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Emslandsport-Reportage: Mario Reig Leffler Coach auch in Spanien Der Zufall stand Pate: Trainerstuhl im Hochland von Guatemala

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Twist. „Der Fußball ist überall auf der Welt gleich: Ein Ball, zwei Tore, elf Spieler, ein genormtes Feld“, sagt Mario Reig Leffler. Als Unterschied macht er die Schnelligkeit aus, in der die Spieler oder Mannschaften handeln. Der 47-Jährige kann Vergleiche anstellen: Er spielte als Jugendlicher für Grenzland Twist, später für RCD Mallorca in der höchsten spanischen Jugendklasse und dann in der dritten Liga. Als Trainer war Reig Leffler in der zweiten und dritten Liga in Spanien, aber auch in der ersten in Guatemala tätig.

Der Weg hat Reig Leffler jetzt wieder ins Emsland geführt hat. „Aus familiären Gründen“, sagt er. Fußball ist sein Leben. Der Ball unter dem Arm war jahrelang sein Markenzeichen. Er hat etliche Erinnerungen gesammelt. Da ist aus einem spanischen Fußballmagazin die Seite, die er zusammen mit Louis van Gaal und Pep Guardiola ziert. „Der Held in Guatemala“, heißt der Titel. In einem Blog wird er als Willy Fog des Fußballs tituliert. Jener englische Geschäftsmann, der nach der Buchvorlage von Jules Verne in 80 Tagen um die Welt reiste. So weit reiste Reig Leffler zwar nicht, aber in seiner Fußballwelt lernte er Persönlichkeiten kennen: Bei Luis Aragonés, der etliche spanische Top-Teams und die Nationalmannschaft trainierte, Rafael Benitez (Valencia, Liverpool, Inter Mailand, Chelsea), Gregorio Manzano (Mallorca) und Guardiola hat er hospitiert.

Reig Leffler wurde in Tarragona im Süden der spanischen autonomen Region Katalonien geboren als Sohn einer deutschen Mutter und eines spanischen Vaters. Als seine Mutter starb, zog der damals Zwölfjährige zu seinen Großeltern ins Emsland. „Mein Vater war als Hoteldirektor den ganzen Tag beschäftigt.“ Natürlich spielte er auf dem Twist Fußball, von der C- bis zur A-Jugend bei Grenzland. Besonders erfolgreich war der Mittelstürmer und Rechtsaußen, der im Zweifelsfall in die Abwehr beordert wurde, nicht. „Erst als ich wegging, ist Twist Meister geworden“, lacht Reig Leffler schelmisch. Sein Talent blieb im Emsland unentdeckt.

In Spanien hatte er mehr Glück – und weiß, dass es doch nur ein großer Zufall war. Er spielte auf der Ferieninsel Mallorca Beachfußball. Beobachter von RCD Mallorca – dem Verein, bei dem von Juli bis Oktober 2001 der ehemalige Mönchengladbacher Bernd Krauss und sieben Jahre später der ehemalige dänische Nationalspieler Michael Laudrup für ähnlich kurze Zeit Trainer war – schauten zu, weil sie sich für zwei Mitspieler Reig Lefflers interessierten. Der Stürmer wurde zum Training eingeladen und bekam einen Platz im A-Junioren-Kader. Eine Überraschung. „Ich habe nur aus Spaß am Strand gespielt. Dass ich entdeckt wurde, war großes Glück. Einfach ein Zufall“, weiß Reig Leffler. „Da habe ich mein erstes Geld beim Fußball verdient.“

Zum mallorquinischen Trainerstab gehörte damals Lorenzo Serra Ferrer oder der ehemalige französische Nationaltorwart Marcel Domingo. „In der Jugend habe ich den Durchbruch geschafft“, stellt Reig Leffler fest. Da aber der Sprung in die erste Seniorenmannschaft nicht auf Anhieb gelang, wurde er ausgeliehen an den Drittligisten Club Deportivo Murense. Als Mallorca den Angreifer nicht wieder verpflichten wollte, blieb er bei Murense und wollte es allen beweisen. „Ich war sicher, dass es für die erste oder zweite Liga reichen würde“, erklärte der körperlich starke und im Zweikampf harte Strafraumstürmer. Doch Knieprobleme beendeten jede Hoffnung. Also machte er Trainerscheine. Zunächst in Almeria, später in Saragossa. „Fußball war schon mein Lebensmittelpunkt geworden“, blickt er zurück.

Bei CD Almeria, dem Club in der andalusischen Hafenstadt, wurde er 1996 Kotrainer an der Seite von José Angel Moreno, mit dem er heute noch regen Kontakt hat. Ziel war der Klassenerhalt. In der dritten Liga übernahm Reig Leffler bei CD Marmol Macael als Chefcoach mehr Verantwortung. Auch bei Mazzaron CF blieb das Ziel Klassenerhalt.

Bei der nächsten Herausforderung stand wieder der Zufall Pate: Reig Leffler war für eine FIFA-Agentur in Zentral- und Südamerika unterwegs, als der Bürgermeister von Antigua, einer Kleinstadt im zentralen Hochland von Guatemala, ihn ansprach, ob er den Klub GFC, der gerade dreimal in Folge verloren hatte, übernehmen wolle. „Aus Quatsch habe ich Ja gesagt“, erinnert sich Reig Leffler, der zügig ein Vertragsangebot bekam – und nicht mehr ablehnen konnte. Bis zu seinem Amtsantritt hätten die Spieler die Aufgabe zu leicht genommen, meint Reig Leffler. Er forderte Disziplin, Pünktlichkeit, Charakter und stimmte die Mannschaft darauf ein, dass sie für die Region spiele. Offenbar fand der Coach den richtigen Ton. Die Entscheidung über den Klassenerhalt fiel am letzten Spieltag zwischen drei punktgleichen Konkurrenten. Mit am Ende nur noch acht Spielern auf dem Feld gewann Antigua GFC 4:2 und blieb in der Klasse. In der zweiten Saison erreichte der Klub die Play-offs und wurde Vierter.

Reig Leffler zog es zurück auf die Iberische Halbinsel, er fand aber keinen Verein. Als Coban Imperial anfragte, griff er sofort zu. „Dort hatte ich Perspektiven“, erklärt der Trainer, der im Hochland 200 Kilometer nordöstlich von Guatemala-Stadt auf den Spuren der Mayas seine größten Erfolge feierte. „Die Mannschaft war richtig gut. Neun Nationalspieler standen im Kader.“ Zwischen 6000 und 28000 fußballverrückte Zuschauer verfolgten die Erstligapartien. „Die Menschen sind arm. Sie sparen, um Fußball sehen zu können“, reagierte Reig Leffler beeindruckt. Seine „blauen Prinzen“ waren auf dem Weg zum Titel nicht zu stoppen. In der zentralamerikanischen Champions League scheiterte Coban im Viertelfinale (1:1, 0:2) an San José (Costa Rica).

Zurück in Spanien, war Reig Leffler noch Sportdirektor in Algeciras. Dann arbeitete er für eine Sportagentur, die vor etwas mehr als einem Jahr den 1. FC Magdeburg wieder ins große Fußballgeschäft hieven wollte. Dazu kam es nicht. Jetzt lebt Reig Leffler im Emsland, hat die ein oder andere Aufgabe im Fußball, die ihn nicht auslastet. Vielleicht hilft ja wieder der große Zufall...


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