Polizei zieht positives Fazit Oldenburg-Spiel raubt Meppen-Coach den Schlaf

Von Dieter Kremer


Meppen. Ein mitreißendes Spiel, das den SV Meppen durch die Fernsehübertragung bundesweit wieder ins Gedächtnis gerufen hat. Stehende Ovationen auf den Rängen und eine kaum mehr für möglich gehaltene Kulisse: Das 2:2 im Regionalligaspiel zwischen dem SV Meppen und dem VfB Oldenburg war am Tag danach noch Thema bei den Fußballfans. Trainer Christian Neidhart zeigte sich begeistert, auch wenn ihn das Spiel fast um den Schlaf gebrachte hätte. Und sogar die Polizei Meppen war zufrieden.

Weil er nicht schlafen konnte, als er nach Hause kam, schaute sich Neidhart die 90 Minuten noch einmal an. Während der Partie habe er das Gefühl gehabt, dass seine Mannschaft mit einem 0:3-Rückstand zur Halbzeit hätte zufrieden sein müssen, so der Coach. „Aber wenn ich mir das Spiel hinterher noch mal anschaue, muss ich sagen, dass Oldenburg zwar die Chancen hatte. Aber wenn ich das Spiel Revue passieren lasse, dann ist es doch nicht so schmeichelhaft gewesen, sondern war absolut korrekt.“

Für Neidhart steht fest: „Der Verlierer des Derbys ist der Schiedsrichter. Weil er in der ersten Halbzeit drei, vier richtig krasse Fehlentscheidungen gegen uns getroffen hat.“ Schiedsrichter Sven Jablonski (23), dessen Vater Jörg übrigens am 23. April 1994 beim „Phantomtor“ von Thomas Helmer die Fahne gehoben hatte, verweigerte Meppen beim Schuss von Martin Wagner einen möglichen Handelfmeter. Und ließ den Schlag des Oldenburgers Daniel Halke gegen Johan Wigger ungeahndet. „Er muss ihm klar die Rote Karte geben - ohne Wenn und Aber. Und er muss einen klaren Elfmeter geben - ohne Wenn und Aber“, findet Neidhart. Meppens Trainer wurmte es, dass Jablonski und Co. nach dem Schlusspfiff nicht bereit waren, über die Szenen zu reden.

Neidharts Schachzug, Jens Robben in die vorderste Spitze zu beordern, ging voll auf. „Wir haben gesagt, wir probieren das. Weil ,Robbe‘ auch unheimlich ballsicher ist und von seiner positiven Verrücktheit immer eine Idee hat. Und am Ende macht er zwei Tore, also haben wir nicht so viel verkehrt gemacht.“ Das 2:2 sei eine kleine Befreiung gewesen.

„Beide Mannschaften haben wirklich eine tolle Leistung abgeliefert“, so der SVM-Trainer. „Ich habe so viele SMS und E-Mails am Montag noch bekommen, die alle gesagt haben, dass es ein Topspiel war. Ich glaube, es war ein würdiger Rahmen für dieses Spiel.“

5115 Zuschauer strömten am Montagabend trotz Liveübertragung und kalter Temperaturen in die MEP-Arena. Kein anderes Spiel weckte in dieser Saison mehr Interesse in der Regionalliga Nord. Damit bescherten die Fans dem SV Meppen den besten Besuch seit mehr als zweieinhalb Jahren. Damals kamen 7180 Zuschauer in der Meistersaison zum Oberligaspiel gegen Kickers Emden (25. Mai 2011), das 3:1 endete.

Positiv fiel auch das Fazit der Polizei aus. Während im Oldenburg-Block gezündelt wurde, blieb es in der Meppener Ecke bei verbaler Anfeuerung. „Dazu hat ebenso das besonnene und spielorientierte Verhalten großer Teile beider Fanlager beigetragen, wie das polizeiliche Konzept der Deeskalation durch strikte Fantrennung, wodurch ein Aufeinandertreffen kleinerer gewaltgeneigter Teile beider Fanlager verhindert werden konnte“, teilte Raimund Brinkmann mit. Das Verhalten der Fans im Stadion sei ein klarer Schritt in die richtige Richtung, so der Polizeihauptkommissar. Einzige Kritik: Meppens Fanszene zündete auf dem Weg zum Stadion Pyrotechnik und bewarf die mehr als 150 Beamtinnen mit Dosen. Verletzte und größere Sachbeschädigung gab es nicht. Festgenommen wurde ein Mann, der wegen Delikten im Zusammenhang mit Fußballspielen zu einer Freiheitsstrafe verurteilt und mit Haftbefehl gesucht wurde.


In der letzten Saison verbuchte der SVM auch gegen den VfB Oldenburg die beste Heimkulisse, als am 16. September 2012 genau 3025 Anhänger gezählt wurden. Im Schnitt sahen in der Vorsaison 1398 Zuschauer die Meppener Heimspiele. Minuskulisse bildeten die 836 Fans beim Wolfsburg-Spiel. Im Jahr eins nach dem Aufstieg in die Regionalliga kamen 4530 Fans zum ersten Heimspiel gegen RB Leipzig (7. August 2011) - Saisonrekord. Ganze 1174 Zuschauer wollten am 3. Dezember 2011 die Partie gegen Lübeck sehen.