Bürger helfen Flüchtlingen Asylkreis in Lünne: Man kann nicht wegschauen

Von Thomas Pertz


Lünne.  Im Haus der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde in Lünne schwirren die Worte nur so durch den Raum. „Es kommen noch zwei Kisten mit Geschirr“, ist aus einer Ecke zu hören. „Das Ehebett wird abgeholt“, heißt es aus der anderen. „Matratzen hab ich geordert“, sagt Pastorin Martina Korporal mittendrin. Der Flüchtlingskreis sitzt zusammen, redet und handelt.

An diesem Donnerstag wird eine Familie aus Syrien in Lünne erwartet, ein Ehepaar mit zwei Kindern. Auch Flüchtlinge aus dem Irak, Afghanistan und Albanien leben im Ort. Der Asylkreis kennt sie alle, ihre Namen, ihre Geschichte. 

Seinen Anfang genommen hatte alles im Juni 2014, als in einem Haus an der Beestener Straße in Lünne die ersten Flüchtlinge eingezogen waren. Eine Nachbarin sah, wie die diese etwas verloren vor dem Haus saßen und sprach Martina Korporal an.

„Wir müssen was tun“, hieß es schnell. Der kleinen Gruppe schlossen sich rasch weitere Bürger in Lünne an. Inzwischen wirken im Asylkreis Martina und Joachim Korporal, Gerhard Wolf, Hans Räder, Gregor Stoke, Mechthild und Christopher  Giesken, Elisabeth Lögers, Sandra Landua, Irmgard Lottmann, Ursula Rensen, Maria Hüvet, Marita Büers, Andrea Busch, Lydia Peitzmann und Claudia Bembom mit.

Zunächst wurden Fahrten zum Wöhlehof nach Spelle organisiert, wo die Lingener Tafel eine Ausgabestelle für Lebensmittel eingerichtet hat. Diese regelmäßigen Touren seien für die Flüchtlingsfamilien inzwischen auch eine Möglichkeit zum Austausch mit anderen geworden, heißt es in der Runde.

Je mehr Helfer hinzustießen, desto größer wurde das Angebot an Hilfen. Ursula Rensen ist ein Beispiel. Die Lünnerin arbeitet in einer Frauenarztpraxis in Spelle. Sie nimmt Flüchtlingsfrauen bei Behandlungsterminen mit in den Nachbarort. Daraus seien auch bereits persönliche Bindungen entstanden, berichtet sie. Die Frauen seien überaus dankbar für diese Hilfe.

Hans Räder ist ein anderes Beispiel. Die arabische Schrift von rechts nach links ist den beiden jungen Irakern bestens vertraut, die der Rentner unterrichtet. Aber mit dem deutschen Alphabet konnten sie bislang nichts anfangen. Das hat sich geändert. Räder hat Lernmaterial kopiert und gescannt. Mit Laptop und Beamer hat er den beiden 21 und 26 Jahre alten Männern bereits so viel beigebracht, dass diese im inzwischen angelaufenden Sprachkurs in Spelle gut mitkommen.

Helfer lernen selbst

Die Helfer lernen aber auch selber bei ihren Treffen mit den Flüchtlingen. Sie hören von der Schönheit der Landschaft des Irak, bevor alles in Schutt und Asche gebombt wurde und erfahren von dem Afghanen, der im Falle einer Abschiebung Angst hat, von den Taliban getötet zu werden. Vor seiner Flucht sei er Dolmetscher für die Nato-Truppen gewesen, berichtet Martina Korporal.

Einsatz spricht sich rum

Es sind im Übrigen nicht nur Flüchtlinge, um die sich die Gruppe kümmert. So betreut Andrea Busch eine Familie aus Spanien, die in Lünne wohnt. „Deren ältester Sohn geht mit unserem ins erste Schuljahr“, erzählt sie. 

Martina Korporal hat in Lünne sämtliche Firmen und Handwerksbetriebe abgeklappert und nach Möglichkeiten gefragt, ob die jungen Leute ein Praktikum machen könnten. Mit Erfolg. Ein junger Iraker hat sechs Wochen in einem Kfz-Betrieb in Lünne gearbeitet. Der Chef sei sehr zufrieden gewesen, unterstreicht Räder. Dieser habe dem jungen Mann sogar eine Lehrstelle in Aussicht gestellt, sobald er die deutsche Sprache ausreichend gut beherrsche. „Sie müssen etwas zu tun haben. Manches, was schiefläuft, passiert auch aus Langeweile“, betont die Pastorin.

Der Einsatz des Asylkreises hat sich in Lünne natürlich herumgesprochen. Er sei sehr beeindruckt von diesem Engagement, betont Heino Peitzmann, Chef eines Transportunternehmens. 3000 Euro hat er für die Arbeit der Gruppe gespendet. „Hier habe ich die Chance, direkt vor Ort zu helfen“, sagt er.

Warum sie das alles machen? „Man kann nicht wegschauen“, heißt es aus dem Asylkreis.

Mehr aus Spelle lesen Sie in unserem Ortsportal.


1 Kommentar