Purple-Fans? Das sind die legendären musikalischen Deep-Purple-Duelle, die Purple Rising neu, virtuos und witzig interpretieren. Etwa der „Fight“ zwischen Reik Muhs mit der Fender-Strat und Andreas König an der C3-Hammond-Orgel. Oder Muhs mit Sänger Patrick Sühl, der auch an Axl Rose von Guns N‘ Roses erinnert. Dazu kommt, dass der brillante Gitarrist Muhs eine geniale Kombination des Blackmore-Stils mit dem vom Ritchies Nachfolger Steve Morse abliefert.

Tastenmann Andreas König, der bereits mit Deep-Purple-Legende Jon Lord auf der Bühne stand, ist optisch eine Mischung aus Lord und Ken Hensley von Uriah Heep und überrascht bei seinen Soloeinlagen mit bekannten Mozartmelodien. Dann natürlich die neu arrangierten Varianten, etwa von „Child In Time“, die locker die 20-Minuten-Marke sprengen und mit bekannten „Konkurrenzsequenzen“ gespickt sind.

Grandios meistert der stimmgewaltige Frontmann Patrick Sühl den Spagat zwischen sämtlichen Deep-Purple-Sängern. Nicht nur ein körperlicher Riese, sondern auch ein Gigant am Bass ist Dominik Stotzem. Und es gibt sie alle, die Hardrockklassiker wie „Space Truckin‘“, „Fireball“, in Form einer witzigen Jam Session, eine mit grandiosen Soloelementen verfeinerte Mammut-Version von „Mistreated“, und nahtlos mit heftigem Niesen von Bassist Dominik angekündigt ertönt „Hush“. Witzig fängt „Black Night“ an, da Drummer Stefan Deissler so tut, als wüsste er den weltbekannten knackigen Drumpart nicht mehr, und erst von Patrick eingewiesen werden muss.

Alles endete mit einer exzessiven Kombination aus „Speed King“ und „Burn“. Alles? Natürlich nicht! Denn da kam noch die heftige Zugabe, eingeleitet mit dem Highlight „Perfect Strangers“. Und was durfte nicht fehlen und wurde vom großen Fanchor lauthals mitgejohlt? „Smooooooooke On The Waaaaater“. Aber klar doch! Und weil das Auditorium weiter tobte, musste es in der letzten Zugabe mit „Soldier Of Fortune“ langsam „runtergefahren“ werden.


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