Immer mehr Rentner arbeiten Der Älteste kümmert sich um die Jüngsten bei System Trailers Twist

Von Konstantin Stumpe

Klassische Situation: Rudolf Lichtenberg schaut seinen Schülern beim Lösen von Aufgaben zur Prüfungsvorbereitung über die Schulter. Von links: Fabian Pöttker, Christian Knüpp Rudolf Lichtenberg und Christiane Moes. Foto: Konstantin StumpeKlassische Situation: Rudolf Lichtenberg schaut seinen Schülern beim Lösen von Aufgaben zur Prüfungsvorbereitung über die Schulter. Von links: Fabian Pöttker, Christian Knüpp Rudolf Lichtenberg und Christiane Moes. Foto: Konstantin Stumpe

Twist. Immer mehr Rentner im Emsland arbeiten. Rudolf Lichtenborg von der Firma System Trailers Fahrzeugbau in Twist ist ein gutes Beispiel dafür. Eigentlich hätte der 66-Jährige schon 2015 in Rente gehen können. Stattdessen ist er bei seinem langjährigen Arbeitgeber nun weiter tätig: Als Ausbildungs-Betreuer gibt er sein Wissen an die jüngsten Mitarbeiter weiter.

Von jetzt auf gleich nichts mehr zu tun und in Rente zu gehen, das konnte sich Lichtenborg nicht vorstellen. „Ich kann ja nicht plötzlich 24 Stunden am Tag schlafen“, scherzt der Metallbaumeister. Seit der Gründung vor 23 Jahren war der rüstige Rentner dem Unternehmen treu und leitete den Wareneingang des Fahrzeugbauers. Nun tritt er etwas kürzer, schließlich hat er auch noch leitende Positionen bei einem Tennisclub und einem Posaunenchor inne. Abwechselnd jeden Montag und Donnerstag ist er einen Tag im Unternehmen und bereitet die angehenden Industrie- und Konstruktionsmechaniker auf ihre Prüfungen vor. Er ist als Minijobber beim Unternehmen angestellt.

Sechs Rentner bei System Trailers

Damit ist Lichtenborg bei System Trailers und auch im Emsland nicht alleine. Neben ihm arbeiten fünf weitere Rentner bei dem Twister Unternehmen auf 450 Euro Basis. Wie er, waren auch sie schon vorher Mitarbeiter des Unternehmens. Laut einer aktuellen Studie der Krankenkasse ikk classic stieg die Zahl der Geringfügig Beschäftigten im Emsland vom Juni 2016 bis Juni 2017 um neun Prozent auf 5.220 Personen an, das sind 429 Personen mehr. Noch schneller steigt die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten über 65 Jahre. Waren im Juni 2016 noch 977 Arbeitnehmer in der Altersgruppe der über 65-Jährigen berufstätig, stieg die Zahl innerhalb eines Jahres um 17,5 Prozent auf 1.148 an.

Firma profitiert von Know-how

Vielen Arbeitnehmern geht es dabei gar nicht darum, ihr monatliches Einkommen aufzubessern. Genau wie Rudolf Lichtenborg suchen sie nach einem geregelten Alltag, einer Aufgabe. „Alle Mitarbeiter sind körperlich fit, sie wollen weiter ein Teil unseres Unternehmens sein“, sagt Personalreferentin Irit Schmitz, „wir profitieren enorm von ihrem Know-how.“ Einer der Rentner sei sogar so engagiert, dass sie ihn regelmäßig im November darauf hinweisen müsse, dass er noch gar keinen Urlaub genommen hat. „Dann kommt immer die Beschwerde: ,Oh muss das sein ?‘“, lacht Schmitz.

Gespräche mit Lehrern

Mindestens genauso groß ist das Engagement von Lichtenborg. Akribisch bereitet er die Auszubildenden auf ihre theoretische Prüfung vor. Er besucht beispielsweise die Ausbildungssprechtage der Berufsschulen und bespricht die Entwicklung der Schüler mit den Lehrern.

Persönliche Ebene

Außerdem dokumentiert der Azubi-Betreuer die Entwicklung der Schüler. Das macht er zuhause am Rechner. Genaustens listet er die Ergebnisse der Klausuren und Tests auf, um festzustellen, wo noch Nachholbedarf besteht. Als Lehrer versteht er sich aber nicht. „Ich gehe liebe über die persönliche Ebene“, sagt Lichtenborg. Für die Azubis heißt er deswegen auch nur Rudi. „So sagen sie mir auch Dinge, die sie anderen vielleicht nicht sagen würden“, ergänzt Lichtenborg.

Arbeit trägt Früchte

Seine Arbeit macht sich laut Schmitz auch in den Ergebnissen der Azubis bemerkbar. „Zwei Drittel unserer Auszubildenden waren in den letzten drei Jahren über dem Kammerdurchschnitt. Mit Rudolf Lichtenborg haben wir den richtigen Fang gemacht“, dankt sie ihrem neuen alten Mitarbeiter. Der würde gerne auch noch die nächsten Jahre als Azubi-Betreuer bleiben, so lange wie möglich.