Über Generationen hinweg Auftakt der „Dorfgemeinschaft 2.0“ in Neuenhaus

Von Sebastian Hamel

Auf reges Interesse stieß die öffentliche Auftaktveranstaltung des Projektes „Dorfgemeinschaft 2.0“ nebst eines Austausches auf dem „Dorfmarktplatz der Möglichkeiten“. Foto: Werner WestdörpAuf reges Interesse stieß die öffentliche Auftaktveranstaltung des Projektes „Dorfgemeinschaft 2.0“ nebst eines Austausches auf dem „Dorfmarktplatz der Möglichkeiten“. Foto: Werner Westdörp

Neuenhaus. Mit einer großen Auftaktveranstaltung ist jetzt das Projekt „Dorfgemeinschaft 2.0“ offiziell in Neuenhaus an den Start gegangen. Ziel ist es, ein Konzept für ein generationenfreundliches Miteinander in ländlichen Gebieten zu entwickeln.

Trist und mitleiderregend wirkt das Leben des alten Mannes, der im Kurzfilm des Projekts „Dorfgemeinschaft 2.0“ seine Tablettenschachteln durchwühlt. Die Packungsbeilagen kann er kaum lesen, beim Öffnen des Kühlschranks bietet sich ihm gähnende Leere und zu guter Letzt stolpert er sogar noch über seinen Hund und bleibt hilflos liegen. So soll es nicht sein, sagen die Projektbeteiligten und stellen im zweiten Teil des Films ansprechende Alternativen vor: Über einen virtuellen Marktplatz auf seinem Tablet-PC ordert er sich per Lieferdienst Lebensmittel ins Haus, holt sich Hilfe für den Garten – und beim Sturz über den Hund wird automatisch die Verbindung zu einer Notfallzentrale hergestellt, deren Mitarbeiterin sich über den Zustand des Seniors erkundigt.

Auf fünf Jahre angelegt

Der Mensch im Mittelpunkt, unterstützt durch technische und digitale Innovationen, die mit den unterstützenden Akteuren in der Region verbunden sind: An diesem Prinzip orientiert sich das auf fünf Jahre angelegte Projekt, das aus dem Verein Gesundheitsregion Euregio erwachsen ist. Über ein virtuelles Dorfgemeinschaftszentrum sollen alle relevanten Dienste koordiniert werden. Gleichzeitig soll dieses als tatsächliche Begegnungsstätte dienen. Mit rund 5 Millionen Euro erfährt das Vorhaben eine üppige Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Zuvor hatte die „Dorfgemeinschaft 2.0“ erfolgreich am Wettbewerb „Innovationen für Kommunen und Regionen im demografischen Wandel“ – kurz „Innovakomm“ – teilgenommen. Mit dem Projekt kann das Gebiet Grafschaft Bentheim und südliches Emsland, auf das sich das Vorhaben erstreckt, zum Modell für vergleichbare Regionen in ganz Deutschland werden. Beteiligt ist unter anderem die Samtgemeinde Spelle .

Versorgungsstrukturen

Die Vorstellung im Forum des Lise-Meitner-Gymnasiums stieß auf reges Interesse. Zahlreiche Beteiligte und Gäste wohnten der Veranstaltung bei. In seinem Grußwort sagte Arno Schumacher, Vorsitzender der Gesundheitsregion Euregio, mit Blick auf die aktuelle Situation, dass die Versorgungsstrukturen für ältere Menschen noch nicht ausreichen. Die technischen und digitalen Möglichkeiten seien noch nicht ausgeschöpft. Daraus ableitend formulierte er den Geist des Projekts: „Kräfte bündeln, Netze spannen und die Öffentlichkeit mitnehmen.“ Günter Oldekamp, Samtgemeindebürgermeister in Neuenhaus, würdigte den Erfolg der „Dorfgemeinschaft“, da nur fünf aus 180 Bewerbungen den Zuschlag bekommen hätten. Er rief dazu auf, das Projekt mit Leben zu füllen.

Themenbereich „Gesundheit und Pflege“

Die „Dorfgemeinschaft 2.0“ gliedert sich auf in vier Lebensräume. Im Punkt „Gesundheit und Pflege“ geht es unter anderem darum, die Sektorengrenzen zwischen Hausarzt, Krankenhaus und Pflegedienst aufzusprengen. Weiterhin sind mobile Gesundheitsangebote sowie digitale Assistenzsystem, etwa der automatische Hilferuf per Sensor, von Bedeutung.

Themenbereich „Mobilität“

Dem Lebensraum „Mobilität“ liegt der Wunsch vieler Menschen, am Leben um sie herum teilzuhaben, zugrunde. Aspekte wie Bürgerbus, Ruftaxi und E-Mobilität spielen dabei ebenso eine Rolle wie Fahrgemeinschaften und Car-Sharing.

Themenbereich „Bedarfsgerechte Versorgung“

Der Lebensraum „Bedarfsgerechte Versorgung“ stellt die Frage: „Wie versorgen wir uns heute und wie morgen?“ Die technische Unterstützung soll dabei der virtuelle Dorfmarktplatz bieten, über den der Kontakt zu den Akteuren hergestellt wird. Bei der Entwicklung der Technik sollen die Ängste und Sorgen der Menschen aufgenommen werden.

Themenbereich „Wohnen“

Der Lebensraum „Wohnen“ steht besonders im Zeichen des „Smart Home“, das mit Fernsteuerungen und Automatisierungen die Lebensqualität im Wohnraum steigern soll.

Marktplatz der Möglichkeiten

Bei einem „Marktplatz der Möglichkeiten“ in der benachbarten Mensa der Wilhelm-Staehle-Schule konnten sich die Besucher im Anschluss ein Bild von den Angeboten machen, die die zahlreichen Verbundpartner der „Dorfgemeinschaft“ und weitere Vereine und Firmen dort präsentierten. So stellte das Unternehmen WAS aus Wietmarschen eine „rollende Praxis“ vor.

Weitere Infos

Wer sich für das Projekt interessiert, kann bei der weiteren Entwickelung mitwirken. Anmeldungen sind möglich unter www.dorfgemeinschaft20.de .


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