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87-jährige bei der Tafel Lydia Tabler geht in Spelle in den zweiten Ruhestand

Von Peter Löning, Peter Löning | 26.06.2016, 19:15 Uhr

Nach 13 Jahren ehrenamtlicher Arbeit für die Lingener Tafel hat sich die 87-jährige Lydia Tabler jetzt im Wöhlehof von ihrem Speller Team verabschiedet. Und wie treffender kann dies geschehen, als an einer großen Tafel im Kreise der langjährigen Mitstreiter bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen.

Im Jahre 2001 von der Wolga nach Spelle gekommen, war sie bereits 2003 mit bei den Helfern, die in Spelle die erste Ausgabestelle außerhalb Lingens aufbauten. „Damals waren es noch drei oder vier Leute, die arbeiteten.“ Lydia Tabler war zu dieser Zeit bereits 74 Jahre alt und wöchentlich im Einsatz. Zunächst bei der evangelischen Kirche untergebracht, ist man inzwischen im Speller Wöhlehof zuhause. „Die Arbeit beginnt donnerstags immer um 12 Uhr, da bereiten wir alles vor, ehe das von 14 bis 15 Uhr die eigentliche Ausgabe stattfindet.“ Eine auch körperlich belastende Arbeit, die aber Spaß macht, schon, weil man sich untereinander so gut versteht.

Tafel rettet wöchentlich 25 Tonnen Lebensmittel vor Vernichtung

Inzwischen gibt es bei der Lingener Tafel 10 Ausgabestellen und 400 ehrenamtliche Helfer im Emsland verteilt. Es gibt eine Liste von inzwischen 195 Spendern (Händlern wie Erzeugern), die wöchentlich, teilweise sogar täglich angefahren werden um Lebensmittel einzusammeln. Dadurch wird nicht nur einer stetig wachsenden Zahl bedürftiger Menschen geholfen. Zurzeit rettet die Lingener Tafel wöchentlich 25 Tonnen Lebensmittel vor der Vernichtung.

Tafeln feste Säule im Hartz-Sozialsystem

Beeindruckende Zahlen sind das, die aber angesichts der Notwendigkeit dieser Einrichtung beschämen sollten. „Wir sind inzwischen leider eine feste Säule im Hartz-Sozialsystem“ heißt es kritisch in der Runde. Für die inzwischen 17 Kräfte in Spelle wird es heute manchmal eng, den größer werdenden Kundenstamm in einer einzigen Stunde zu bedienen. „Manchmal wird es auch eine halbe Stunde mehr“. Auch bringt der beachtliche Anteil an Asylbewerbern – es sind jetzt rund die Hälfte der Kunden – einige kulturelle und Kommunikationsprobleme mit sich. Nichts, was sich nicht ändern könnte. Waren in der Anfangszeit Tablers Russischkenntnisse ein Glücksfall für die Arbeit vor Ort, sind heute zudem Arabischkenntnisse sehr gefragt.

Wert und Wichtigkeit der ehrenamtlichen Arbeit

Für eine 87-jährige Dame sagt sich das kurz mit: „Es ist rumpliger geworden“. Früher war da mehr Zeit. Jetzt zieht sich Lydia Tabler von ihrem Ehrenamt zurück und bemerkt: „Es ist beinahe wie ein zweiter Rentenantritt“. Ehrungen, Geschenke und ein großes Dankeschön nahm sie entgegen von Gerd Korte, dem Organisator der Speller Ausgabestelle, und Maria Dühnen, der stellvertretenden Vorsitzenden der Lingener Tafel. Beide unterstrichen Wert und Wichtigkeit der ehrenamtlichen Arbeit, aber auch den wachsenden Rückhalt, den der Verein erfährt. Lydia Tabler wird sich wohl auch nach ihrem Abschied noch oft am Wöhlehof sehen lassen, schon um sich fit zu halten. Für die Zukunft heißt es: Alles Gute.

Informationen zur Lingener Tafel gibt es im Internet unter www.lingener-tafel.de