Dank Dorfgemeinschaft 2.0 Ältere Menschen sollen in Spelle besser leben können


Spelle. Rund 120 Bürger haben in Spelle auf dem Gelände des Wöhlehofes an der Jahresveranstaltung zum Thema Dorfgemeinschaft 2.0 teilgenommen.

Viele Bürger bekundeten ihre Bereitschaft, sich in den Beteiligungs- und Kreativprozess einzubringen, bei dem es ab November darum geht, handfeste Lösungen für den Bereich „Wohnen im Alter/Wohnen mit Zukunft in der Gemeinde Spelle“ zu finden.

Geld vom Bundesministerium

Das Projekt versucht in der Modellregion Grafschaft Bentheim/Südliches Emsland eine generationenübergreifende Dorfgemeinschaft aufzubauen, die vor allem das Altern im eigenen Hause möglichst lange sichern soll und auf technische Hilfsmittel baut. Das 2015 gestartete Projekt wird für fünf Jahre vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Zentral für das Konzept ist das virtuelle Dorfgemeinschaftszentrum, über das relevante Dienste aus dem Bereich der sozialen, medizinischen und logistischen Versorgung datenschutzkonform persönlich, telefonisch oder online buchbar sind.

Transportieren Bürgerbusse künftig auch Waren?

Die Gäste in Spelle konnten sich bei verschiedenen Anbietern über innovative Dienstleistungen und technische Assistenzsystem informieren, die das Leben zu Hause erleichtern. Anhand von fiktiven älteren Personen stellten Vertreter der am Projekt beteiligten Organisationen (Projektleiter ist Thomas Nerlinger) Möglichkeiten der Unterstützung dar. Angedacht wird zum Beispiel, Bürgerbusse auch zum Transport von Waren zu nutzen.

Humorvoller Vortrag auf plattdeutsch

Marita Schade aus Rhede, alias Madame Schadé, machte in einem auf plattdeutsch gehaltenen humorvollen Beitrag deutlich, dass sicherlich noch viel Überzeugungsarbeit notwendig ist, um Ältere für die Digitalisierung zu gewinnen.

Wohngebäude häufig nicht barrierefrei

Nach Meinung des Speller Samtgemeindebürgermeisters Bernhard Hummeldorf schätzen viele Menschen die hohe Lebensqualität auf dem Land und möchten möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen und gut leben können. Es gelte, gemeinsam gute Ideen und Konzepte zu entwickeln, um dies zu bewerkstelligen. Nachteilig sei oft die alles andere als barrierefreie Gestaltung der Wohngebäude und der schleichende Verlust an Infrastruktur und an Versorgungsmöglichkeiten.

Oft zu später Umbau der Gebäude

„Vor allem das Fehlen barrierefreier kleinerer und bezahlbarer Wohnungen wird vielfach als größter Engpass wahrgenommen“, sagte der Samtgemeindebürgermeister und fügte hinzu: „Der altengerechte Umbau bestehender Gebäude, vorwiegend älterer Einfamilienhäuser, kommt ebenfalls nur sehr schleppend voran und wird nur in den wenigsten Fällen frühzeitig angegangen.“

„Digitalisierung große Chance für den ländlichen Raum“

Die Bundestagsabgeordneten Daniela De Ridder (SPD), Albert Stegemann (CDU) sowie die Landtagsabgeordneten Gerd Will (SPD), Heinz Rolfes und Reinhold Hilbers (beide CDU) bezeichneten die Digitalisierung übereinstimmend als große Chance für den ländlichen Raum. „Das Projekt Dorfgemeinschaft 2.0 ist ein gutes Beispiel für eine hervorragende Zusammenarbeit zwischen dem Emsland und der Grafschaft Bentheim“, betonte Will. Nach Meinung von Hilbers rückt der ländliche Raum durch die Digitalisierung näher zu den städtischen Zentren in Deutschland. Der CDU-Kreistagsabgeordnete Jonas Roosmann verwies auf den beschleunigten Breitbandausbau in der Region.

Individuelle Lösungen notwendig

Wohnungsexperte Dieter Sudbrink, der den Kreativ- und Beteiligungsprozess zum Thema „Wohnen im Alter, Wohnen mit Zukunft in Spelle“ leiten wird, hob in seinem Vortrag hervor, dass es keine Denkverbote geben dürfe. Ziel müsse es sein, maßgeschneiderte und individuelle Lösungen zu finden. „Wohnbedürfnisse sind vielfältig. Vieles unterliegt einem ständigen Wandel“, unterstrich Sudbrink.

„Ein Glücksgriff für jede Kreisentwicklung“

Voll des Lobes über den Verlauf der Veranstaltung äußerte sich anschließend der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion im Steinfurter Kreistag, Benno Hörst aus Ochtrup. „Solch ein Projekt ist ein Glücksgriff für jede Kreisentwicklung“, sagte er der Redaktion. Nach seiner Überzeugung werden die Bürger voller Begeisterung das Projekt mit Leben füllen.


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