Alltag im Emsland vor 75 Jahren Ausstellung Luftkrieg ohne Grenzen in Twist

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Viel zu sehen und zu diskutieren gab es für die Zehntklässler des Windthorst-Gymnasiums Meppen in der Ausstellung „Luftkrieg ohne Grenzen“ im Erdöl-Erdgas-Museum Twist. Foto: Manfred FickersViel zu sehen und zu diskutieren gab es für die Zehntklässler des Windthorst-Gymnasiums Meppen in der Ausstellung „Luftkrieg ohne Grenzen“ im Erdöl-Erdgas-Museum Twist. Foto: Manfred Fickers

Twist. Geschichte einmal aus anderer Perspektive haben Zehntklässler des Windthorst-Gymnasiums Meppen beim Besuch der Ausstellung „Luftkrieg ohne Grenzen“ in Twist erlebt.

Die von der niederländischen Initiative Lost Wings gemeinsam mit dem Heimatverein Twist initiierte Ausstellung im Erdöl-Erdgas-Museum vermittelt anhand von Fundstücken und Dokumenten einen Eindruck vom Geschehen während des Zweiten Weltkriegs 1939 bis 1945 im deutsch-niederländischen Grenzgebiet. Der Kreistagsabgeordnete und Vorsitzende des Heimatvereins Twist, Heiner Reinert schilderte den Jugendlichen, wie über Kontakte in die Niederlande das Konzept der deutsch-niederländischen Ausstellung entstand. Denn das Kriegsgeschehen sah aus Sicht der Bevölkerung im Emsland und der niederländischen Nachbarprovinz Drenthe gleich aus, die Einwohner waren denselben Gefahren ausgesetzt. Der Schrecken des Luftkriegs zeigt sich an zahlreichen Absturzstellen, von denen Fundstücke in der Ausstellung zu sehen sind.

Mit einem Vortrag beschrieb der Historiker Manfred Fickers, wie 16- bis 18-Jährige vor 75 Jahren den Krieg im Emsland erlebten. Die Auswertung von Schulchroniken im Rahmen eines Projekts der Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte hat hierzu Informationen geliefert. Seit dem Kriegsbeginn am 1. September 1939 war die Region wegen ihrer Lage zwischen England und Luftkriegszielen in Deutschland und den östlichen besetzten Gebieten ein Brennpunkt des Luftkriegs. Ab dem 13. Januar 1943, konnten Zivilpersonen für „Aufgaben der Reichsverteidigung“ dienstverpflichtet werden. Schon Anfang Februar wurden 16 und 17 Jahre alte männliche Jugendliche als „Luftwaffenhelfer“ einberufen und nach wenigen Wochen Ausbildung an Luftabwehrgeschützen an den Schleusen des Dortmund-Ems-Kanals und auf den Flugplätzen der Region eingesetzt.

Am Beispiel der Luftangriffe vom 11. Januar 1944 auf die Schleusen Meppen und Hüntel wurden die Folgen dargestellt. Die US-Bomber trafen die Schleusen nicht, stattdessen fielen Bomben auf Teile von Meppen und Versen. 45 Menschen starben, darunter ein Luftwaffenhelfer. Nicht nur in der Stadt Meppen entstand großer Schaden. In Versen brannten fast alle Gebäude ab. Bei Luftkämpfen über dem Emsland und Drenthe stürzten vier Bomber ab, ein amerikanischer Jäger, aber auch vier deutsche Jäger.

Beim Rundgang in der Ausstellung sahen die Gymnasiasten, was von solchen Abstürzen übrig bleibt. Bruchstücke, grotesk verformt, Propellerblätter mit Einschusslöchern und Ausrüstungsgegenstände, die bei der Bergung der Besatzungsmitglieder zurückgeblieben sind. Beim Lesen der Informationstafeln und beim Anblick eines Holzbretts mit Namen und Erkennungsmarkennummer, dass das Feldgrab eines amerikanischen Piloten markierte, fiel den Jugendlichen auf, wie jung die Soldaten waren, kaum älter als die Luftwaffenhelfer und sie selbst. Dazu gab es viele Fragen, die Reinert und Fickers beantworteten.


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