Als der Bült Flügel hatte Vor 70 Jahren wurde die Windmühle Twist abgebaut

Von Florian Tietmeyer

Meine Nachrichten

Um das Thema Twist Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Winterlandschaft mit Mühle am Rande des Twister Bült, Aufnahme um 1940. Foto: Histor. Sammlung BechtluftWinterlandschaft mit Mühle am Rande des Twister Bült, Aufnahme um 1940. Foto: Histor. Sammlung Bechtluft

Twist. Das eindrucksvolle Winterfoto aus dem Nachlass der Familie Reuvers ist in den frühen 1940er Jahren entstanden. Es zeigt die Twister Windmühle auf dem Bült, wie sie nur noch sehr wenige Menschen in Erinnerung haben.

Das Bild zeigt die Mühle mit aufragenden Flügeln, die sich im Nordwestwind drehen. Zugleich ist es ein Hinweis auf frostige und schneereiche Winter der Vergangenheit, wie sie offenbar immer seltener werden.

Der Schnappschuss erinnert an ein fröhliches Schneeballwerfen in den harten Zeiten des Zweiten Weltkriegs (1939 - 1945). Zu erkennen sind im Vordergrund die Töchter der Müllerfamilie Anbergen (Leni und Gesina). Bereits wenige Jahre nach der Aufnahme des unbekannten Fotografen wurden Kappe und Flügel der Twister Mühle durch Martinus Anbergen abgetragen (1947). Auch die hölzerne Galerie verschwand, doch der gemauerte Mühlenstumpf mit den Mahlwerken blieb erhalten.

1983 gab es Überlegungen des damaligen Twister Gemeindedirektors Hans Möller, ob ein Wiederaufbau der Mühle sinnvoll wäre. Zu der Zeit waren die Mühlen in Georgsdorf und Veldhausen im Nachbarkreis Grafschaft Bentheim renoviert worden. Eventuell hätte auch Twist Fördergelder eines „Mühlenprogramms“ einsetzen können. Doch in der Zwischenzeit waren rundherum am Westrand des Twister Bült zahlreiche Einfamilienhäuser entstanden. Damit waren der dorftypische Eindruck der Mühle mit ihren Flügeln und der Aspekt einer historischen Dorfansicht dahin.

Das Foto erinnert auffällig daran. Ein Blick in die Twister Geschichte: Die erste historische Mühle auf dem Twist, ein sogenannter „Erdholländer“, entstand 1792. Der damalige Standort lag etwa 100 Meter weiter südlich gegenüber der Einmündung des Wegs nach Hespertwist (heute Georgstraße). Erster Müller war Gerd Henrich Otten aus Klein Hesepe. 84 Jahre später (1876) wurde die noch heute mit ihrem „Stumpf“ dastehende neue Mühle als „Galerieholländer“ durch 36 Mitglieder einer „Mühlengesellschaft Twist“ errichtet. Die Baukosten betrugen 5.550 Taler. Im Jahr 1919 kaufte Fritz Anbergen aus Nieuw-Schoonebeek diese Mühle von der Gesellschaft. Sein gleichnamiger Enkel betrieb die um ein Sägewerk erweiterte Anlage noch bis Anfang unseres Jahrhunderts. Heute ist der verbliebene massiv gemauerte Mühlenstumpf in Privatbesitz.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN