Kerk: Mittelfristig Probleme mit DFB-Auflagen Meppen und Gersten bündeln die Kräfte

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Meppen. „Der Zeitpunkt ist extrem günstig. Wir können noch viel gestalten“, erklärt der Vorsitzende von Victoria Gersten, Stefan Kerk. Denn der Verein mit der ranghöchsten emsländischen Frauenfußball-Mannschaft in der 2. Bundesliga und der SV Meppen mit dem ranghöchsten Männerteam des Kreises in der Oberliga werden ab sofort kooperieren. „Das ist ein ganz wichtiger Schritt zum Erhalt des hochklassigen Fußballs im Emsland und natürlich wichtig für die strategische Ausrichtung des Vereins“, betonte SVM-Vorstandssprecher Andreas Kremer, warum die Kräfte gebündelt werden.

„Es geht um den Sport und nicht um Personen“, erklärte Trainerin Maria Reisinger. „Wir wollen langfristig den Frauen- und Mädchenfußball entwickeln“, sagte Kerk. Das aber könne die Victoria auf Dauer nicht mehr allein schaffen. Kurzfristig hätte der Verein, der seit sieben Jahren in der Zweiten Bundesliga spielt, die Aufgabe noch schultern können. Doch Gersten erwarte, dass der Deutsche Fußball-Bund die Anforderungen für die Zweitligisten nach der Weltmeisterschaft im nächsten Jahr erhöhen werde.

„Wir bewegen uns dem Ende der Fahnenstange entgegen und wissen, dass wir mittelfristig Probleme bekommen werden, die Zulassungsvoraussetzungen für die 2. Bundesliga zu erfüllen“, sagte Kerk mit Blick auf mögliche Anforderungen wie Kunstrasenplatz, Flutlicht oder hauptamtliche Geschäftsführung.

Ansgar Schröder vom Förderverein der Victoria machte es noch deutlicher: „Es gibt berechtigte Sorgen, dass es in unserer kleinen Kommune nicht genug Schultern gibt, die das tragen können. Die seit 1976 geleistete Aufbauarbeit ist in Gefahr.“ Und in eine Schuldenfalle, ergänzte Kerk, wolle sich der Verein nicht begeben.

„Das wäre auch grob fahrlässig“, betonte Kremer und freute sich auf die neue Verbindung. Denn von der Infrastruktur habe der SV Meppen mit Stadion und Geschäftsstelle einiges zu bieten. Der neuen Liaison beider Klubs, fügte SVM-Geschäftsführer Hermann Plagge an, stünden auch die Politik, etwa Landrat Hermann Bröring, und der Sport wie der Vorsitzende des Fußballkreises Emsland, Hubert Börger, positiv gegenüber.

Kremer nannte die Kooperation, an der Heinz Speet als gemeinsamer Sponsor mitgewirkt habe, „eine kluge Entscheidung“. Es ergäben sich Synergieeffekte, davon würden beide Seiten profitieren.

Vor allem, stellten Kremer und Kerk bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung fest, biete sich reichlich Gestaltungsspielraum der künftigen Zusammenarbeit, zumal beide Partner sich in keiner Konkurrenzsituation befänden. „Noch stehen wir nicht unter Druck. Wir arbeiten freiwillig zusammen“, betonte Kerk. Zurzeit sei man in der „Inventurphase“.

Da laut DFB-Statut keine Spielgemeinschaften in der 2. Liga zugelassen sind, werden die Frauen- und Mädchenmannschaften nach Einschätzung der neuen Partner in den SV Meppen integriert werden. Der Zweitliga-Spielort werde nach Meppen verlegt. „Aber nicht sofort“, verwies Kerk darauf, dass es noch keinen genauen Terminplan gebe. „Gersten wird immer ein Teil von uns bleiben“, sagte Reisinger, die hofft, dass Zuschauer und Fans aus der Kommune dem Team treu bleiben. „Der Ort ist als Gründungsmitglied der 2. Bundesliga schon in die Annalen eingegangen“, wusste Kerk.

Für Kremer ist es wichtig, „dass die jetzt handelnden Personen der Victoria ihre Kompetenz weiter einbringen“. Der SV Meppen stelle sich noch breiter als „der Fußballstandort im Emsland“ auf. Dabei glaubt er, dass sich die Senioren mit der ersten Mannschaft, die auf Sicht höherklassiger spielen wolle, die Frauenabteilung und der Nachwuchs mit dem neu ins Leben gerufenen Jugendleistungszentrum gut ergänzen. „Das ist natürlich auch eine große Verantwortung“, weiß Kremer. Aber der neue Vorstand sei nicht nur angetreten, den Verein wieder auf eine solide wirtschaftliche Basis zu stellen, sondern auch, um „den Grundstein für eine nachhaltige Vereinsentwicklung zu legen“. Gerade im Zusammenspiel aller Einheiten gebe es Synergieeffekte. Von der notwendigen Ausstattung des Jugendleistungszentrums mit medizinischer und sportlicher Betreuung vor Ort dürften alle profitieren. „Ein Kunstrasenplatz ist ein Muss“, meldete der Verein angesichts neuer Herausforderungen Ansprüche an.

Denn die Kooperationspartner gehen davon aus, dass von der neuen Zusammenarbeit der Fußball im Emsland insgesamt profitiert. „Das Potenzial für mehr ist da“, stellte Reisinger mit Blick auf Frauen- und Herrenfußball fest. „Es gibt noch mehr Mannschaften, die höher spielen könnten.“ Die Langenerin kann sich vorstellen, dass junge Kickerinnen ebenfalls vom Jugendleistungszentrum in Meppen profitieren. Aber Voraussetzung für alle Überlegungen sei, „dass es überhaupt weitergeht“. Reisinger: „Das ist das Highlight.“


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