Museumsanbau Erdöl-Erdgas-Museum Twist wird um „Tank des Wissens“ erweitert

Von Ingo Hinrichs


Twist. Das Erdöl-Erdgas-Museum Twist ist Eigentümer einer sogenannten Quintuplex-Pumpe, die in der Ölförderung im Emsland große Bedeutung hatte. Weltweit gibt es von diesem Typ nur noch zwei oder drei Exponate. Die seltene Pumpe wurde deshalb aufwendig restauriert und soll in die Ausstellung integriert werden.

Aufgrund der Dimensionen ist dafür ein Anbau erforderlich. Das zu einem erheblichen Teil mit EU-Geldern finanzierte Objekt soll Endes des Jahres in Betrieb gehen. In dem „Tank des Wissens“ genannten Anbau in Form eines Öltanks finden im Erdgeschoss die Pumpe und im Obergeschoss eine Bibliothek ihrem Platz.

Technische Besonderheit

Die Quintuplex-Pumpe war 50 Jahre in Betrieb. Zuletzt befand sie sich im Eigentum von „Exxon Mobile“ und wurde für den Reinöltransport im Erdölfeld in Rühlermoor eingesetzt. Nach der Stilllegung vor mehr als 10 Jahren wurde die Pumpe bei der Firma Küpers in Georgsdorf eingelagert. „Eine sehr vorausschauende Entscheidung“, so der Leiter des Museums Rudi Gaidosch. Andere Pumpen gleicher Bauart seien in diesen Jahren ausgemustert und verschrottet worden. Das Exemplar im Erdöl-Erdgas-Museum ist damit eines der letzten seiner Art. Weltweit dürfte es nur noch zwei oder drei weitere Exponate geben. Es ist deshalb naheliegend, dieses seltene Stück im Museum zu präsentieren.

„Tank des Wissens“

Die gewaltigen Ausmaße machen jedoch eine Ausstellung in den vorhandenen Räumen unmöglich. Es wurde deshalb ein Weg für einen kostengünstigen Anbau gesucht. Nach langen Vorplanungen entschied man sich letztlich für den „Tank des Wissens“, einen Anbau an das Museum in Form eines Öltanks. Der erste Spatenstich für den Neubau fand im August 2017 statt. Fertigstellt sein soll der Neubau Ende dieses Jahres. Aufgrund der gewaltigen Ausmaße der Pumpe mit einem Gewicht von rund 13 Tonnen und einer Länge von sieben Metern musste sie bereits in der Rohbauphase mit einem Schwerlastkran in die Baustelle gesetzt werden. Der Anbau wird nach Fertigstellung zweigeschossig sein und im Erdgeschoss die Pumpe beherbergen. Im Obergeschoss wird eine Bibliothek eingerichtet. Aus Schenkungen von Privaten und der Öl- und Erdgasindustrie verfügt das Museum über einen umfangreichen Schatz an Fachliteratur. Zum Umfang gehören mehr als 130 Regalmeter Bücher in deutsch, niederländisch, englisch und französisch. Eine Besonderheit ist ein kleiner Fundus an Fachbüchern in chinesisch. Die Bibliothek soll in umlaufenden Regalen im Obergeschoss untergebracht werden und soll allgemein zugänglich sein.

Finanzierung mit EU-Mitteln

Das Erdöl-Erdgas-Museum ist eine sogenannte „Moorpforte“ und damit eine offizielle Anlaufstelle des „Internationalen Naturparks Bourtanger Moor- Bargerveen“. In dieser Funktion trägt das Museum dazu bei, den grenzüberschreitenden Erholungsraum beiderseits der Grenze bekannter zu machen. Die mit insgesamt 350 000 € veranschlagten Gesamtkosten werden deshalb zu 70 Prozent aus dem INTERREG VA-Programm „Grenzenloses Moor – Grenzeloos Veen“ gefördert. Die verbleibenden Kosten von 105 000 Euro werden mit 55 000 Euro vom Förderverein des Museums, 30 000 Euro vom Heimatverein und 20 000 Euro von der Gemeinde Twist aufgebracht. Zudem haben der Förderverein und der Heimatverein weitere 15000 Euro für die Innengestaltung zur Verfügung gestellt.

Wie Werner Reiners als allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters und Wirtschaftsförderer Martin Müller betonten, sei dieses Modell ein Paradebeispiel für einen gezielten Einsatz von EU-Geldern und eine funktionierende Zusammenarbeit auf der kommunalen Ebene.

Fertigstellung Endes des Jahres

Der Rohbau des Anbaus ist bereits fertiggestellt. In Kürze beginnen die Installationsarbeiten für die Heizung und die Elektrik. Putz- und Estricharbeiten, der Trockenbau und die Installation einer Außentreppe sollten im Herbst in Angriff genommen werden. Abschließend wird dann die Verbindung an das bestehende Museum geschaffen. In dieser Phase wird das Museum auch etwa drei Wochen geschlossen bleiben. Die endgültige Fertigstellung ist für Ende des Jahres vorgesehen. Die relativ lange Bauphase sei – so die Vertreter der Gemeinde – auch darauf zurückzuführen, dass in Anbetracht der guten Auftragslage der Handwerksbetriebe Vergaben teils erst nach mehrfacher Ausschreibung möglich waren.


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