Vom Oberhof des Klosters Werden zum Töddendorf mit fünf Bauerschaften – Drei Vorträge Rückblicke auf 1125 Jahre Schapen

Von Carsten van Bevern

Erstmals erwähnt wird Schapen in einem Höfeverzeichnis aus dem Jahr 890.Foto: Richard HeskampErstmals erwähnt wird Schapen in einem Höfeverzeichnis aus dem Jahr 890.Foto: Richard Heskamp

Schapen. Zu einer kleinen Vortragsreihe über 1125 Jahre Ortsgeschichte laden die Gemeinde und der Heimatverein Schapen im August und September dieses Jahres ein. An wechselnden historischen Schauplätzen wird Museumsleiter Andreas Eiynck aus Lingen anhand historischer Bilder und Dokumente über unterschiedliche Aspekte und Abschnitte der Ortsgeschichte berichten.

Den Auftakt bildet am Mittwoch, 26. August, um 19.30 Uhr eine Veranstaltung unter dem Motto „Wie alles begann“ in der reformierten Kirche in Schapen. Dieses Gotteshaus mit seinen vielen historischen Spuren und Kunstwerken entstand im Mittelalter auf dem Gelände des Oberhofes Schapen. Dort sammelte der Abt des Klosters Werden an der Ruhr die Steuern und Abgaben von seinen vielen Bauernhöfen im Emsland ein. Im Archiv dieser ältesten Benediktinerabtei in Norddeutschland ist ein Höfeverzeichnis aus dem Jahre 890 erhalten, auf dem auch das Ortsjubiläum basiert. Der Referent erläutert die darin enthaltenen Orts- und Höfenamen und verfolgt die Geschichte der Werdener Bauernhöfe im Emsland bis in die Neuzeit.

Die der Reichsabtei Werden unterstehenden Bauern hatten als sogenannte „Abtfreie“ einen besonderen Rechtsstatus, den sie in vielen Prozessen behaupten konnten. Der Oberhof Schapen wurde bereits im Mittelalter in die Höfe Groteschulte und Neerschulte aufgeteilt. Auch über das Schicksal dieser beiden Höfe wird berichtet. Heute erinnert an den einstigen Oberhof Schapen vor allem noch die mittelalterliche Pfarrkirche. Sie dient seit dem 17. Jahrhundert als Gotteshaus der reformierten Kirchengemeinde und wird auch als Baudenkmal sorgsam gepflegt.

Am Donnerstag, 10. September, um 19.30 Uhr folgt unter dem Motto „Unser Feld ist die Welt“ auf dem Biohof Vaal in der Schapener Bauerschaft Borken ein Vortrag über die Schapener Tödden, die bekannten Wanderkaufleute aus der Grafschaft Lingen. Der Schauplatz der Veranstaltung ist dabei Teil des Programms, denn der heutige Biohof des Christophorus-Werkes war einst Sitz der angesehenen Kaufmannsfamilien Vaalmann und Vaal.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg entwickelte sich Schapen zu einem der führenden Wanderhändlerdörfer und stand bekannten Töddenorten wie Hopsten oder Mettingen an Bedeutung nicht nach. Der Vortrag schildert das Schicksal der wichtigsten Töddenfamilien in Schapen und ihrer Stammhäuser. Anhand von Familienchroniken und historischen Bildern wird der typische Lebensweg der Kaufleute und ihrer Familien geschildert, und auch das Ende dieser Form des Wanderhandels erläutert. Hier wird die Schapener Ortsgeschichte zu einem faszinierenden Kapitel europäischer Wirtschafts- und Sozialgeschichte.

Leben auf dem Bauernhof

Am Donnerstag, 24. September, um 19.30 Uhr bildet der Hof Wintering, Zur Handelsschule 17, den idealen Schauplatz für den dritten Vortrag über die „Bauern und Bauernhöfe“ in Schapen. Ausgehend von der „Beschrivinge“ der Grafschaft Lingen von 1555 verfolgt Eiynck das Schicksal der alteingesessenen Schapener Bauernfamilien und ihrer Höfe in den Bauerschaften Bramhof, Kirchhof, Borken und Veerkamp. Alte Bauernhausgiebel, aber auch rätselhafte Inschriften in Balken und an Herdwänden künden von der wechselhaften Geschichte uralter Bauerngeschlechter. Der Referent erläutert dabei die Lebensumstände im Zeitalter der Grundherrschaft sowie die Unterschiede zwischen Vollerben und Köttern, Brinksitzern und Neubauern. Auch das Alltagsleben auf den Bauernhöfen und die Rolle der Heuerleute im alten Schapen kommen dabei nicht zu kurz.

Der Eintritt beträgt jeweils zwei Euro, ein Kombiticket für alle drei Vorträge kostet fünf Euro.