zuletzt aktualisiert vor

Geschichten um Siedlerpionier teils erfunden Diepenbrocks Erzählungen

Von Horst Bechtluft

Meine Nachrichten

Um das Thema Twist Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Straßenschild der Hermann-Eilers-Straße. Foto: BechtluftStraßenschild der Hermann-Eilers-Straße. Foto: Bechtluft

TWIST. Dr. Johann Bernard Diepenbrock (1796–1884) gilt als „Vater der emsländischen Geschichtsschreibung“. Doch ist seine 1838 erstmals veröffentlichte und fast achthundert Seiten umfassende „Geschichte des vormaligen münsterschen Amtes Meppen“ auf jeden Fall mit historischer Vorsicht zu lesen. Das ergaben Nachforschungen aus Anlass des anstehenden Jubiläums „225 Jahre Twist“.

Diepenbrock war von 1819 bis 1845 Lehrer am Gymnasium Meppen. In dieser Zeit schrieb er seine umfassende Chronik. Darin widmet er der Anlegung von neuen Kolonien im Bourtanger Moor (d. h. auch von Twist) ein ganzes Kapitel. Der Verfasser wird oft dafür gelobt, dass er sich anders als andere Geschichtsschreiber auf Quellen gestützt habe. Im Fall der Gründung der beiden Kolonien Hesepertwist (1784) und Rühlertwist (1788) trifft das nicht zu. Hier geht der Schriftsteller mit dem Historiker durch.

So erzählt Diepenbrock in epischer Breite die Geschichte von Herm Eilers, dem ausgestoßenen Heuermann, dessen armselige Hütte weit draußen im Twister Moor von wütenden Bauern angezündet wird. Derartige Reaktionen von Markenberechtigten aus den Emsdörfern hat es gegeben. Diese fühlten sich in ihren alten Rechten an der gemeinsamen Mark eingeschränkt, sobald ein Unberechtigter im Ödland siedelte. Doch Diepenbrock ist einer Namensverwechslung aufgesessen, wie Heimathistoriker Gregor G. Santel schon 1986 herausfand. Trotzdem wird der Siedler-Pionier „Hermann Eilers“ in Twist immer noch mit einem Straßennamen geehrt.

Der Mann, dessen Schicksal Diepenbrock schildert, hieß nicht Hermann Eilers, sondern Gerd Bekel. Er kam aus dem Kirchspiel Hesepe und war einer der ersten Siedler auf dem Twist. Ihm half nicht, wie berichtet wird, der Gerichtsschreiber Mulert. Offenbar hatte er mit dem Staatsanwalt (advocatus fisci) Dr. Maximilian Mulert in Meppen zu tun. Jedenfalls erwähnt eine Heseper Chronik die Unterstützung von Bekel durch Doktor Mulert,

Abschrift beglaubigt

Gerd Bekel wanderte auch nicht in die Landeshauptstadt Münster, wie Diepenbrock ausführlich erzählt, um dort mit einem Brief des Gerichtsschreibers Mulert dem Geheimrat Münstermann die trostlose Lage der Heuerleute zu schildern. Die Unterschrift Münstermanns beglaubigt lediglich eine Abschrift der Entscheidung des Fürstbischofs Maximilian Franz vom 14. Juni 1784, welche den Heuerleuten erste Siedlungen auf dem Twist genehmigt.

Die münsterschen Behörden, in erster Linie der Amtsrentmeister in Meppen, mussten nicht durch einen Einzelnen auf die Probleme der Heuerleute und deren Wunsch, in der „gemeinen Mark“, d. h. draußen am Twist, zu siedeln, hingewiesen werden. Mit der rechtlich schwierigen Lage und den unterschiedlichen Interessen der Bauern, der Heuerleute und des Staates hatten die Beamten seit vielen Jahren zu tun. Schon 1766 waren erste Anträge auf Ansiedlung gestellt worden.

Allerdings verhinderte die noch nicht festgelegte Grenze gegenüber den Niederlanden eine Zusage. Erst mit dem Amtsantritt des entscheidungsfreudigen 27-jährigen Fürstbischofs Maximilian Franz im Frühjahr 1784 hatten Anträge der ersten Siedler auf dem Twist wieder eine Chance. Diesen „Tipp“ hatte Mulert den Heuerleuten gegeben. Doch die Zusammenhänge gehen im Schwall der mitreißenden Erzählung des Johann Bernard Diepenbrock unter.

Die zum Jubiläum„225 Jahre Twist“ erstellte Festschrift schildert neue Erkenntnisse zur Gründungsgeschichte der Moorkolonien, insbesondere von Adorf und Hesepertwist.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN