Ausverkaufte Sitzungen Das kleine Venhaus ist eine Hochburg im Karneval

Von Heinz Krüssel


Spelle. Eine Hochburg der „Fünften Jahreszeit“ in der Region ist der Speller Ortsteil Venhaus. In zwei ausverkauften Prunksitzungen hat der „Karnevalsclub Gräftlinge Venhaus“ (KCG) mit einem Feuerwerk an Tanz, Musik und Büttenreden die Narrenschar im Saal Spieker-Wübbel über vier Stunden zum Singen, Schunkeln und Lachen und damit zu „Spaß pur“ animiert.

Als Motto war „Flower und Power in der Hippiezeit“ vorgegeben. Entsprechend kreativ gekleidet präsentierte sich das Publikum ebenso wie die Akteure auf der Bühne. Immerhin habe der KCG wieder über 100 Eigengewächse aufgeboten, freute sich Sitzungspräsident Udo Haking als „John Lennon“ über das große Engagement der Jecken aus allen Altersgruppen. Natürlich seien viele Hippies auch in Venhaus inzwischen in die Jahre gekommen und auf den Rollator angewiesen. Allerdings werde das Gefährt nicht als Unterstützung beim Spazierengehen gebraucht, sondern als „Aschenbecher für den Joint“.

Lokale Ereignisse aufgespießt

Als Salz in der Suppe einer Karnevalssitzung gelten die Büttenreden, in denen insbesondere lokale Ereignisse aufgespießt werden – natürlich nicht immer ganz ernst gemeint. Und davon hatten die Veranstalter gleich eine ganze Reihe aufgeboten, beispielsweise Marc Böker. Er hatte sich als „Grüner Kobold“ im „Königreich Venhaus“ umgeschaut. „In Venhaus wird viel gebaut. Vielleicht sollte man mal über den Bau einer Mauer nachdenken, um den Zuzug aus Spelle zu stoppen.“ Die Gaststätte Spieker-Wübbel solle aufgegeben werden, so der Wille der Politik. „Wir brauchen auch in Venhaus keine Kneipe mehr; das hat uns Spelle ja vorgemacht.“

Als Nachwuchsredner gehören Katja und Tim Bröcker bereits seit längerer Zeit zum Programm. Die Geschwister machten in ihrer Büttenrede deutlich: „Wir sind gegen alles und wollen unser Recht.“ Insbesondere forderten sie für das Königreich Venhaus ein Jugendhaus. Als „Haushälterin Stiena“ stand Pastor Daniel Brinker wieder in der Bütt. Chef Ludger Pöttering habe keine Ahnung, wenn er immer sage: „Das bisschen Haushalt“.

In einem Zwiegespräch fragten Barbara Beine und Annette Junghüser, warum Männer keinen Busen haben. „Ist doch klar: Mit der Doppelbelastung könnten die gar nicht umgehen.“ Im Übrigen seien die Frauen das Meisterstück der Schöpfung; die Männer habe Gott nur zur Probe geschaffen. Als zwielichtiger Zeitgenosse entpuppte sich Pizzabäcker Giovanni, alias Klaus Löcken. Bei der Suche nach einer Frau sei er vorsichtig geworden: „Wenn du an die falsche Frau gerätst, ist rucki-zucki Haus und Hof weg, wie bei Luigi.“

66 „Beischlafangestellte“

Nach Darstellung der KLJB ist in Venhaus hinter dem Hotel Spieker-Wübbel ein fünfstöckiges „Hotel der Schweigepflicht“ angedacht. Über die Pläne des Bürgermeisters und der Investorin Rosa Silbersack sei in einer Bürgerversammlung heftig über Pro und Contra diskutiert worden. Es sollen Arbeitsplätze für 25 Kellner und 66 „Beischlafangestellte“ geschaffen werden. Und der Bürgermeister freute sich schon über „exorbitante Steuereinnahmen“.

Traditionell hatten die Konfetti-Kids von der Grundschule Venhaus das Programm eröffnet. Erstmals zeigten sechs Mädchen der neu formierten „Burggarde“ ihr Können mit einem Gardetanz. Für gekonnte Tanzeinlagen sorgten zudem die „Grashüpfer“ und die „Sexy Fire Fighters“. „Seven up“ überzeugte mit einer perfekten Illusion. Hoch her ging es abschließend bei der „Hitparade“: Alles, was in der Musikszene Rang und Namen hat, war auf der Venhauser Karnevalsbühne vertreten.