Interview mit Andreas Kremer „Dritte Liga wahnsinnig wichtig für den SV Meppen“

Von Uli Mentrup

Zufrieden mit der Gesamtbilanz beim SV Meppen nach sechs Jahren: Vorstandssprecher Andreas Kremer stellt sich Montag wieder zur Wahl.Zufrieden mit der Gesamtbilanz beim SV Meppen nach sechs Jahren: Vorstandssprecher Andreas Kremer stellt sich Montag wieder zur Wahl.

Meppen. Zufrieden mit der Gesamtbilanz nach sechs Jahren zeigt sich der Vorstandssprecher des SV Meppen, Andreas Kremer, vor der Generalversammlung am Montag. Jetzt gelte es, die Strukturen weiter zu verbessern. Der Verein könne ein Markenbotschafter der Region sein. „Deswegen müssen wir den Sprung Richtung Dritte Liga schaffen“, zeigt er im Interview Perspektiven auf. „Das schaffen wir nur mit dem gesamten Emsland.“

Herr Kremer, Sie sind seit 2008 im Amt . Wie fällt Ihre Gesamtbilanz dieser sechs Jahre aus?

Die Gesamtbilanz kann sich aus meiner Sicht sehen lassen – insbesondere, wenn man bedenkt, wie es in den Jahren zuvor gelaufen ist. Besonders wichtig war die Entschuldung des Vereins. Die hat uns die Perspektive gegeben, wieder etwas aufzubauen. Positiv waren der Aufstieg in die Regionalliga, die Qualifikation der A-Jugend in die Bundesliga, die Integration des Frauenfußballs. Das war ein Riesenthema – und es läuft gut. Das Jugendleistungszentrum besteht schon drei Jahre. Der Bau des Kunstrasenplatzes war wichtig. Wenn so viel in den nächsten sechs Jahren gelingen könnte, dann wäre das schon eine ganze Menge für den Verein. Aber das ruht ja nicht nur auf meinen Schultern, sondern das ist die Arbeit eines Teams, ob Verwaltungsrat, Geschäftsstelle, Stadt Meppen oder Landkreis Emsland und viele Ehrenamtliche im Verein. Ich merke immer mehr, wie viele Jahre wir zu kämpfen hatten, das Vertrauen wieder aufzubauen. Das ist besser geworden Man traut uns wieder etwas zu und bringt uns nicht permanent mit den alten Geschichten in Verbindung.

Der SV Meppen ist ein reiner Fußballverein, aber mit dem JLZ Emsland, den Frauen und den Männern auch in der Spitze breit aufgestellt. Wie schwer ist es, die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen?

Das ist schon schwierig. Es gibt noch viele Wünsche oder Forderungen, teilweise sehr berechtigt, aber das hat auch immer etwas mit Budgets zu tun. Da wir nicht in Geld schwimmen, sondern auch in den vergangenen Jahren immer solide gehaushaltet haben, können nicht alle Wünsche erfüllt werden. Wenn ich mir ansehe, unter welchen Rahmenbedingungen in Teilen des Jugendleistungszentrums gearbeitet wird oder gerade im Frauenfußball in der 2. Bundesliga, das kann sich keiner vorstellen. Umso bewundernswerter ist das immer wieder tolle Ergebnis der geleisteten Arbeit. Sicher wären wir gern bereit, den einen oder anderen Tausender mehr zu investieren, aber dafür muss man letztlich das Geld haben.

In der vergangenen Saison lebte der Traum von der Dritten Liga wieder auf. War der Verzicht auf den Lizenzantrag im Nachhinein betrachtet richtig?

Ja. Der letztlich erreichte Platz zeigt, dass wir mit der Entscheidung richtig gelegen haben.

Im Frühjahr hat der SV Meppen den Etat der Mannschaften gekürzt. Wie ist er jetzt wirtschaftlich aufgestellt?

Wir mussten etwas kürzen, denn es fallen mal Sponsorengelder aus, oder ein Teil der Kosten fällt höher aus als geplant. Wir versuchen, neue Sponsoren zu gewinnen. Wir hatten gehofft, dass die Dynamik der Aktion Echt Emsland noch größer wird. Wir werden auf der Mitgliederversammlung zwar kein positives Ergebnis vorlegen, sondern ein leicht negatives, aber nichts Tragisches. Wir sind schuldenfrei und mit unserem Planbudget weitaus besser aufgestellt als vor einem Jahr.

Vor einigen Monaten schienen Sie noch ein wenig amtsmüde. Jetzt machen Sie trotzdem weiter. Woher kommt der Sinneswandel?

