Erster Zug mit Kies entladen „Neue Epoche“ im Hafen von Spelle-Venhaus

Am Donnerstagmorgen erreichte der erste Zug, beladen mit 1300 Tonnen Kies, den Hafen in Spelle-Venhaus. Darüber freuten sich Samtgemeindebürgermeister Bernhard Hummeldorf und Spelles Bürgermeister Georg Holtkötter. Foto: Thomas PertzAm Donnerstagmorgen erreichte der erste Zug, beladen mit 1300 Tonnen Kies, den Hafen in Spelle-Venhaus. Darüber freuten sich Samtgemeindebürgermeister Bernhard Hummeldorf und Spelles Bürgermeister Georg Holtkötter. Foto: Thomas Pertz

Spelle. Das trübe Wetter am Donnerstagmorgen im Hafen in Spelle-Venhaus passte so gar nicht zur prächtigen Stimmung von Samtgemeindebürgermeister Bernard Hummeldorf und Spelles Bürgermeister Georg Holtkötter. Die freuten sich nämlich gemeinsam mit Vertretern der Firma Herbers über den ersten Zug mit 23 Waggons, der nach dem Verlegen der Gleise in diesem Jahr den Hafen zum Entladen von 1300 Tonnen Kies erreichte.

„Nachdem wir vor über 55 Jahren das erste Binnenschiff gelöscht haben, freuen wir uns darüber, nun auch den ersten Zug entladen zu dürfen“, meinte Christian Kotte, Geschäftsführer der Gerhard Herbers GmbH. Das Familienunternehmen versteht sich als Servicedienstleister rund um den Straßenbau. Es wurde 1959 als erstes Unternehmen im Hafen gegründet.

Di HeBau Logistik GmbH, ein 100-prozentiges Tochterunternehmen von Herbers, übernahm nach dem Eintreffen des Zuges die Entladung der 23 Waggons „aus Starkenberg in Thüringen“, wie Kotte mitteilte. Wie die Samtgemeindeverwaltung ergänzte, handelte es sich um einen „Probezug“. Die eigentliche Anlieferung von Rohstoffen per Zug in den Hafen solle erst ab Frühjahr 2016 regelmäßig stattfinden.

Impulse für Wirtschaft

Bis dahin wird auch der Bahnübergang an der Imhofstraße fertiggestellt sein. Am Donnerstag regelte die aufgestellte Signaltechnik einer Baustelleneinrichtung die gefahrlose Durchfahrt des aus Rheine kommenden Zuges Richtung Hafen.

Neben Hummeldorf und Holtkötter waren auch Stefan Sändker und Daniel Thien, in der Verwaltung für den Hafen zuständig, vor Ort, um die erste Einfahrt eines Zuges über das gut vier Kilometer lange Gleisbett zu beobachten. Christian Kotte sprach von einer „neuen Epoche“, die im Hafen eingeläutet werde, da nun alle drei Verkehrsträger – Straße, Wasser und Schiene – zur Verfügung stünden.

Rat und Verwaltung in Spelle und der Samtgemeinde hatten in den vergangenen Jahren immer wieder die Chancen hervorgehoben, die mit dem Ausbau des Hafens verbunden sind. Die stetig wachsenden Umschlagszahlen bestätigen dies. Die Impulse, die vom Hafen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung ausgehen, wirken sich auch auf die Arbeitslosenquote in der Samtgemeinde positiv aus. Wie Verwaltungschef Hummeldorf erklärte, hat diese mit aktuell 1,5 Prozent in Spelle, Lünne und Schapen einen historischen Tiefststand erreicht.

Auch dank solcher expandierender Unternehmen im Hafen wie Herbers. In einer Mitteilung kündigte Geschäftsführer Kotte den Neubau einer 600 Quadratmeter großen Produktions- und Lagerhalle für Anfang nächsten Jahres an.

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Der Hafen in Spelle-Venhaus

Die Erweiterung des Hafens in Spelle-Venhaus ist das zentrale Infrastrukturprojekt der Samtgemeinde Spelle. Der Güterumschlag ist kontinuierlich gestiegen: Von 2005 bis 2009 lag er bei rund 350000 Tonnen. 2010 wurden erstmals über 400000 Tonnen umgeschlagen, und 2013 war die Marke von 500000 Tonnen geknackt. Für 2015 wird der Rekordumschlag per Schiff von 650 000 Tonnen erwartet. Für 2016 wird erstmalig mit einem Bahnumschlag von 150000 Tonnen gerechnet – Tendenz steigend. Bislang sind beim Ausbau des Hafens Baukosten in Höhe von 21,4 Millionen Euro entstanden. Davon trugen der Landkreis und das Land über EU-Mittel jeweils 6,5 Millionen Euro und Spelle 5 Millionen. Die übrigen Mittel flossen aus der Hafen GmbH. Der Ausbau erfolgte in drei Abschnitten. Der erste umfasste im Wesentlichen Fäll- und Rodungsarbeiten zur Erstellung der Erschließungsstraßen und umfangreiche Ersatz- und Artenschutzmaßnahmen. Im zweiten Bauabschnitt wurden die 720 Meter langen Kaianlagen des Parallelhafens und eine 50 Meter breite Umschlagsfläche angelegt. Der dritte Bauabschnitt umfasste in diesem Jahr die Herstellung der 4,2 Kilometer langen Gleisanbindung an das Schienennetz der Strecke Rheine– Spelle. Die Fertigstellung im Sommer 2015 bedeutete zugleich die Herstellung der sogenanntenTrimodalität: Anbindung des Hafens Spelle-Venhaus an das Wasser-, Straßen- und Schienennet

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