Schlagzeuger im Interview Chris Slade von AC/DC kommt mit Timeline Band nach Twist

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Kraftvoll wie eh und je am Schlagzeug: AC/DC-Drummer Chris Slade spielt am 17. März 2018 mit seiner Timeline Band im Heimathaus Twist. Foto: Katarina BenzovaKraftvoll wie eh und je am Schlagzeug: AC/DC-Drummer Chris Slade spielt am 17. März 2018 mit seiner Timeline Band im Heimathaus Twist. Foto: Katarina Benzova

Twist. Was haben Tom Jones, Manfred Mann, Jimmy Page und Gary Moore gemeinsam? Sie alle wurden schon von Chris Slade begleitet. Mit seiner Timeline Band gastiert der AC/DC-Schlagzeuger am 17. März 2018 im Heimathaus Twist – und blickt musikalisch auf seine mehr als 50-jährige Karriere zurück.

Begonnen hat Slade mit 16 Jahren in der Band von Tom Jones – beide stammen gebürtig aus Wales. Später war er Mitglied bei Manfred Mann‘s Earth Band, Uriah Heep und der Supergroup The Firm, ehe er von 1989 bis 1993 bei AC/DC trommelte. Anfang 2015 stieg er erneut bei der australischen Hardrock-Institution ein. Im Interview mit unserer Redaktion spricht der 71-Jährige über die AC/DC-Brüder Angus und Malcolm Young, das Suchen und Finden von Bandnamen, Ratschläge für den Nachwuchs sowie das Rezept für seine Fitness.

Chris, wie kam es, dass Sie nach 20 Jahren zu AC/DC zurückgekehrt sind?

(lacht) Da müssten Sie wohl die Band fragen. Offensichtlich haben sie Probleme gehabt. Aber ich war sehr erfreut, dass die Jungs bei mir anfragten, obwohl ich es, ehrlich gesagt, nicht erwartet hatte. Es macht wirklich Spaß, mit den Jungs zu arbeiten und wieder mit ihnen unterwegs zu sein.

In Ihrer Abwesenheit von AC/DC gründeten Sie zunächst Steel Circle, später die Chris Slade Timeline Band, mit der Sie demnächst in Twist auftreten werden. Was macht diese Tribute-Bands aus?

Bei Steel Circle ging es ausschließlich um AC/DC, während Timeline eine Zeitreise macht. Meine mehr als 50-jährige Karriere wird dabei in zwei, zweieinhalb Stunden Musik verdichtet. Es gibt so viel Material. Die Band ist fantastisch, eine der besten, in der ich je gespielt habe. Weltklasse-Musiker! Für mich ist es großartig, „Blinded By The Light“ und „Highway To Hell“ in derselben Show spielen zu können.

Was fasziniert Sie besonders an den Songs von AC/DC?

Ich persönlich denke, genau wie viele andere Leute, dass es geniale Songs von genialen Songwritern sind. Der Genius von Malcolm und Angus liegt darin, dass sie es simpel klingen lassen, obwohl vieles davon nicht simpel ist. Das können Sie jeden fragen, der versucht, einen AC/DC-Song zu lernen.

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Sie sind so etwas wie ein Wanderer zwischen den Bands. Wie schwierig war es, sich immer wieder an neue Leute in neuen Orten zu gewöhnen?

Das nennt man wohl Leben! (lacht) Darum geht es doch im Leben: Unterschiedliche Erfahrungen, unterschiedliche Leute, und ich habe das große Glück, mit den meisten Leuten klarzukommen. Mein Leben enthält Musik und Reisen – beides liebe ich. Ich reise auch viel, wenn ich keine Musik mache. Gerade starte ich etwas Neues: „Spirit of the Drum“, ein Unternehmen für Silber- und Goldschmuck, zusammen mit einem Freund, der gelernter Juwelier ist.

Mit 71 Jahren spielen Sie immer noch sehr energiegeladen Schlagzeug. Wie schaffen Sie es, körperlich in Form zu bleiben?