Ich hatte nach sechs Jahren Amtszeit überlegt, nicht weiterzumachen. Es war schon länger klar, dass Jürgen Betzold den Verein verlassen wird. Im Mai ist Ralf Schulte innerhalb von 24 Stunden zurückgetreten. Das hat mich persönlich sehr getroffen. Wir hätten Probleme bekommen, wenn ich auch noch aufgehört hätte. So ist bei mir eine gewisse Drucksituation entstanden. Ich habe lange nachgedacht und das offen kommuniziert, weil ich den Verwaltungsrat schon im Februar von meiner ursprünglichen Absicht informiert hatte, im November aufzuhören. Die sechs Jahre haben viel Zeit und viel Arbeit bedeutet. Wir haben viele Dinge positiv bewegt. Allein wenn ich zweimal in der Woche in Meppen bin, bedeutet das schon sehr viel Fahrzeit. Jürgen Betzold hat sich dann bereit erklärt, bis zur Generalversammlung mitzumachen, damit wir handlungsfähig bleiben. Er unterstützt Sebastian Röttger auch zukünftig ohne Vorstandsjob bei der Arbeit im Jugendleistungszentrum. Ich habe – auch mit meiner Frau – überlegt, ob ich mich für eine weitere Wahlperiode zur Verfügung stelle. Des Weiteren war nach vielen Gesprächen keiner in Sicht, der das Amt übernehmen wollte. Ich habe mit Dieter Barlage vom Verwaltungsrat gesprochen. Er hat gesagt, dass er mit in den Vorstand kommt, wenn ich bleibe. Das war ein wirklich positives Signal. Wir haben mit Heiner Beckmann gesprochen, der eingestiegen ist. Auch Sponsoren haben großen Wert darauf gelegt, dass ich weitermache. Das hat mir so viel Zuspruch und Perspektive gegeben, dass ich mich wieder zur Wahl stelle. Und zwar mit voller Power und Überzeugung. In der neuen Konstellation sehe ich die Arbeit zuversichtlich. Alleine ist es nicht machbar. Im letzten Dreivierteljahr wäre es ohne den Verwaltungsrat und insbesondere Dieter Barlage nicht gegangen. Und das völlig losgelöst etwa von den Personen auf der Geschäftsstelle.

Der Vorstand wird sich vorbehaltlich der Zustimmung der Mitgliederversammlung am 24. November auf zwei von drei Positionen verändern...

Das ist kein Problem. Wichtig ist, dass das Team sich schon kennt. Vieles ist eingespielt. Wir sind mit Dieter Barlage im Bereich Finanzen und Controlling super aufgestellt. Heiner Beckmann kennt die Struktur im Verein. Er kommt aus der Szene. Wir brauchten im sportlichen Bereich jemanden, der das Know-how mitbringt und viele Verbindungen in Meppen hat. Er wohnt auch vor Ort. Uns wurde ja oft vorgeworfen, dass wir nicht aus Meppen kommen. Ich stamme gebürtig aus Meppen, aber ich wohne in Osnabrück, wo ich mein Unternehmen gegründet habe. Im Verwaltungsrat macht Alexander Bölle mit, der dem Verein über 30 Jahre verbunden ist und dessen Vater Heinz schon im Vorstand mitgearbeitet hat. So haben wir neue Leute direkt aus der Region gewonnen.

Was sind die wichtigsten Aufgaben?

Wir haben gemerkt, dass wir das Thema Identifikation und Kommunikation Richtung Fans, aber auch Richtung Unternehmer verbessern müssen. Wir haben einen Marketingkreis aufgebaut. Da wirken Kollegen von Berentzen, von Medimax, vom Medienhaus Emsland, von den NOZ Medien mit. Der frühere Torwart Hermann Rülander ist dabei, der über ein unglaubliches sportliches Netzwerk verfügt. Geschäftsführer Markus Lohle und ich begleiten es vom SV Meppen. Es sollen noch zwei, drei Personen hinzukommen. Die Aufgaben werden verteilt, im Kreis entstehen neue Ideen. Das nimmt mir eine große Last. Insgesamt sind wir auf einem guten Weg.

Gibt es schon konkrete Pläne?

