Fünf Millionen Fördergelder Samtgemeinde Spelle wird Teil eines Forschungsprojektes

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Den Daumen hoch für das Forschungsprojekt „Dorfgemeinschaft 2.0“ halten (hinten v. l.) CDU-MdB Albert Stegemann, Bernhard Hummeldorf (Samtgemeindebürgermeister Spelle) und (vorne v. l.) Projektleiter Thomas Nerlinger sowie Gerd Schierenbeck und Herbert Schweer von der Initiative „50 plus“. Foto: Wilfried RoggendorfDen Daumen hoch für das Forschungsprojekt „Dorfgemeinschaft 2.0“ halten (hinten v. l.) CDU-MdB Albert Stegemann, Bernhard Hummeldorf (Samtgemeindebürgermeister Spelle) und (vorne v. l.) Projektleiter Thomas Nerlinger sowie Gerd Schierenbeck und Herbert Schweer von der Initiative „50 plus“. Foto: Wilfried Roggendorf

Spelle. Das Leben im Alter leichter machen, möglichst lange in der gewohnten Umgebung leben zu können und die Sozialsysteme angesichts des demografischen Wandels entlasten – dies sind die Ziele des Forschungsprojektes „Dorfgemeinschaft 2.0“. Die Samtgemeinde Spelle ist eine von vier Kommunen, die in dieses vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit fünf Millionen Euro geförderte Projekt eingebunden ist.

Bei dem Projekt geht es darum, durch den Einsatz von Technik den Alltag älterer Menschen zu erleichtern. Dies erläuterte im Gespräch mit unserer Redaktion Projektleiter Thomas Nerlinger, Geschäftsführer der Gesundheitsregion Euregio. „Der Mensch muss mit der Technik zurechtkommen können“, so Nerlinger. Dabei solle das am 1. November startende und auf fünf Jahre ausgelegte Projekt die traditionellen Werte des ländlichen Raumes mit den Potenzialen der technischen Entwicklung zusammenbringen.

Welche Fragestellungen dies konkret bedeuten könnte, erläutert der Speller Samtgemeindebürgermeister Bernhard Hummeldorf: „Müssen wir barrierefreie Straßen bauen? Wie kann ich wo einkaufen? Brauchen wir einen Bürgerbus? Wie geht es mit der Pflege weiter?“

Viele dieser Fragen ließen sich konkret auch mithilfe von Technik beantworten, meint der Bundestagsabgeordnete Albert Stegemann (CDU): „Es gibt schon den Kühlschrank, der Waren selbst nachbestellt.“ Aber auch die Einführung mobiler Arztpraxen könne das Leben im Alter erleichtern. „Wie kann Technik dazu beitragen, das nicht viele Menschen in Pflegeheime müssen und verhindern, dass wir unsere Sozialsysteme überfordern?“ Dass dies längst nicht alle Themen sind, die betrachtet werden können, ist dem Bundestagsabgeordneten bewusst. „Hier entsteht eine Ideenwerkstatt, der man kreativen Freiraum lassen muss“, stellt Stegemann klar, dass es sich bei der „Dorfgemeinschaft 2.0“ um ein ergebnisoffenes Forschungsprojekt handele.

Die Ideen richtig zu verkaufen, die Menschen, vor allem die älteren, in das Forschungsprojekt einzubinden, sieht Gerd Schierenbeck als Herausforderung an. Der in Spelle wohnende Vorsitzende des Landesverbandes Niedersachsen der „Initiative 50 plus“ hofft auf rege Beteiligung. „In 25 Jahren werden unsere Sozialsysteme an ihre Grenzen stoßen. Das Projekt bietet die Chance, hier Lösungsmodelle zu schaffen.“

Darin ist er sich mit Herbert Schweer, der die „Initative 50 plus“ in Spelle koordiniert, einig. „Viele registrieren, dass es den demografischen Wandel gibt, aber nehmen den nicht richtig ernst.“ Aber was werde, wenn man seinen Alltag nicht mehr bewältigen könne? „Mit dieser Frage beschäftigen sich die wenigsten.“

Oder sie beschäftigen sich zu spät damit, wie Hummeldorf aus Erfahrung weiß: „Ich erlebe täglich, dass die Leute dann mit ihren Problemen kommen.“ In dem Forschungsprojekt sieht der Speller Samtgemeindebürgermeister dann auch Potenzial für seine Samtgemeinde: „25 Prozent der Einwohner sind unter 18 Jahre. Noch haben wir die Chance, uns auf den demografischen Wandel einzustellen.“

Hummeldorf denkt darüber nach, die „Leader-Region Südliches Emsland“ in die „Dorfgemeinschaft 2.0“ einzubinden. „Ich habe das Projekt dort ansatzweise vorgestellt und bin gespannt, ob es ausgedehnt wird.“ Neben der Samtgemeinde Spelle sind bislang aus der Grafschaft Bentheim die Stadt Neuenhaus und die Gemeinden Ohne und Brandlecht als sogenannte Satellitenstützpunkte an dem Forschungsprojekt beteiligt.

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Universität und der Hochschule Osnabrück. Vom Campus Lingen sind daran der Betriebswirtschaftler Prof. Ingmar Ickerott und die Pflegewissenschaftlerin Prof. Stefanie Seeling beteiligt.

Zum offiziellen Start Ende November/Anfang Dezember plant Projektleiter Nerlinger eine sogenannte „Kick-off“-Veranstaltung – und stößt damit zumindest sprachlich auf Widerspruch von Herbert Schweer: „Muss denn immer alles auf Englisch sein?“, fragt sich der Koordinator „50 plus“ der Samtgemeinde Spelle.


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