Rockige Jethro-Tull-Songs Locomotive Breath schnauft durchs Heimathaus Twist

Ein trotz großer Hitze im Heimathaus strahlender Martin Barre im Zusammenspiel mit Dan Crisp. Foto: Gerd MecklenborgEin trotz großer Hitze im Heimathaus strahlender Martin Barre im Zusammenspiel mit Dan Crisp. Foto: Gerd Mecklenborg

Twist. Auch bei seinem dritten Gig im Heimathaus Twist hat Mr. Martin „Lancelot“ Barre seine Fangemeinde mit seinem virtuosen Gitarrenspiel begeistert.

Barre wird in Musikjournalen als einer der 20 weltbesten Gitarristen aufgelistet, und dass dieses Prädikat zutrifft bewies der inzwischen 72-jährige Multiinstrumentalist einmal mehr im proppenvollen Heimathaus. Viele Jethro Tull Fans waren ins Emsland gepilgert, um die von Martin Barre umarrangierten Songs der legendären Progrockband zu hören. Denn Martin war 49 Jahre der Gitarrist von Jethro Tull und galt als der „Kapellmeister“ von Frontmann und Flötist Ian Anderson. Für sein Gitarrenspiel auf dem Album „Crest of a Knave“ wurde Barre 1988 mit dem Grammy ausgezeichnet. Neben seiner erfolgreichen Zeit bei Jethro Tull, teilte er die Bühne mit Künstlern wie Led Zeppelin, Jimi Hendrix, Paul McCartney, Gary Moore, Pink Floyd und Fleetwood Mac.

Interessant waren die rockigeren Arrangements der bekannten Tull-Nummern, die in der ursprünglichen Form einen akustischen Charakter haben, und einige sehr rockige Tull Arrangements präsentierte die Martin Barre Band im „soften“ Gewand. Immer präsent und konzertprägend das unglaublich virtuose und facettenreiche Gitarrenspiel von Meister Barre. Dazu spielt Bassist Alan Thompson einen tief pumpenden Bass, und Sänger Dan Crisp entpuppt sich als idealer „Zweitgitarrist“. Jonathan Joseph trommelt dazu kraftvoll und dynamisch.

Los ging es mit einer rockigen Version von „Minstrel in the Gallery“ und danach nahtlos „Steel Monkey“, eine typische 80er-Rocknummer, gefolgt von einem saftigen Blues aus der Feder von Bobby Parker. Und auch Martins eigene Nummern die rocken so richtig, wie etwa „Back to Steel“. Aber der 72-jährige hat mit der enormen Hitze auf der Bühne des Heimathauses sichtlich zu kämpfen. Immer wieder muss er seine schweißnassen und beschlagenen Brillengläser wischen. So entschließt er sich die Brille abzusetzen, blinzelt verlegen, aber strahlt dann beim nächsten Gitarrensolo wieder übers ganze Gesicht. Dann verrät Barre dem Twister Publikum, dass er doch sehr gerne Gitarrist einer Beatles Coverband wäre und kredenzt „Eleanor Rigby“ und „I Want You (She’s So Heavy)“. Den „Cross Road Blues“ von Robert Johnson spielt Barre als einziges Akustikstück auf der Mandoline, davon hätten sich die Tull-Folk-Fans einige Nummern mehr gewünscht.

Stark die Versionen von Tull-Raritäten-Songs wie „Sea Lion“ und „Nothing to Say“. Komplex die Fassung von „Fat Man“ und grandios das Arrangement von „Teacher“. Den ursprünglich rein akustischen Song „Skating Away“, gibt die Band als Hardrocknummer. Und natürlich dampft in der umjubelten Zugabe „Lokomotive Breath“ durch das Müllerhaus, und bei „Aqualung“ steigt die Temperatur auf gefühlte 50 Grad. Ein heißer aber toller Abend im Heimathaus Twist.


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