Unaufgeregt und mit ansteckender Spielfreude Kult-Blues-Formation Barrelhouse glänzt in Twist

Von Gerd Mecklenborg

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Barrelhouse zelebrierten den Zwölftakter in sämtlichen Variationen im gutbesuchten Heimathaus Twist. Foto: Gerd MecklenborgBarrelhouse zelebrierten den Zwölftakter in sämtlichen Variationen im gutbesuchten Heimathaus Twist. Foto: Gerd Mecklenborg

Twist. Sie wurden bereits 1974 gegründet und gelten mit Cuby + Blizzards als die gefragtesten Bluesgrößen der Niederlande. Die Rede ist von Barrelhouse. Am Samstagabend hat die sechsköpfige Truppe zum siebten Mal auf der Bühne des Twister Heimathauses gestanden.

Unaufgeregt und mit ansteckender Spielfreude hatten Barrelhouse in der Besetzung Tineke Schoemaker (Gesang, akustische Gitarre), Guus Laporte (Gitarre, Gesang), Johnny Laporte (Gitarre) Jan Willem Sligting (E-Bass, Kontrabass und Akkordeon), Han van Dam (Piano und Keyboards) und Bob Dros (Schlagzeug) das Twister Publikum vom ersten Ton an im Griff. So wurden dann auch die Tische vor der Bühne schnell weggeräumt, damit es sich gut tanzen und herumspringen ließ zu den in verschiedenen Varianten vorgetragenen Zwölftaktern.

Die Band hatte viele Stücke ihres aktuellen Albums „Almost There“ auf der Twister Setlist stehen, allesamt Tracks ohne Schnörkel und Anleihen an „modern music times“. Denn der „Barrelhouse-Blues“ bleibt ein cooler, traditioneller. Im Heimathaus würzten die sechs Musiker ihren Blues allerdings immer mal wieder mit Anleihen an Swing, Folk oder Rock.

Wettstreit zwischen Fender-Strat und Gibson Les Paul

Charismatisch und mit bluesiger Stimme Barrelhouse-Frontfrau Tineke Schoemaker, die 2012 von der Dutch Blues Foundation als beste Bluessängerin gekürt wurde. Bassist Jan Willem Sligting wechselte zwischen seinem E-Instrument und dem Kontrabass hin und her, das ergab immer wieder einen neuen Grundsound, mal weich, mal knackig dynamisch. Zu Beginn des zweiten Sets griff er sogar zum Akkordeon und spielte gemeinsam mit Tineke Schoemaker und Guus Laporte eine wunderschön melodische Folk-Weise.

Im ersten Set gab es auch schon mal eine flotte Boogie-Nummer auf die Ohren. Fast alle Titel sind Eigenkompositionen und wirkten dennoch wie Ur-Klassiker des Genres. Genial immer wieder der Wettstreit zwischen Fender-Strat und Gibson Les Paul der beiden Laporte Brüder, die ansonsten ihren Twin-Gitarren-Sound als roten Konzertfaden einsetzen.

Flirten mit der Gesamtlautstärke

Und immer wieder dieser tolle Wechsel in der Dynamik, das gekonnte Flirten mit der Gesamtlautstärke und die enorme Spielfreude der holländischen Bluesbarden, die das Publikum ansteckte. Es genoss furiose, entfesselte Phasen und träumerische Ruheoasen in bester Chicago-Blues-Manier. Dafür gab es begeisterten Szenenapplaus vom blueskundigen Auditorium.

Akustische Akzente setzte perfekt und klangvoll Pianist Han van Dam, sehr virtuos im Solospiel und sich zurücknehmend in der Akkordbegleitung. Schlagzeuger Bob Dros sorgte für den richtigen Groove. Als der Zugabenblock schon lange verhallt war, befanden die Konzertbesucher unisono: „So muss sich ein Heimathaus-Twist-Blues-Gig anhören.“


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