Schlagzeug spielen hält mich in Form, schon immer. Und ich habe lange Zeit Kampfkunst betrieben. Heute nur noch Tai-Chi, früher Karate, Aikido, Schwert, Bogen. Daraus habe ich viel gelernt – gleichmäßig zu atmen, mich zu bewegen, meine Energie zu lenken. Beim Trommeln hat es mir sehr geholfen, denn das ist eines der körperlich anstrengendsten Dinge, sogar noch anstrengender als Singen. Weil man dabei alle seine Glieder benutzt und hoffentlich auch den Verstand (lacht). Man muss es mit Gefühl und Leidenschaft machen und gleichzeitig präzise sein. Es ist sehr komplex, und ich bin unglaublich froh, dass ich immer noch spielen kann. Wenn ich es nicht mit der gleichen Power könnte wie mit 30, würde ich es lassen.

Malcolm Young, der 2017 verstorbene AC/DC-Gründer, sagte einmal: „Slade war der einzige echte Musiker bei AC/DC.“ Was bedeuten Ihnen diese Worte heute?

(überlegt) Sie machen mich traurig. Malcolm war ein genialer Rhythmusgitarrist. Er erleichterte meinen Job, weil sein Timing tadellos war, so gut wie das eines Schlagzeugers, und er mit viel Gefühl spielte. Er war ein wirklich netter Kerl und wird schmerzlich vermisst. Es ist schlimm, dass ihm die Fähigkeit zu spielen genommen wurde. Ich denke, er war der beste Rhythmusgitarrist aller Zeiten. Und der Lenker von AC/DC. Er und Angus waren das Rückgrat, viel mehr als üblicherweise Bassist und Schlagzeuger. Es war ein großes Privileg, mit ihm und ihnen zu spielen.

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Stimmt es, dass der Name „Earth Band“ für Manfred Manns Band auf Ihren Vorschlag zurückgeht?

Ja, das stimmt! Ich erinnere mich, dass wir in einem Hotel namens Ballsbridge in Irland nach einem Namen suchten. Wir wollten dem Image einer Popband entkommen, weil wir doch eine Progband waren. Also suchten wir nach etwas, das sich auf Manfred Mann reimen würde. Es gab Vorschläge wie „Head Band“, „Street Band“, aber ich sagte „Earth Band“, und jeder mochte es, also blieben wir dabei. Von mir stammt übrigens auch der Bandname von The Firm...

Tatsächlich? Wie kam das?

Paul Rodgers, Jimmy Page und ich waren im Studio und dachten wieder über einen Namen nach. Mir lag da etwas auf der Zunge: Es gab eine berüchtigte Gangsterbande im Londoner East End der 50er und 60er – die Kray-Zwillinge. Sie nannten sich selbst „The Firm“. Ich kam zunächst nicht drauf, aber dann fiel es mir ein. Und Pagey rief: „Das ist es, das ist der Name!“ Schon lustig, beide Bands benannt zu haben.

Ihre beiden Söhne sind auch Schlagzeuger. Jammen Sie manchmal mit ihnen – oder beraten Sie sie?

Ich versuche immer, ihnen Ratschläge zum Musikgeschäft zu geben. Beide sind Profimusiker. Calum, mein Ältester, der in Kanada lebt, legt zurzeit ein Sabbatjahr ein, weil er mehr Zeit mit seinen Kindern verbringen will. Er pausiert also gerade...

...weil er vorher viel auf Reisen war, wie sein Vater?

Er war in der ganzen Welt unterwegs. Und mein jüngster Sohn Jack tourte im vergangenen Jahr mit As Lions, einer Band, der auch der Sohn von Bruce Dickinson angehört. Er war also auch schon international auf Tour. Ich bin sehr stolz auf meine Söhne und gebe ihnen hauptsächlich geschäftliche Ratschläge, weil es ein hartes Business ist und man darin auf der Hut sein muss.

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Nachdem Sie AC/DC 1993 unter schwierigen Umständen verlassen hatten, spielten Sie mehrere Jahre gar kein Schlagzeug, sondern begannen zu malen. Jetzt, da Sie wieder trommeln, malen Sie immer noch gelegentlich?

Ich designe die ganze Zeit. Ich bin kein großer Maler, aber ich kann zeichnen. Daraus ist auch dieses Schmuckunternehmen entstanden: um meine Designs zu nutzen. Im College verbrachte ich drei Jahre damit, Zeichnen, Bildhauen und Designen zu lernen. Sechsmal die Woche, den ganzen Tag. Eine unglaublich bereichernde Erfahrung, ich habe jede Minute genossen.

Ihre Karriere als Schlagzeuger begannen Sie in der Band von Tom Jones. Haben Sie noch Kontakt zu ihm?

