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Verein zählt 19 Mitglieder Venhauser organisieren „schnelles Internet“

05.08.2013, 14:15 Uhr

Über ein „schnelles Internet“ verfügen jetzt 19 Familien im Bereich „Venhauser Schleuse“ in den Gemeinden Spelle und Emsbüren. Das Besondere und möglicherweise auch Einzigartige an dem Konzept ist, dass es von Bürgern im Verein „Schleusennetz e.V.“ realisiert worden ist.

Entstanden ist die Idee bei einer Geburtstagsfeier in der Nachbarschaft rund um die Schleuse Venhaus. Als „neuer“ Mitbürger führte sich Philipp Rekers als „Experte“ in die Diskussion um das schnelle Internet gut ein.

„Wir hatten angesichts unserer weit von einem Breitbandkabel gelegenen Ansiedlung wohl auch langfristig keine Chance, das Medium nutzen zu können“, erinnert Thomas Schüring an den Anfang der Diskussion. „Da kamen die Lösungsansätze des Diplom-Physikers Philipp Rekers gerade richtig“, so Dieter Hey. Man sei sich schnell einig gewesen, den Schritt zu wagen und die Überlegungen zum Wohl der betroffenen Familien umzusetzen.

Und so wurde zum 31. Januar 2013 der Verein „Schleusennetz e. V.“ gegründet und zahlreiche Gespräche mit Interessenten und Grundstückseigentümern geführt. Derzeit haben sich bereits 19 Familien dem Verein angeschlossen.

Für die Technik und vieles mehr übernahm Rekers die Federführung. Gemeinsam mit Thomas Schüring bildet er den Vereinsvorstand.

Rekers entwickelt im elterlichen Betrieb Gerhard Rekers Digitaltechnik in Spelle Komponenten für Hochspannungsprüfgeräte.

„Der Ehrgeiz packte mich, meine Ideen in die Tat umzusetzen“, so Rekers. Er investierte nach eigenen Angaben rund 300 Stunden ehrenamtliche Arbeit in das Vorhaben. „Unser Wohnzimmer lag voll mit Antennenbauteilen und was sonst noch so alles dazugehört“, gibt Ehefrau Christina einen Einblick in die Entwicklungsarbeit. An der Hauptstraße in Spelle wurde schließlich ein Anschluss gemietet, von dort werden die Signale per Funk zum Hof Höving geleitet. Dort ist auf einem Hochsilo eine Richtantenne installiert worden. Per Funk werden die Signale zu drei ausgewählten Standorten und anschließend zu den Beteiligten im Bereich rund um die Venhauser Schleuse weitergeleitet.

Entstanden ist ein Internet per Richtfunk im lizenzfreien 5-GHz-Bereich. Konnten die Anlieger zuvor eine Geschwindigkeit von teilweise nur 0,064 Mbit/s nutzen, liegt man jetzt bei 10 bis 50 Mbit/s. Neben Philipp Rekers, der aus beruflichen Gründen auf das schnelle Internet angewiesen ist, gebrauchen heute die Landwirte und insbesondere auch die Schüler diese Technologie. Dieter Hey, der im Auftrag der Jägerschaft Lingen Jungjäger ausbildet, sitzt ständig am Internet. „Im Übrigen kann ich mit meinen Enkeln kommunizieren.“

Die Gesamtkosten beziffert der Verein mit rund 10000 Euro. Neben öffentlichen Fördermitteln hat sich auch die Gemeinde Spelle mit einem Drittel an den Kosten beteiligt. Der Rest wurde auf die Vereinsmitglieder umgelegt. Die monatlichen Kosten sind mit 15 Euro/Mitglied errechnet worden.

Kritik wurde in dem Zusammenhang von Dieter Hey, einem von fünf Haushalten auf Emsbürener Gebiet, an Rat und Verwaltung der Gemeinde Emsbüren geübt. Von dort sei eine Förderung abgelehnt worden. „Wenn wir kurze Zeit später lesen, dass Anträge aus Gleesen und Listrup positiv beschieden wurden, fühlen wir uns als Bürger zweiter Klasse“, so der pensionierte Forstbeamte und ergänzt: „Der Antrag an die Gemeinde Emsbüren gilt nach wie vor, und wir erwarten, dass die ablehnende Haltung revidiert wird.“