Schießerei um Weideland Streit zwischen Emsländern und Grafschaftern an verwässerter Grenze

Von Horst Heinrich Bechtluft

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Twist. Die Niedermoorwiesen im westlichen Teil des Twists gegenüber Adorf und Neuringe waren in früheren Jahrhunderten immer wieder Anlass zu Grenzstreitigkeiten. Ein mal soll der Streit in einer Schießerei gemündet haben. Warum das so war, machen die Niederschläge der letzten Zeit deutlich, allerdings heute nur noch im bescheidenen Maßstab.

Der historische Grenzfluss Aa trat über die Ufer und suchte sich in den Senken natürliche Abläufe. Das verwässerte die historischen Grenzen. Die sich von Mal zu Mal verändernden Wasserrinnen erschwerten die Festlegung der jeweiligen Markengebiete durch die Nachbarn. Eine grundsätzliche Frage, wo denn nun der anerkannte Grenzfluss seinen Verlauf hatte, betraf besonders die „Umken Maate“.

Natürlicher Grenzverlauf nicht festzulegen

Es handelte sich um ein großes Stück Grünland, das gleich von mehreren Ausläufern der Aa umflossen wurde. Schon vor fünf Jahrhunderten (1522) gab es hier Ärger zwischen den niederländischen Schoonebeekern und den Scheerhornern aus der Grafschaft Bentheim. Die Niederländer akzeptierten schließlich, dass die „Umken Maate“ (auch „Omkemaate“, gelegentlich auch „Unken-Maate“ genannt) zur Mark von Scheerhorn gehörte. Dann aber kamen die Heseper von Osten und ab 1784 die Moorkolonisten vom Twist – und wieder gab es Streit mit den Grafschaftern. Der natürliche Grenzverlauf war einfach nicht festzulegen, zumal von den Nachbarn auch künstliche Entwässerungsrinnen jeweils zum eigenen Vorteil gegraben wurden. (Weiterlesen: 225 Jahre Twist in 85 Minuten erzählt)

Platzwunde am Kopf

Am 26. Mai 1788 erscheint vor dem Richter Cramerus in Neuenhaus dann der Moorkolonist Bernd Äehlen aus dem münsterschen Hesepertwist. Er hat eine große Platzwunde am Kopf. Äehlen zeigt an, dass ihn der junge Gert Sloot aus dem bentheimschen Adorf mit einem schweren Stock geschlagen habe. Die Twister hätten das Vieh der Adorfer aus der Umken Maate treiben wollen. Dagegen hätten sich die Adorfer gewehrt. Dabei gebe es eine Absprache zwischen den beiden Nachbarkolonien, dass das Gras oder Heu aus der Maate gemeinschaftlich genutzt werden sollte. Vor der Grasernte aber sollte kein Vieh dort hineingetrieben werden. Von einem Urteil in der Sache ist nichts überliefert.

Tödlich verwundet?

Im Juni 1802 kommt es dann gar zu einer Schießerei. Die Scheerhorner aus der Grafschaft Bentheim hatten (wieder einmal?) das Vieh von der umstrittenen Weide weggetrieben („geschüttet“). Dabei waren die Grafschafter davon ausgegangen, die Tiere würden den münsterschen Twistern gehören. Tatsächlich aber waren es Rinder der bentheimschen Adorfer. Diese suchten wutentbrannt die Unterstützung der Twister Nachbarn, „wobei unglücklicherweise einer der münsterschen Kolonisten auf den Süwering zu Scherhorn mit einem Gewehr geschossen und ihn tödlich verwundet hätte“, heißt es in einem amtlichen Bericht. Tatsächlich erwies sich die tödliche Verwundung dann doch nicht gar so tragisch. Der Mann überlebe. Der Schütze, der beim Kampf ums Weidegebiet an der Aa sein Gewehr eingesetzt hatte, ist nicht zu ermitteln.


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