Ja. Zuletzt habe ich ihn vor wenigen Jahren getroffen, als ich mit AC/DC in Los Angeles war. Wir stehen nicht in regelmäßigem Kontakt, aber es war schön, ihn zu treffen und wir haben gut miteinander geplaudert. Es gibt viele gemeinsame Erfahrungen aus den 60ern. Er ist sechs Jahre älter als ich, sieht aber fit aus. Ich weiß, dass er kürzlich an der Hüfte operiert wurde, er scheint aber gesund zu sein.

Sieht so aus, denn er wird im Juli auch hier im Emsland auftreten, in der Lingener Arena, keine 30 Kilometer von Twist entfernt.

Das ist toll! Er hat immer noch eine großartige Stimme. Sie ist jetzt etwas tiefer, aber was will man mit fast 78 Jahren erwarten? Mit dieser wahnsinnig kraftvollen Stimme kann er fast jeden heutigen Sänger in die Tasche stecken. Sein Stimmumfang und die Emotionen, die er beim Singen vermittelt, sind unglaublich. Vielleicht einer der größten Sänger überhaupt. Und das soll was heißen, wo ich mit Paul Rodgers und vielen anderen gespielt habe. Aber Tom ist eine Naturgewalt.

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Sie haben Musik gemacht mit Count Basie, Olivia Newton-John, Manfred Mann, Jimmy Page, David Gilmour und vielen anderen berühmten Künstlern. Sie sind ein Zeuge der Geschichte der Popkultur seit den 1960ern. Wann schreiben Sie Ihre Memoiren?

Ich schreibe sie seit 50 Jahren. Es gibt einen Entwurf, und Familie und Freunde, die ihn gelesen haben, sagen mir, dass ich recht gut schreibe. Ich wollte meine Memoiren selbst schreiben, in eigenen Worten, ohne Ghostwriter. Ich muss sie wirklich zu Ende bringen, bevor ich den Löffel abgebe (lacht). Dass ich so alt werde, hätte ich nicht gedacht, geschweige denn, dass ich immer noch Schlagzeug spielen und reisen und meinen Lebensunterhalt verdienen kann. Es ist eine große Ehre, noch auf der Bühne zu sein und zu spielen. Die Leute sagen: Du warst dein ganzes Leben Schlagzeuger, und ich antworte: Noch nicht mein ganzes Leben! Ich liebe es einfach.

Und Sie klingen wie ein glücklicher Mann...

Das bin ich. Natürlich gab es Höhen und Tiefen, wie in jedem Leben, emotional, finanziell. Aber ja, glücklich trifft es. So fühle ich mich.

Chris Slade‘s Timeline Band spielt am Samstag, 17. März, um 20 Uhr im Heimathaus Twist. Info unter www.heimathaus-twist.com.


Chris Slade wurde als Christopher Rees am 30. Oktober 1946 in Pontypridd (Wales) geboren. Seine Karriere als Schlagzeuger begann er 1963 bei The Squire, der Band von Tom Jones, den er bis 1969 im Studio und auf Tournee begleitete. Anfang 1971 zählte er zu den Gründungsmitgliedern von Manfred Mann‘s Earth Band und verzeichnete mit Songs wie „Blinded By The Light“ und „Davy‘s On The Road Again“ Charterfolge.

Anfang der 1980er Jahre stieg Slade bei Uriah Heep ein, ehe er unter anderen mit Gary Numan und David Gilmour zusammenarbeitete. Ende 1984 gründete er mit Paul Rodgers (Free; Bad Company), Jimmy Page (Yardbirds; Led Zeppelin) und Tony Franklin die Supergroup The Firm, mit der er bis 1986 zwei Alben produzierte.

Nachdem er Gary Moore auf dessen „After The War“-Tour begleitet hatte, wurde Chris Slade 1989 Schlagzeuger bei AC/DC. Es folgten mehrere Tourneen und das Album „The Razor‘s Edge“. Als Angus und Malcolm Young sich wieder mit ihrem Ex-Drummer Phil Rudd zusammentun wollten, verließ Slade 1993 AC/DC und wurde einige Jahre später Mitglied der Progrock-Formation Asia. In den 2000er-Jahren schuf er die Tributebands Steel Circle und Chris Slade‘s Timeline Band. Anfang 2015 übernahm er erneut den Posten des AC/DC-Schlagzeugers.

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