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SVM-Rekordtorjäger von 1959 bis 1972 im blau-weißen Trikot – Über 500 Treffer in über 600 Spielen „Kies Gerd“ entfacht den Meppener Sand-Sturm

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Erinnerungsstücke präsentiert SVM-Legende Gerd Sand: In diesem Trikot mit der Nummer 9 nahm er nach dem Aufstieg in die Regionalliga beim SV Meppen Abschied als Spieler. Der Ball stammt von der Niedersachsenmeisterschaft 1968.Erinnerungsstücke präsentiert SVM-Legende Gerd Sand: In diesem Trikot mit der Nummer 9 nahm er nach dem Aufstieg in die Regionalliga beim SV Meppen Abschied als Spieler. Der Ball stammt von der Niedersachsenmeisterschaft 1968.

Meppen. Über 600 Spiele für den SV Meppen mit über 500 Toren – Gerd Sand ist eine Meppener Fußballlegende. „Es werden wohl noch ein paar Spiele und Tore mehr sein“, schmunzelt der heute 70-Jährige, der von 1959 bis 1972 für den Verein spielte und noch über etliche Erinnerungsstücke verfügt, die auf der im nächsten Jahr geplanten Ausstellung zum 100-jährigen Vereinsjubiläum für Interesse sorgen dürften.

Auch wenn ihn heute bei den Heimspielen auf der Tribüne nicht mehr jeder kennt: Gerd Sand hat beim SVM Fußballgeschichte mitgeschrieben. Er ist der Rekord-Torjäger der Blau-Weißen. Der Ur-Meppener war ein gefürchteter Instinkt-Fußballer, der auch aus dem Nichts traf. „Ich ahnte oft schon, wohin der Gegner den Ball spielen würde“, lacht Sand. „Wenn ich erst im Strafraum war, dann war Holland in Not“, erinnert er sich an ungemütliche Situationen für den Gegner. Der 1,75-m-Mann war auch für viele Kopfballtore gut. „Bei einigen war ich schon fast unterhalb der Grasnarbe“, kann er noch genau den ein oder anderen Flugkopfballtorpedo beschreiben.

Mit dem Vereinsfußball hat Sand 1951 begonnen. Der ehemalige Jugendtrainer Werner Bresam sprach den talentierten Spieler auf der Schülerwiese an. Die Karriere war beinahe vorgezeichnet. Seine Brüder Hermann, Richard und Karl-Heinz waren ebenfalls aktive Fußballer. Hermann Sand, 15 Jahre älter als sein Bruder Gerd, war ein bekannter Torwart, wechselte zum VfL Osnabrück und spielte später für Remscheid in der 2. Liga. „Ich war sein Kofferträger“, grinst Gerd. Fußball war schon in der Kindheit sein größtes Hobby. „Ich bin da einfach reingewachsen.“ Beim ersten Spiel bei den Herren wurde Gerd in der Presse als jüngster Spross der Sands angekündigt.

Gerd Sand war von Anfang an Stürmer. Er schoss Tore wie am Fließband. In der A-Jugend erzielte er genau die Hälfte der Meppener Tore beim 36:0 in Osterbrock. Zur Halbzeitpause musste der Gastgeber überredet werden, zum zweiten Durchgang wieder auf dem Feld zu erscheinen. Der Sand-Sturm fegte weiter über ihn hinweg.

Einige Gegenspieler dürften den Stürmer auch wegen seines schmächtigen Aussehens schlicht unterschätzt haben. Ihn selbst hat das angespornt. Die Meppener Offensive mit Sand, Klaus Iwanzik, Udo Seidel, Hans Lübbers oder „Männi“ Rocks war in jenen Jahren offenbar durchweg eher „kleinwüchsig“. „Als wir in Celle auf den Platz kamen, haben die Zuschauer gefragt, ob Meppen die A-Jugend geschickt hat“, grinst Sand, der nach dem Ende seiner Laufbahn in Meppen noch in Altenberge, Löningen, Grenzland Twist und Hesepe als (Spieler-)Trainer tätig war. Gecoacht hat er auch die Meppener Reserve, mit der nach dem Abstieg der sofortige Wiederaufstieg gelang, oder den SVM-Nachwuchs – in der B-Jugend standen damals Kicker wie Sebastian Röttger oder Holger Wehlage.

Als Spieler des SV Meppen in den Jahren 1959 bis 1972 musste Sand auf dem Platz einiges einstecken. Nur einmal fiel er länger wegen einer Meniskusverletzung aus. Den Gegnern ist er als Meppener Tormaschine in Erinnerung geblieben. Persönlicher Torrekord im Herrenbereich waren sieben Treffer beim 10:1 gegen Germania Wilhelmshaven 1964. Zum 11:0 gegen TuS Heidkrug im Aufstiegsspiel zur Amateuroberliga 1961, der damals zweithöchsten Klasse, steuerte Sand sechs Treffer bei – darunter ein lupenreiner Hattrick in nur elf Minuten! Stolz ist Sand auf eine direkt verwandelte Ecke „von der linken Seite“ gegen Wolfgang Kleff im Freundschaftsspiel gegen Borussia Mönchengladbach. In diesem Spiel blieb es der einzige Treffer von Sand und vom SVM.

Zweimal war Sand erfolgreichster Torjäger in Niedersachsen (1961/62 und 1963/64 mit 40 bzw. 43 Toren). 1961 gewann er mit dem SVM die Meisterschaft in der Amateurliga 8, in der auch TuS Lingen (2.), Germania Papenburg (6.), Concordia Emsbüren (14.) und der Haselünner SV (16.) spielten. 1964 gelang Meppen der Staffelsieg in der Amateuroberliga. Im Entscheidungsspiel in Oldenburg erzielte der verletzte Sand – Auswechslungen gab es noch nicht! – gegen TSR Olympia Wilhelmshaven das Tor des Tages kurz vor dem Abpfiff. Die Niedersachsenmeisterschaft verpasste er gegen die Amateure von Hannover 96 (3:1, 1:5). Den Titel holte der SVM mit seinem Paradestürmer, der seit 1966 auch Mannschaftskapitän war, erst 1968. Zwei Jahre später stieg der Verein als Tabellenfünfter in die Regionalliga auf, sofort wieder ab, aber 1972 als Vizemeister wieder auf.

Natürlich weckte Sand, den nicht nur Freunde „Kies Gerd“ rufen, auch das Interesse anderer Clubs. Werder Bremen und der Wuppertaler SV fragten bei ihm an. Die Hanseaten erhielten eine Absage, vor dem Probetraining in Wuppertal verletzte sich der Emsländer. Der WSV holte damals „Meister“ Günter Pröpper. Bereits unterschrieben hatte Sand einen Vertrag beim VfL Wolfsburg. Die SVM-Verantwortlichen überredeten ihn jedoch noch zum Bleiben. „Eigentlich wollte Gerd nie aus Meppen weg“, erklärt seine Frau Margret.

Verabschiedet hat sich Sand beim SV Meppen mit einem lauten Paukenschlag – auch wenn er im letzten Spiel für den Verein wie übrigens beim ersten (5:2 gegen Viktoria Georgsmarienhütte) kein Tor schoss. Mit dem 4:0 gegen Bergedorf 85 (Doppeltorschützen Heinz Tappel und Harry de Vlugt) gelang der Wiederaufstieg in die Regionalliga. 10000 Zuschauer feierten im Stadion. Gerd Sand wurde auf dem Rücken seiner Mitspieler vom Platz getragen.


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