Vierter Platz mit 33 Punkten Der SV Meppen kommt erst spät auf volle Touren

Bärenstark auf der Sechser-Position: Jens Robben hat eine wichtige Aufgabe im Meppener Spiel übernommen. Fotos: Werner ScholzBärenstark auf der Sechser-Position: Jens Robben hat eine wichtige Aufgabe im Meppener Spiel übernommen. Fotos: Werner Scholz

Meppen. Mit einem starken Schlussspurt hat der Fußball-Regionalligist SV Meppen sein Zwischenziel erreicht. Dank der Serie von zuletzt sieben Spielen ohne Niederlage weist er nach 20 Partien wie vor einem Jahr 33 Punkte auf. Der Tabellenvierte kann den Blick nach oben richten.

Und das, obwohl die Emsländer gleich zwei Negativserien aufweisen und vom neunten bis zum 15. Spieltag förmlich auf den Rängen neun und zehn festklebten. Sie blieben dreimal (2.–4. Spieltag 1 Punkt) und sechsmal (8.–13.,/3) sieglos. Allerdings gelangen zwischenzeitlich drei Dreier in Serie (5.–7.) und gleich sieben Spiele ohne Niederlage (14.–20./17). Eine späte Genugtuung, die die Stimmung nach zwischenzeitlichem Tief wieder deutlich verbesserte. Nach dem Derbysieg in Oldenburg herrschte fast Aufbruchstimmung im Emsland.

Der SVM hinkte seinen Ansprüchen geraume Zeit hinterher. Das lag zum einen am Verlust von drei Akteuren aus der Viererkette, zum anderen aber auch daran, dass einige Stammkräfte ihrer Form zunächst hinterherliefen. „Wir haben fünf, sechs Punkte einfach liegen lassen“, gibt Trainer Christian Neidhart unumwunden zu. Besonders ärgerlich war die 0:4-Pleite beim Derby in Cloppenburg , als Andreas Gerdes-Wurpts seine ehemaligen Mitspieler mit einem Dreierpack düpierte. Das erste Derby verloren die Meppener gegen defensive Oldenburger. Das 1:1 gegen Goslar trotz früher Führung war unnötig. Sie belegt, dass die Emsländer mit tief stehenden Kontrahenten Probleme haben. Dafür spricht auch die mäßige Heimbilanz von nur 13 Punkten aus neun Spielen. Klar unterlegen waren die Meppener nur gegen Bremen. „Ein Ausreißer“, betont Neidhart. Bei 96, klagt er, „haben wir uns einfach blöd angestellt.“

Gegen Wolfsburg, Havelse und in der zweiten Halbzeit gegen St. Pauli daheim sowie in der ersten Halbzeit bei FT Braunschweig zeigte der SVM seine Stärke: Die Kombinationen rollten, vorne gelangen viele überraschende Aktionen, die Standards waren gefährlich. „Wir sind als Mannschaft aufgetreten“, stellt Neidhart fest, in dessen Kader gut zwei Drittel der Spieler aus einem Umkreis von rund 80 Kilometern kommen. Viel Selbstvertrauen gab das 0:0 beim lange souveränen Spitzenreiter Hamburger SV II. Mit 20 Zählern ist der SVM immerhin die drittbeste Auswärtsmannschaft. Das schnelle Konterspiel liegt ihm. Das erfuhr in der letzten Partie des Jahres der VfB Oldenburg.

Das Ziel ist klar: Der SVM will 2015 am VfL Wolfsburg II dranbleiben, der vier Punkte Vorsprung aufweist. „Wer weiß, ob Hamburg II und Bremen II am Saisonende aufsteigen können oder wollen“, hat Vorstandssprecher Andreas Kremer gesagt. Ganz vorsichtig lugt Meppen Richtung Dritte Liga.

„Der Verein ist gut aufgestellt, der Vorstand hat seine Hausaufgaben gemacht“, lobt Neidhart. Jetzt ist die Mannschaft gefordert. „Man muss unseren höheren Aufwand erkennen“, erwartet der Trainer, der auf eine intensive Vorbereitung auf das Restprogramm setzt. Gleich in den ersten vier Partien des neuen Jahres geht es auch gegen die Topteams aus Flensburg, Bremen und Wolfsburg. Das sind echte Herausforderungen.


Viele Alternativen auf der Sechser-Position

Die Meppener Spieler haben sich weiter entwickelt. Allerdings litt die Mannschaft darunter, dass einige Stammkräfte der vergangenen Serie einige Zeit benötigten, um nach der Sommerpause wieder ihre Form zu finden.

Tor: Benny Gommert bleibt die unumstrittene Nummer ein. Eine kurze Schwächephase hat er schnell überwunden. Der Keeper, der bei der Meppener Spielweise meist nicht so oft gefordert wird, ist auf dem Posten. Ganz wichtig: Er wird ins Spiel mit einbezogen. Hannes Frerichs hatte nur zwei Einsätze. Larx Huxsohl kommt in der A-Junioren-Bundesliga zum Einsatz.

