Nach 2:2 des SV Meppen Neidhart: „Wolfsburgs Risiko ist belohnt worden“


Meppen. Die höchste Saisonniederlage hat beim SV Meppen nicht am Selbstvertrauen gekratzt: Drei Tage nach dem 0:4 beim FC St. Pauli zeigte der Tabellenführer der Regionalliga Nord gegen den Vorjahresmeister VfL Wolfsburg II eine couragierte Leistung. Einziges Ärgernis am Samstag beim 2:2 (1:1) vor 2379 Zuschauern: Die zahlreichen vergebenen Meppener Torchancen.

Gemischte Gefühle herrschten nach dem Schlusspfiff bei den Meppener Zuschauern und Spielern. Einige Akteure schienen enttäuscht, andere dagegen klatschten zufrieden mit den eigenen Fans ab. Der Grund: Zweimal lag der SVM gegen den chronisch auswärtsschwachen Fünften (nur ein Sieg in der Fremde) vorne, zweimal glichen die „Jungwölfe“ aus. Beim zweiten Mal sogar in Unterzahl.

Girth und Leugers fit

Aufatmen vor dem Spiel beim Aufwärmen: Thilo Leugers (Achillessehnenreizung) und Benjamin Girth (Muskelfaserriss) machten das Programm voll mit und kamen auch zum Anpfiff mit der Mannschaft zurück auf den Platz. Somit musste Meppen „nur“ auf Marius Kleinsorge (Muskelfaserriss), Patrick Posipal (Rot beim 0:4 beim FC St. Pauli II), Jovan Vidovic (fünfte Gelbe Karte) und Thorben Deters (Mittelhandbruch) verzichten. Für Vidovic rückte Marcel Gebers von der Sechserposition in die Innenverteidigung, während Menno Heerkes den Platz von Gebers einnahm.

Offenes Visier

Beide Teams tasteten sich nach dem Anpfiff nicht lange ab, sondern begegneten sich gleich mit Tempo und offenem Visier. Bereits in der sechsten Minute gab Meppens Mirco Born den ersten Warnschuss ab, der allerdings zu unplatziert war. Auf der Gegenseite verhinderte Torwart Benjamin Gommert gegen Wolfsburgs Sebastian Stolze mit einer starken Fußabwehr den möglichen Rückstand.

Elfmeter sitzt im Nachschuss

Für die frühe Führung sorgte Max Kremer per Handelfmeter. Nachdem Thilo Leugers eine Freistoßflanke von der linken Seite vor das Tor gebracht hatte, landete das Spielgerät am Arm von Wolfsburgs Mittelstürmer Marcel Reichwein. Schiedsrichter Simon Rott zeigte sofort auf den Punkt. Berechtigterweise, wie Wolfsburgs Trainer hinterher nach dem Studium der Fernsehbilder zugab. Kremer lief an und schob ins linke Eck, doch Wolfsburgs Keeper Alexander Brunst wehrte ab. Erst im Nachschuss überquerte der Ball die Torlinie – 1:0 (14.).

Foul vor Wolfsburgs Ausgleich

Kurz vor der Pause der Ausgleich: Reichwein stand fünf Meter vor dem Tor mutterseelenallein und drückte eine Stolze-Flanke von links ins rechte Eck – unhaltbar für Gommert (44.). Zuvor hatte der Schiedsrichter ein Foul im Mittelkreis von Julian Klamt an Martin Wagner nicht geahndet. Wie Meppens Trainer im Anschluss bei der Pressekonferenz erklärte, habe Klamt ihm nach dem Schlusspfiff gesagt, dass er sich bei einem Pfiff nicht hätte beschweren können.

Girth köpft knapp vorbei

Das 1:1 zur Pause ging in Ordnung, denn beide Mannschaften hatten noch Gelegenheiten ausgelassen. Bei Meppen köpfte Girth eine Wagner-Flanke knapp links am Pfosten vorbei (28.), während Wolfsburgs Justin Möbius bei seinem Schuss in der 38. Minute nicht platziert genug war (38.).

Erneute Führung durch Wagner

Im zweiten Durchgang erhöhte Meppen die Schlagzahl und wurde mit der erneuten Führung belohnt. Kapitän Wagner lenkte den Ball mit dem linken Außenrist ins rechte Eck, nachdem Mirco Born von der linken Torauslinie geflankt hatte – 2:1 (49.). „Steht auf, wenn ihr Meppener seid“, hallte es von den Rängen. Die Gäste deuteten hin und wieder Gefahr an wie bei der flachen Hereingabe von Amara Condé, bei dem einem Mitspieler am zweiten Pfosten zwei Schuhgrößen zum Ausgleich fehlten (53.).

