Vom Hochmoor zum Ackerland Grenzstein 163 in Hebelermeer hat viel überstanden

Von Horst Heinrich Bechtluft

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Twist. Der Grenzstein Nummer 163 in Hebelermeer hat die Umwandlung des Hochmoorgebiets an der deutsch-niederländischen Grenze in Ackerland überstanden.

Amtssekretär Clemens Blumenberg in Meppen war ziemlich wütend. Hatten doch im Herbst 1875 Unbekannte den Grenzstein Nummer 163 kräftig demoliert. Der auffällige Stein markierte im Moor bei Hebelermeer die Staatsgrenze zwischen den Königreichen Preußen und Niederlande. Der oder die Frevler hielten offenbar nichts von staatlicher Reglementierung.

Wohl mit einem schweren Schmiedehammer waren große Teile des offiziellen steinernen Grenzmonuments abgeschlagen worden. Diese Tat durfte nicht ungestraft bleiben. Blumenberg, als Beamter vergleichbar etwa einem Dezernenten beim heutigen Landkreis, setzte daher am 28. November 1875 eine Belohnung für Hinweise auf den oder die Täter aus: „Eine Prämie von fünfzehn Mark wird demjenigen zugesichert, welcher den Frevler so bestimmt zur Anzeige bringt, daß dessen Bestrafung erwirkt werden kann.“

Wir wissen nicht, ob ein Täter daraufhin namhaft gemacht wurde. Die ausgelobte Summe war zu Goldmarkzeiten schon beachtlich. Doch war der Tatort im feuchten Hochmoor mehr als abgelegen und die Moorbewohner hielten gegenüber staatlichen Stellen zumeist dicht. Das Ganze dürfte ohne Folgen geblieben sein. Die kräftigen Abschläge am Kopf des Grenzsteins Nr. 163 sind noch deutlich zu erkennen. Der Stein gehört heute zu den fünfzehn ausgewählten Standorten der vom Internationalen Naturpark Bourtanger Moor-Bargerveen bearbeiteten „Grenzsteinroute“.

Nummer 163, ein typischer „Hannöverscher Grenzstein“, wie er infolge des Grenztraktats von Meppen zwischen den Königreichen der Niederlande und Hannover nach 1824 aufgestellt wurde, ist in der geografischen Mitte der Radwanderroute zwischen Coevorden und Ter Apel zu finden. Die Schäden aus dem Jahr 1875 sind nicht die einzigen Veränderungen am Stein. Auch wenn das Monument im Naturpark Moor liegt, ist inzwischen von „Moor“ in der Umgebung so gut wie nichts mehr zu sehen. Der Torf ringsum ist ausgebaggert, ein Entwässerungsgraben direkt an der Grenze wurde angelegt, die weiten Flächen sind besandet worden. Derzeit steht Nr. 163 zwischen sandigen Äckern einsam da, sozusagen auf „verlorenem Posten“.

Unter Tourismusaspekten fällt besonders der Verlust der „grünen Kulisse“ in der Landschaft rund um den markanten Stein auf. Zwar war der Bestand von Büschen, Gräsern und Kräutern am Rand des Torfabbaus an der Grenze wohl nie ein geplanter Zustand. Doch wirkte das Ganze noch vor drei Jahren gegenüber der heutigen Ansicht wie eine Idylle. Inzwischen mag es für Radwanderer nicht gerade attraktiv sein, an Kartoffel- und Maisäckern vorbei zu radeln, von denen es im linksemsischen Raum schon jede Menge gibt. Und wer sich dennoch bei einer Rast am Grenzstein Nr. 163 die Beschädigungen von 1875 anschaut, der wird entdecken, dass auch die bunten Hinweispfähle der deutsch-niederländischen „Grenzsteinroute“ die Kultivierung der Landschaft nicht überstanden haben: Der niederländische Pfahl ist verschwunden, der deutsche ist zerbrochen und notdürftig eingesteckt worden.


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