Abwehr: Nach dem frühen Ausfall von Robin Twyrdy, der im neuen Jahr wieder zur Verfügung steht, sowie dem Kreuzbandriss von Peter Gebben, der die ganze Saison ausfällt, musste Trainer Christian Neidhart experimentieren. Der junge Christian Düker, der dritte Innenverteidiger, ist in seiner beruflichen Ausbildung gefordert. Johan Wigger löste die Aufgabe einige Wochen, ist aber vor der Abwehr wichtiger. Der aus Lotte zurückgekehrte Marcel Thomas und Theo Vogelsang übernahmen den Part. Der erst 21-jährige Thomas kommt über Kampf und Einsatz. Er hat nach Einschätzung des Trainers viel Potenzial. Vogelsang, ein gelernter Spielmacher, benötigte Zeit, um sich an die Herausforderung zu gewöhnen. Er hat sich gut entwickelt, zählte in den letzten Spielen zu den stärksten Akteuren und machte Oldenburgs Goalgetter Pierre Merkel das Toreschießen richtig schwer. Er beweist Qualität im Aufbauspiel. Janik Jesgarzewski hat sich auf der rechten Seite der Viererkette gut eingefügt. Er profitiert von seiner Schnelligkeit, muss aber unter Druck noch ruhiger werden und in der Offensive aktiver werden. Das gilt auch für den unermüdlichen Rackerer Sebastian Schepers auf der linken Seite. „Er muss die Mannschaft noch mehr vorantreiben“, sagt Neidhart. Kevin Landgraf ist auf beiden Außenpositionen nah dran. Ein Kämpfertyp, der auf seine Chance wartet.

Defensives Mittelfeld: Auf der Doppel-Sechs verfügt der Trainer über viele Möglichkeiten. Jens Robben und Kapitän Johan Wigger waren zuletzt nicht zu verdrängen. Der 31-jährige Robben erlebt gerade einen weiteren Frühling. „Er hat immer Bock auf Fußball“, weiß Neidhart. Robben ist wichtige Anspielstation, ruhender Pol und Antreiber. Wie Wigger kassiert er noch zu viele Gelbe Karten. Beide sind zum Start im neuen Jahr gegen Flensburg gesperrt. Nach schwächerer Phase zu Beginn präsentiert Wigger sich als kämpferisch vorbildlicher Kapitän. Kris Fillinger liegt in Lauerstellung. Ihm fehlte zunächst die letzte Fitness und die Praxis. Hiromu Watahiki hat zu Saisonbeginn viele Einsätze gehabt – auch in der Innenverteidigung. Doch seine Fehlerquote war zu hoch. Den Part kann auch der lange verletzte Daniel Latkowski spielen, der aber auch im offensiven Mittelfeld einsetzbar ist. „Latte“, in der vergangenen Serie bärenstark, hat höhere Ansprüche, stand sich aber oft selbst im Weg. Der bissige und antrittsschnelle Kicker wirkte einige Male zu verbissen.

Offensives Mittelfeld: Mit verbesserter Offensive hat der SVM wieder in die Spur gefunden. Martin Wagner war als einziger Akteur in allen 20 Partien dabei. Als er taktisch wieder mehr in die Mitte gerückt ist, fand er zu alter Stärke. Max Kremer führte die interne Torjägerliste mit elf Treffern an. Er kann vorn auf allen Positionen spielen und erarbeitet sich in jeder Partie Möglichkeiten, muss die Bälle vorn noch besser halten. Der vielseitige Marc Schnier musste lange auf seine Chance warten. Er hat sie genutzt, spielt seine Schnelligkeit aus und hat in der Defensivarbeit einen kleinen Vorteil vor Viktor Maier, der vor dem Tor entschlossener wirkt als in der vergangenen Serie. Er war ein steter Unruheherd für den Gegner. Thorben Deters gilt als großes Talent. Er hat sich gut entwickelt und bei seinen Einsätzen positiv überrascht.

Angriff: Diego Rodriguez ist mit sieben Treffern zweitgefährlichster Schütze. Er hält die Bälle gut, muss weite Wege gehen. Auch wenn der 22-Jährige manchmal zu sehr mitspielen will, statt seine eigentliche Aufgabe zu erfüllen, ist er die Nummer eins in der Spitze. Ramiz Pasiov nutzte trotz starker Rückrunde und guter Vorbereitung seine Chance nicht entschlossen genug.

Weitere Talente: Sie brauchen noch Zeit. Markus Rohe ist zu einem Kurzeinsatz gekommen. Jan-Luca Ahillen will auf der Sechser-Position angreifen. Zacharias Hamm hat es in der Offensive schwer. Christian Düker wartet auf seine Chance.

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