Forderung an Landesregierung Jäger bekennen sich in Spelle zur Artenvielfalt

Von Heinz Krüssel

Mit der Organisation und dem Verlauf der Mitgliederversammlung der Landesjägerschaft Niedersachsen in Spelle zufrieden zeigten sich v.l. Johann Högemann, Werner Kuhn, Heiner Hüsing, Bernard Krone, Helmut Dammann-Tamke, Hubert Ull und Josef Schröer. Foto: Heinz KrüsselMit der Organisation und dem Verlauf der Mitgliederversammlung der Landesjägerschaft Niedersachsen in Spelle zufrieden zeigten sich v.l. Johann Högemann, Werner Kuhn, Heiner Hüsing, Bernard Krone, Helmut Dammann-Tamke, Hubert Ull und Josef Schröer. Foto: Heinz Krüssel

Spelle. Die Landesjägerschaft Niedersachsen will sich weiter intensiv für die Praxistauglichkeit von Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung der Artenvielfalt durchsetzt.

Das hat Präsident Helmut Dammann-Tamke jetzt bei der Mitgliederversammlung der Jäger in Spelle deutlich gemacht. Mehr 300 Jäger sowie Gäste aus Politik und Gesellschaft aus ganz Niedersachsen hatten sich zur Versammlung im Drive&Train-Center der Maschinenfabrik Bernard Krone eingefunden.

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Im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung stand die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft. Dammann-Tamke forderte die niedersächsische Landesregierung auf, sich stärker für praxisnahe Programme für mehr Artenvielfalt in der modernen Agrarlandschaft einzusetzen. „Die immer intensivere Nutzung der Agrarlandschaft ist einer der Gründe für den Rückgang klassischer Feldbewohner wie beispielsweise Rebhuhn, Feldlerche oder Kiebitz“, so der Präsident. Er beklagte, dass die bisher von der Landesregierung angebotenen Agrarumweltprogramme häufig mit hohem bürokratischen Aufwand verbunden und daher wenig praxistauglich seien.

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Als echte Alternative zum Maisanbau für Biogasanlagen empfahl Dammann-Tamke die Nutzung von Wildpflanzenmischungen. In einem Forschungsprojekt habe die Landesjägerschaft gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium den ökologischen und ökonomischen Nutzen festgestellt. Die Politik sei gefordert, die Initiativen für lebensraumverbessernde Maßnahmen wie Blühstreifen, Ackerrandstreifen, Stoppelbrache oder Energiepflanzen für die Landwirte und andere Flächenbewirtschafter attraktiver zu machen.

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In seinen Betrachtungen ging Dammann-Tamke auch auf die Situation des Wolfes in Niedersachsen ein. Die Wolfspopulation wachse sehr stark an. Es werde keinen Selbstreinigungsmechanismus geben. „Wenn der Wolf in der freien Wildbahn keine Nahrung mehr findet, wechselt er zu Schafen und Rindern bis hin zu Fohlen.“

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In einem Grußwort stellte Landrat Reinhard Winter fest, dass die Jäger ebenso wie der Landkreis Emsland den Auftrag hätten, die wertgebenden Arten zu schützen und Lebensräume zu erhalten und zu schaffen. Dafür gelte es Regelungen zu treffen. Winter ging auch auf Kritik von Jägern am Landkreis Emsland in einen Beitrag in der örtlichen Presse ein. Es sei ungeheuerlich, dem Landkreis Emsland Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft bezüglich des Rückganges der Biodiversität anzulasten, so Winter.

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„Landwirtschaft und Artenschutz im Widerspruch?“ Dieser Frage ging Werner Kuhn in einem Vortrag nach. Der Landwirt und passionierte Niederwildjäger aus Franken kann auf eine über 20-jährige Erfahrung und Dokumentation zurückblicken. Er präsentierte zahlreiche Beispiele aus der Praxis, wie sich Landwirtschaft und Artenschutz erfolgreich ergänzen. Mit Interesse wurden die Erfahrungen mit dem Wildpflanzenanbau für Biogasanlagen aufgenommen. „Man kann viel erreichen, obwohl man nur wenig tut“, gab Kuhn den Jägern zahlreiche Tipps mit auf den Weg. Die Erfahrungen des Referenten untermauerte Johann Högemann, Naturschutzbeauftragter der Jägerschaft Lingen mit entsprechendem Zahlenmaterial aus mehrjähriger Versuchstätigkeit im Altkreis Lingen.