Kirchenbau im Hochmoor Johann Bernhard Hensen und der schwierige Bau der Hebelermeer Kirche

Von Horst Heinrich Bechtluft


Twist. Einem naturverbundenen Wanderer wäre vor 153 Jahren im wilden Hochmoor zwischen Wesuwe und Hebelermeer das Herz aufgegangen. Doch als der Baumeister Johann Bernhard Hensen aus Sögel 1865 den von Birken gesäumten grundlosen Weg über Moor und Heide zurücklegte, dürfte er sorgenvoll geschaut haben. Wie konnte hier das Material für die von ihm geplante und von den Anwohnern so sehnlich erwartete Kirche nach Hebelermeer transportiert werden?

Die Backsteine für den Kirchbau wurden in Altenberge im Feldbrand mit Torf gefertigt. Von dort konnten sie bis Segberg auf Sandwegen gefahren werden. Danach wurde es immer schwieriger. Die Hebelermeerer Bauern hatten nur leichte Ackerwagen mit zehn Zentimeter breiten Felgen. Unter jedem Wagen hingen die typischen „Peärdeholsken“. Wo bei Wesuwermoor der feste Weg endete, wurde die Hälfte Steine abgeladen. Jetzt schnallte man den Pferden die Bretterschuhe unter, und so kroch das Gespann beschwerlich übers Torfmoor. Wenn Regen kam, wurde der Steintransport eingestellt. Das Anfahren des Materials zog sich laut Dorfchronik zwei Jahre hin. Am 19. Mai 1866 wurde die Kirche in Hebelermeer gesegnet.

Architekt Hensen war kein Mann, den Schwierigkeiten schreckten. Der 1828 in Sögel geborene Kirchenbaumeister war ein vielseitiger Geselle. Nach der Zimmermann- und Maurerlehre ging er zu den Windmühlenbauern. Diese waren Spezialisten, was die Konstruktion ihrer Holz- und Steingebäude anging. Als 1856 der Neubau einer Kirche in Wachtum ausgeschrieben wurde, war der junge Sögeler mit seinem Entwurf erfolgreich. Der Bischof von Münster förderte Hensen daraufhin. Dieser besuchte von 1858 bis 1860 das Polytechnikum in Hannover.

Typischer neugotischer Stil

1864 bewarb sich der 35-Jährige als Nachfolger des Bauinspektors Niehaus im Herzogtum Arenberg-Meppen. In seinem Bewerbungsschreiben benennt er acht Kirchenbauten, die er bereits zur Planungsreife gebracht habe. Dazu gehörte auch die kleine Kirche für Hebelermeer weit draußen im Moor. Sie war im für Hensen typischen Stil der Neugotik entworfen. Besonders das Polytechnikum Hannover hat der Neogotik in Norddeutschland – oft unter Verwendung von Backsteinen – seinen Stempel aufgedrückt, und Hensen war ein gelehriger Schüler gewesen. Hinzu kam nach seinen Erfahrungen, dass sich im gotischen Stil „wohlfeiler“, also preiswerter bauen ließ. Das dürfte in der ärmlichen Moorkolonie Hebelermeer eine Rolle gespielt haben. Mit ihrer zurückhaltenden Gestaltung beeindruckt die kleine Dorfkirche durchaus im Vergleich mit der sehr viel größeren Hensen-Kirche in Rütenbrock. Johann Bernhard Hensen starb 1870 im Alter von 42 Jahren.


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