Ein Artikel der Redaktion

Wein aus Emsland Speller Hobbywinzer produziert für den Eigenbedarf

Von Johannes Franke | 20.11.2015, 20:04 Uhr

„Willkommen im südländischen Emsland“, steht auf dem Etikett, und Hobbywinzer Aloys Schoppe schenkt zwei Gläschen halbtrockenen Weißherbst Jahrgang 2014 ein. Nicht nur bei dieser Weinprobe wünscht er „zum Wohle“, nein, auf allen abgefüllten Flaschen seit 2005 lächeln seine Frau Elfriede und er mit einem Gläschen den Genießern ins Gesicht. „Zehnter Aloysius“ heißt der letzte Jahrgang und er verspricht, „der Elfte Aloysius 2015 wird ein Deutscher Landwein besonderer Güte.“

Aloys Schoppe hat als ehemaliger Busfahrer und Reisebusunternehmer Deutschland und Europa im wahrsten Sinne des Wortes jahrzehntelang erfahren. Mehrere Dutzend Bilder in seinem Büro zeugen davon, wie zugewandt er den Menschen gegenüber tritt, mit ihnen umgeht und sie mit ihm. Händeschütteln bei einer Papstaudienz, Umarmungen mit Stars und Sternchen der TV- und Musikbranche, Gespräche mit Politikern, geistlichen Würdenträgern, Formel-1- Piloten und ein Besuch beim Weingutsbesitzer Günther Jauch mit den Landvolksenioren im August dieses Jahres. Auf dem Weingut von Othegraven an der Mosel trafen sich die Hobbywinzer.

Doch der Fernsehmoderator war nicht der Ideengeber, Wein im „südländischen Emsland“ anzubauen. Fahrten zum Mainzer Fernsehgarten mit Station auf dem Weingut Laubenstein in Grolsheim nahe Bingen und Bad Kreuznach waren der Auslöser. Die Gespräche beim und über Wein mit Claudia und Jens Laubenstein in Rheinhessen endeten 2002 mit dem Versprechen: „Ja, wir kommen euch im Emsland gerne besuchen. Aber ihr habt ja keinen Wein.“ Ein Wort ergab das andere, jeder Tropfen brachte die Idee, Wein im Emsland zu pflanzen, dem Grundstück an der B70 ein Stückchen näher. Gesagt, getan, die Wette umgesetzt und gewonnen. Ein Jahr später wurden die Rebsorten geliefert, die Profiwinzer kultivierten den Boden, „und seitdem wachsen und gedeihen hier 149 Rebstöcke der Sorte Regent und 49 Phönixgewächse“, freut sich Schoppe. Es sind robuste Rheinreben, die keinen Mehltau bekommen sollen, und „sie sind auch wirklich mehltaufrei“, sagt er.

Die Erträge steigen

Seit gut 13 Jahren wachsen die Rebstöcke in Reih und Glied, wurden größer und größer, robuster und trugen 2004 ihre ersten Trauben. „2005 konnten wir unseren ersten Aloysius abfüllen“, erzählt er, „und die Erträge Jahr für Jahr steigern.“ Im letzten Jahr gab es witterungsbedingt einen kleinen Rückschlag. Doch der „Elfte Aloysius“, Jahrgang 2015, wird in mehr als 200 Flaschen abgefüllt werden. „Eine hervorragende Ernte, die im nächsten Frühjahr in flüssiger Form seinen Standort wieder erreicht“, freut sich der Hobbywinzer.

Zuschauer der NDR III Sendung „Mein Nachmittag“ wissen das bereits. Denn Schoppe war am 2. November zu Gast im Hamburger Studio und erzählte dem Moderator Yared Dibaba über seinen Weinanbau und die Eigenvermarktung. „Kaufen kann man ihn nicht, wir trinken ihn nur zuhause, Anlässe gibt es genug“, sagt er verschmitzt.. Familienmitglieder, Freunde, Bekannte erhalten schon ein „Pülleken“, doch „wir mögen ihn auch viel zu gerne lieber selbst.“

Die Arbeit hält sich in Grenzen, alles ist ebenerdig. Nach der Lese im Herbst wird Rasen gemäht, Unkraut gejätet, Weinblätter angehäufelt und ab Januar die Reben zurückgeschnitten. Gepflegt sieht der Anbau aus. „Meine Frau Elfriede, die Schwiegertöchter und Enkelkinder helfen. Ich brauche nur zu schauen, ob alles wächst und gedeiht und die Pulle noch gut ist“, lacht er.

Ihm schmecke der liebliche Wein am besten. Doch der ausgeschenkte halbtrockene Weißherbst ist nicht zu verachten. Die Winzer in Grolsheim keltern für uns Roséwein. „Das bleibt so und geht auch gar nicht anders“, sagt der Hobbywinzer. Guter Wein ist für ihn einer, der „mir schmeckt, ich kein Sodbrennen bekomme und am nächsten Morgen fit bin“.

Das „südländische Emsland“ ist momentan noch kein Weinanbaugebiet. Und somit produzieren wir witterungsbedingt einen Landwein. „Höher können wir nicht kommen“, sagt er. Dabei lag der Oechsle-Grad in diesem Jahr bei 70, und das wäre „schon ein Qualitätswein gewesen“, betont Schoppe, „wenn er in einem anerkannten Weinbaugebiet gewachsen wäre.“ Doch soweit käme das Emsland wohl nicht und „das wollen wir auch nicht, er schmeckt uns ja so genau so gut.“

Ein Wein für den Papst

Weintrauben probieren ist hin und wieder erlaubt, denn „kurz bevor sie geerntet werden, schau ich schon mal, ob sie bereits schmecken“, feixt er. Ein Fachmann sei er nicht, egal wo gewachsen, „Hauptsache er schmeckt der Familie und mir.“

Hin und wieder ist der langjährige Busfahrer mit an Bord seiner Reiseflotte und vielleicht geht sein größter Wunsch in Erfüllung: ein Treffen mit Papst Franziskus. „Und der bekommt auf jeden Fall einen Weißherbst Aloysius geschenkt“, ist sich Hobbywinzer Aloys Schoppe ganz sicher.