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Weggeschaut ist mitgemacht 200 Eltern bei Cyber-Mobbing-Themenabend in Spelle

Von Anne Bremenkamp | 14.11.2013, 16:24 Uhr

„War doch nur Spaß“, kommt es Jugendlichen oft lapidar über die Lippen. Aber beim Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen über Facebook, WhatsApp oder Twitter hört Spaß schon lange auf: Cyber-Mobbing ist im Zeitalter allgegenwärtiger Smartphones eine nicht zu unterschätzende Form von Gewalt unter Kindern und Jugendlichen. Die Oberschule Spelle hat dieser Problematik in der Veranstaltungsreihe „Der Speller Gedanke“ einen Themenabend gewidmet.

Rund 200 Eltern und Lehrern folgten der Einladung in die Oberschule Spelle . Das Jugendtheater „Kulturschule“ aus Leipzig hat anhand bestürzender Fälle über Gründe, Risiken und Folgen von Mobbing und Cyber-Mobbing informiert und mögliche Lösungsansätze offeriert. Am Tag darauf hat das Ensemble mit dem präventiven Theaterstück „no escape“ alle rund 630 Schüler der Oberschule sowie das Kollegium für Gefahren im Internet sensibilisiert.

„In Kontakt mit den Kindern bleiben, Interesse zeigen, Vertrauen beweisen, über Gefahren im Netz aufklären, sich als Ansprechpartner anbieten und helfen ohne Schuldzuweisungen. Denn ein gemobbtes Kind darf nicht glauben, dass es selbst schuld ist an einer unerträglichen und ausweglos erscheinenden Situation“: Diese Empfehlung sprachen Daniela und Günther Frese von der Leipziger Kulturschule aus, verwiesen aber auch darauf, dass es kein Allgemeinrezept gebe.

Fakt sei hingegen, dass Mobbing, ob auf dem Schulhof oder im Netz, oft lange unerkannt bleibt. Und Mobbing vergehe nie von allein und werde auch nie durch Ignoranz beendet. „Das Wichtigste ist und bleibt es, die Schülerschaft zu sensibilisieren, der Mentalität des Wegsehens entgegenzusteuern und ein gesundes Kritikvermögen sowie Zivilcourage aktiv zu fördern.“

Ludger Rolfes als stellvertretender Direktor verwies darauf, dass die Oberschule Spelle eigens über ein gut ausgebildetes Mobbing-Interventionsteam verfüge, aber eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Schule, Schülern und Elternhaus unerlässlich bleibe. „Was wir nicht erfahren, darauf können wir auch nicht reagieren. Die Schule ist daher für jeden Hinweis dankbar, um bestehende Konflikte lösen zu können.“ Die Mutter eines von Mobbing betroffenen Kindes bestätigte, dass die Oberschule sie nicht allein gelassen, sondern konstruktive Hilfe geleistet habe.

Ein Fazit des Elternabends, der geprägt war von angeregtem Austausch und lebhafter Diskussion: Mobbing ist ein Gruppenprozess, in dem Mitschüler verschiedene Rollen spielen und dem Mobber soziale Dominanz verschaffen. Und weggeschaut ist immer mitgemacht.