Wir wollen die Darstellung des SV Meppen verbessern, um der Bevölkerung und auch den Unternehmern deutlich zu machen, warum der Verein als Leuchtturm für die Region in der Perspektive so wichtig ist. Ich hatte ein Gespräch mit Johan Wigger, der mit der Fachhochschule Emmen kooperiert. Fach- und Führungskräfte sind ein Thema im Emsland. Wir haben eine spektakulär niedrige Arbeitslosenquote von drei bis dreieinhalb Prozent. Direkt hinter der Grenze sind es zehn bis zwölf Prozent. Man muss die Leute ins Emsland holen, weil sie vor Ort fehlen. Wie kann ich auf die Region aufmerksam machen? Der SV Meppen hat in der Wahrnehmung Tradition, nach wie vor ein unheimlich positives Image und ist über Deutschland hinaus bekannt. Wir können ein Markenbotschafter für das Emsland sein. Aber nur mit Einschränkung in der Regionalliga. Deswegen müssen wir den Sprung Richtung Dritte Liga schaffen. Da gibt es ganz andere Derbys, viel mehr Zuschauer aus der Region, da ist der SV Meppen jedes Wochenende im Fernsehen. Da erregt man ganz andere Aufmerksamkeit. Deswegen ist der Sprung wahnsinnig wichtig. Das schaffen wir nur in Summe, das schaffen wir nur mit dem gesamten Emsland, nur mit den Unternehmen und den Menschen der Region. Wir wollen künftig auch Botschafter für den SV Meppen vorstellen, die viel vom Verein halten und heute noch seine Bedeutung erkennen. Sie können motivieren und erklären, warum der SVM wichtig ist für die Region und warum er in die Dritte Liga gehört. Das muss nicht immer der SV Meppen sagen. Es kommt anders und glaubwürdiger rüber, wenn es unsere zukünftigen Botschafter machen.

Die Dritte Liga ist auch eine Frage der Finanzen. Beim Sponsorentreffen im Januar ist deutlich geworden, dass die Lücke nicht unglaublich groß ist. Kann sie geschlossen werden?

Das ist nicht nur eine Frage des Marketings. Wenn wir konsequent daran arbeiten, ist es möglich. Zum einen müssen wir das finanzielle Fundament ausbauen, zum anderen aber auch junge Spieler integrieren. Wir haben die ersten Spiele von Thorben Deters gesehen. Das war super. Dieses Potenzial müssen wir nutzen. Wir haben uns in den vergangenen Jahren viel um Strukturen kümmern müssen. Das war nötig, um den Verein zu sanieren. Heute müssen wir auch noch mehr für Sponsoren machen, sie vernetzen, regelmäßig Veranstaltungen durchführen, damit sie sehen, dass ihr Engagement beim SV Meppen ihnen etwas bringt. Ehrlicherweise muss man sagen, dass wir die Bedingungen nicht nur für die erste Mannschaft ändern müssen, wenn wir unser Ziel erreichen wollen. Wir müssen die Infrastruktur verbessern. Allein unser Spielbetrieb hat sich fast verdoppelt durch Frauen, Mädchen, Jugendleistungszentrum. Kabinen, Duschen, Räume für Trainer, Physio, für Besprechungen, die sind nicht mehr zeitgemäß. Da müssen wir auch dem Jugendleistungszentrum und den Frauen gerecht werden. Das gilt ebenfalls für die Geschäftsstelle. Da sind Veränderungen nötig, um perspektivisch Richtung Dritte Liga schauen zu können. Das geht nicht von heute auf morgen. Das muss sich entwickeln. Wir können uns nicht von einem möglichen Aufstieg überraschen lassen und dann Container ins Stadion stellen. Über solche Themen sprechen wir mit dem Landkreis Emsland und der Stadt Meppen. Was ist mit dem VIP-Raum? Im Vergleich zu Ligarivalen ist er nicht schlecht. Aber wenn Sponsoren 50000 Euro oder mehr geben, dann wird die aktuelle Situation nicht dem gerecht, was diese Personen in den Verein und damit die Region investieren. Es gibt Ideen, die wollen wir beim Sponsorenabend am 9. Dezember auf dem Berentzenhof zeigen. Aber das kann nicht alles schon 2015 erledigt werden. Man muss sich in einem Dreijahresplan ansehen, was umgesetzt werden muss und was bleiben kann, wie es heute ist.

Ist das Erreichen der Dritten Liga innerhalb der neuen Wahlperiode von drei Jahren das Ziel?

Es wäre schön, wenn wir es in drei Jahren hinbekommen. Aber wir haben es an RB Leipzig gesehen, die einen Etat von zehn Millionen Euro hatten, als sie mit uns in der Regionalliga spielten, dass man den Aufstieg nicht programmieren kann. Wenn man über eine Vision 2017 spricht, dann könnte das Ziel für uns in diesem Zeitraum machbar sein. Aber es werden anstrengende drei Jahre.

Bleiben nicht die vielen zweiten Mannschaften der Profiklubs in der Liga und der Flaschenhals Aufstiegsrunde ein großer Unsicherheitsfaktor?