Chancenplus bei Meppen

Doch Meppen ging fahrlässig mit seinen Möglichkeiten um. Wagner spielte Kremer den Ball in den Lauf, aber Wolfsburgs Torhüter war zur Stelle (59.). Zu allem Überfluss für die Gäste musste deren Kapitän Klamt zurecht mit der Ampelkarte vom Feld, weil er Girth bei einem Konter foulte. Meppens genesener Torjäger hatte binnen einer Minute zweimal das 3:1 auf dem Fuß. Zunächst wurde Girths Versuch nach Borns Zuspiel zur Ecke abgefälscht, bei der anschließenden Standardsituation klärte Wolfsburg auf der Linie (71.).

Später Siegtreffer möglich

Stattdessen kassierten die Hausherren fünf Minuten später durch den drei Minuten zuvor eingewechselten Orhan Vojic den Ausgleich. Trotzdem wäre der Sieg möglich gewesen, hätten Kremer (80.) oder Vrzogic (88.) im Anschluss genauer gezielt.

Trainer sind sich einig

Die beiden Trainer waren sich jedoch in der Bewertung der Partie einig. Von einem hochemotionalen Spiel mit hohem Tempo sprach Wolfsburgs Trainer Rüdiger Ziehl. Er wertete das Ergebnis als leistungsgerechtes Unentschieden. „Wir können einfach mit einem positiven Gefühl nach Hause fahren, weil wir wirklich alles in die Waagschale geworfen haben, Dinge umgesetzt haben und für eine gute kämpferische Leistung in Unterzahl belohnt wurden“, bilanzierte Ziehl. Von den Tormöglichkeiten her sei es ein ausgeglichenes Spiel gewesen, ergänzte er.

Neidhart zufrieden

Sein Trainerkollege pflichtete ihm bei: „Jede Mannschaft hatte mal eine Phase, wo sie 15 bis 20 Minuten am Drücker war“, blickte Neidhart zurück. „Dann hat sie sich wieder rausgenommen aus dem Spiel und die andere Mannschaft hat wieder zugelegt.“ Nach dem 2:1 habe man eigentlich zu defensiv agiert, monierte er. „Nach der Roten Karte hätten wir ein bisschen mutiger nach vorne spielen müssen. Das haben wir dann erst wieder nach dem Ausgleich gemacht.“ Man habe sehr gute Möglichkeiten gehabt zum 3:1, findet Neidhart. „Wenn du das Tor machst, ist das Ding durch. So war es dann immer wieder brandgefährlich. Wolfsburg hat hohes Risiko gespielt und wurde belohnt. Es ist nicht ganz unverdient. Chancen waren auf beiden Seiten da. Ich denke, die besseren waren sogar noch auf unserer Seite. Aber hätte, wenn und aber gibt es im Fußball nicht. Am Ende des Tages zählt immer bloß das Ergebnis.“


Tore: 1:0 Max Kremer (14.) verwandelt einen Handelfmeter im Nachschuss; 1:1 Marcel Reichwein (44.) bugsiert eine Flanke von der linken Seite von Sebastian Stolze aus fünf Metern ins rechte Eck; 2:1 Martin Wagner (49.) lenkt den Ball mit dem linken Außenrist ins rechte Eck, nachdem Mirco Born von der linken Torauslinie geflankt hatte; 2:2 Orhan Vojic (77.) wird im Strafraum freigespielt und jagt das Leder ins kurze Eck.

Eingewechselt: 75.: Robben für den Heerkes; 81.: Sembolo für Kremer.

Auf der Bank: Gies, Schnier, Hoge, Ter Arkel, Schepers.

VfL Wolfsburg II: Brunst – Klamt, Ziegele, Saar – Kleihs, Abdat (90+4. Schick), Möbius, Wimmer, Condé – Stolze (84. Rexhbecaj), Reichwein (73. Vojic).

Gelbe Karte: Girth (62.), Born (66.), Leugers (72.) / Stolze (36.), Klamt (54.), Wimmer (61.), Sarr (90.). – Gelb-Rot: Klamt (69.) – Zuschauer: 2379 in der Hänsch-Arena. – Schiedsrichter: Simon Rott (TuS Komet-Arsten).

Nächstes Spiel: gegen den TSV Havelse, Samstag, 25. März, 16 Uhr, Hänsch-Arena, Meppen.

0 Kommentare