Bericht im Reisebuch von 1843 Twister mixten bei Festvergnügen Rot- und Weißwein

Von Horst Heinrich Bechtluft


Twist. Sein 175-jähriges Bestehen feiert in diesen Wochen der Twister Landgasthof Backers. Das Jubiläum erinnert daran, dass die im Dezember 1842 erstmals amtlich erwähnte Schankwirtschaft schon in sehr frühen Jahren interessanten Besuch hatte: Das niederländische Schriftsteller-Dreigespann „De Drie Podagristen“ aus Coevorden beschreibt in einem 1843 erschienenen Buch eine Wanderung zum Twist.

Anlass der Reise war die Twister Kirmes. Die zog um 1840 niederländische Besucher in Massen an. Der Gasthof Backers wird in dem Buch nicht namentlich genannt. Doch die Drei Podagristen erzählen, wie die Twister damals feierten.

Zunächst wurde fleißig die Kirche besucht – „en dan stroomt alles de herbergen binnen“, heißt es. Die Menschen strömten dem Text zufolge in zwei „herbergen“, also Gastwirtschaften. Eine davon war die des Schmieds Backers im Norden der Twister Kirche – der heutige Landgasthof. Die zweite Wirtschaft gehörte dem Müller Otten am südlichen Rand des Bült (später Roosken, heute steht an dieser Stelle das Alten- und Pflegeheim Haus St. Anna).

Dreigespann

Das Dreigespann (vielleicht war es auch nur ein Schriftsteller?) muss das Treiben auf dem Twist persönlich erlebt haben. Denn über Buchseiten hinweg wird ein lebhaftes Tanzvergnügen ausgemalt. Dem Leser wird geschildert, wie auf der Diele der Herberge der „Spölman“ seine „Fideldänskes“ aufspielt.

Die bunte Tracht der Twister Mädchen wird erwähnt. Besonders fallen dem protestantischen Besucher die goldenen Kreuze am Busen der Tänzerinnen auf, womit diese sich zur römisch-katholischen Kirche bekennen. Sogar ein typisches Twister Getränk wird besungen: „Rooden wien en witten der mank / Dat is regten Twister drank“ – also Rotwein und Weißwein gemischt!

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Wer waren nun die „Drie Podagristen“? Es waren der Verleger Dubbeld Hemsing van der Scheer (1791 – 1859), der Journalist und „kruidenier“ (Krämer) Harm Boom (1810 – 1885) sowie der Prediger Alexander Lodewijk Lesturgeon (1815 – 1878). Alle haben einen Bezug zur Grenzstadt Coevorden.

Drentsche Regionalliteratur

Mit ihrem Buch von 1843 hoben die Genannten die drentsche Regionalliteratur aus der Taufe. Das Werk erschien zunächst in mehreren „Afleveringen“. Eine Gesamtausgabe „Drenthe – in vlugtige en losse omtrekken geschetst door Drie Podagristen“ wurde noch 1974 herausgegeben.

Es ist in der Literaturwissenschaft fraglich, wer die einzelnen Beiträge des Buches verfasst hat. Das Dreigespann, das sich im Pseudonym als „Podagristen“, das heißt an Fußgicht (podagra) leidende Wanderer, bezeichnet, wird nicht immer gemeinsam unterwegs gewesen sein. Der Verleger van der Scheer dürfte eher Anregungen zu Themen gegeben haben und sorgte für deren Druck und Verbreitung.

Nach neueren Studien scheint es, dass der Prediger Lesturgeon mehr gereist ist als seine Mitschreiber. Vielleicht war er es, der um das Jahr 1840 die bunten Eindrücke auf dem Twist erlebt und schriftlich skizziert hat.