Das ist ein Riesenthema. Ich habe den Vertretern des Niedersächsischen Fußballverbandes bei der Pokalauslosung gesagt, dass sie Druck machen müssen, damit sich etwas ändert. Ich habe keine Lösung auf die Frage, was man mit den zweiten Mannschaften machen soll. Ich weiß nicht, ob sie in eine separate Liga gehen würden. Aber wenn die Regionalliga fünfgleisig ist, dann müssen auch fünf Mannschaften aufsteigen. Dann muss die Dritte Liga aufgestockt werden. Oder es gibt vier Regionalligen und vier Aufsteiger. Drei vierte Ligen finde ich nicht gut. Man hat vor drei Jahren gesehen, wie wenig attraktiv die Gegner und wie hoch die Reisekosten waren. Du spielst plötzlich freitags um 13 Uhr in Cottbus, wo kein Fan hinfahren will oder kann. Für mich ist eins klar: Der Meister muss aufsteigen. Das versteht sonst niemand.

Es dürfte in dieser Saison schwer werden, dem Hamburger SV II den Titel streitig zu machen. Ist der SV Meppen damit in erster Linie auf den NFV-Pokal fokussiert?

Die Meisterschaftsrunde ist das Thema. Das Pokalspiel findet erst Ostern, also in fünf Monaten, statt. Wir wollen nicht bis dahin rumeiern. Die Entwicklung ist positiv. Wir sind Tabellenfünfter – und man weiß nie, was oben passiert. Wollen die zweiten Mannschaften alle hoch? Aber das ist hypothetisch. Wir wollen möglichst oben dranbleiben. Nur dann sieht man, wie gut die Mannschaft wirklich ist und wie sie mit Blick auf die nächste Saison verändert werden muss. Wenn man die Liga im Fokus hat, kann man sich weiter entwickeln. Und das dient ja auch der Vorbereitung auf das Pokalspiel. Der Pokalwettbewerb ist für uns aus finanzieller Sicht ein Riesenthema. Endlich nach 16 Jahren mal wieder die erste Runde im DFB-Pokal zu erreichen. Wenn ich das sage, dann läuft es mir in Erinnerung an das damalige Spiel gegen Bayern München kalt den Rücken runter. Wir kennen alle Konstellationen. Ich habe nie etwas gegen den VfL Osnabrück gehabt, aber jetzt bin ich entschieden dafür, dass er unter die ersten vier der Dritten Liga kommt und sich damit für die DFB-Pokalhauptrunde qualifiziert. Wenn er dann im Halbfinale in Oldenburg gewinnen würde, hätten wir selbst im Fall einer Niederlage gegen Lüneburg noch mal die Chance, in einem weiteren Qualifikationsspiel der Verlierer uns in den DFB-Pokal zu schießen. Aber ich gehe natürlich davon aus, dass wir das Halbfinale gewinnen. Dann hätten wir das Endspiel in der Hänsch-Arena, falls der VfL Osnabrück in Oldenburg gewinnt. Das wäre attraktiv, ein Superderby. Danach käme ein interessantes DFB-Pokal-Spiel. Ein Traum, ein echter Traum!

Gibt es Vorgaben oder Wünsche des Vereins über den Einbau junger Spieler in die Regionalliga-Mannschaft?

Wir haben den Wunsch, dass pro Saison ein bis zwei junge Spieler integriert werden. Ob das Potenzial vorhanden ist, müssen andere beurteilen wie etwa Heiner Beckmann, der das künftig mit im Blick haben soll. Die A-Jugend des JLZ hat zuletzt in der Bundesliga ordentlich gespielt. Den einen oder anderen Spieler haben wir für die nächste Saison ins Auge gefasst. Das ist wichtig für die Identifikation mit dem Verein und auch finanziell günstiger. Unsere Regionalliga-Mannschaft steigert sich immer mehr. Ich glaube, dass es am Ende der Saison keinen großen Umbruch geben wird. Es geht dann um punktuelle Verstärkungen. Ich finde es gut, dass wir Spieler aus Enschede geholt haben. Das sind ja auch Talente aus der Region. Die sind bei Twente groß geworden, weil es das Jugendleistungszentrum damals noch gar nicht gegeben hat. Das sind aber auch junge Spieler aus der Region, und wir gehören zu den jungen Mannschaften der Liga. Es spricht einiges dafür, dass wir das aktuell richtig machen. Aber wir sehen auch eine große Perspektive beim JLZ.


Andreas Kremer wird am 8. Mai 1969 in Meppen geboren. In der emsländischen Kreisstadt spielt er für Union Meppen Fußball (1977 – 1980), Tischtennis (1979 – 1987) und Tennis (1986 – 1995). Der Fernmeldehandwerker ist Geschäftsführer der 1997 von ihm gegründeten KiKxxl GmbH (Contact Center Dienstleister). Das Unternehmen beschäftigt 1500 Mitarbeiter an drei Standorten. Der zweifache Familienvater, der sich auch wirtschaftspolitisch engagiert hat, lebt in Osnabrück. Kremer ist seit 2008 Vorstandssprecher beim SV Meppen.