Kollegium und Eltern sehen Bedarf Grundschule in Spelle: Inhalte stimmen, der Rahmen nicht

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Spelle. „Die kenn ich noch“, meint Ulrich Rekers und schaut durch das Fenster auf die Fliesen der Schülertoilette an der Johannes-Grundschule in Spelle. Dort ist der 43-Jährige als Kind selbst zur Schule gegangen. Als Vater, dessen Töchter nun in die Schule gehen, wirkt er heute im Schulvorstand mit, ebenso wie Saskia Krone. Die Eltern loben die engagierte Arbeit dort und fordern gleichzeitig räumliche Veränderungen.

Die Johannes-Grundschule in Spelle ist die größte in der Samtgemeinde. Weitere Primarstufen gibt es in Venhaus, Lünne und Schapen. Am Rektor-Boyer-Weg gegenüber der Kirche besuchen zurzeit 345 Kinder die Schule. Leiterin seit 2006 ist Claudia Sülberg.

In diesen knapp zehn Jahren hat sie einen erheblichen Wandel an der Grundschule erlebt. „Als ich kam, wurden hier 437 Kinder unterrichtet, nun sind es fast 100 weniger“, beschreibt sie den demografischen Wandel. Geräumiger geworden ist es deshalb in der Grundschule, die zuletzt 1996 um vier Klassen erweitert worden war, aber nicht.

Seitdem die Grundschule als Ganztagsschule mit Nachmittagsangebot organisiert ist, wurden zwei Klassenräume in eine Mensa umgewandelt. Ein Mehrzweckraum mit flexiblen Wänden dient ebenfalls zwei Klassen für den Unterricht und fällt somit für andere schulische Zwecke aus. Einen Computerraum, der einer ganzen Klasse die Einführung in neue Programme ermöglicht, gibt es nicht. Fachunterricht wie Musik findet in einem Container auf dem Schulhof statt. Räume für den Ganztagsbereich fehlen. „Manche Kinder bleiben deshalb, vom Mittagessen abgesehen, von 8 bis 15.30 Uhr im Klassenraum“, erläutert Konrektorin Kerstin Heidker.

Schulleiterin Sülberg hat seit 2006 den Wandel in der Grundschule beobachtet und gemeinsam mit dem Kollegium aktiv gestaltet. Der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund sei gestiegen, auch von Kindern mit Eltern, die ebenfalls Unterstützung bräuchten. Seit 2013 sei die Johannes-Grundschule außerdem inklusive Schule. 23 Jungen und Mädchen mit unterschiedlichen Handicaps werden unterrichtet. „Da haben wir uns ganz gut eingefuchst, Inklusion ist möglich“, betont die Rektorin. Leicht sei dies allerdings nicht und erfordere ein engagiertes Kollegium.

Ein neues Konzept hat die Schule bei den Hausaufgaben entwickelt. Statt regulärer Hausaufgaben gibt es feste Übungszeiten von jeweils 20 Minuten von Montag bis Freitag zwischen der zweiten und dritten Stunde für die Erst- und Zweitklässler bzw. Dritt- und Viertklässler. Die Kinder bekommen einen Wochenplan. Was in den Übungszeiten erarbeitet wurde, müssen sie zu Hause vorzeigen. „Unser Modell ersetzt nicht das Üben zu Hause, zum Beispiel Lesen oder vor Klassenarbeiten“, erklärt Sülberg. Die Lehrkräfte hätten aber so einen viel besseren Überblick über den Leistungsstand der Kinder. „Außerdem haben wir Unterrichtszeit gewonnen, weil die ewigen Diskussionen über nicht gemachte oder falsch verstandene Hausaufgaben entfallen“, ergänzt Heidker.

Die Eltern seien anfangs etwas skeptisch gewesen, räumen Rekers und Krone ein. Diese Skepsis sei inzwischen verflogen. Auch andere Schulen hätten sich bereits in Spelle über dieses Modell informiert, sagt die Rektorin.

Wie sehr sich der Alltag in der Johannes-Grundschule im Laufe der Jahre geändert hat, macht Sülberg an weiteren Zahlen deutlich. 20 Lehrkräfte seien 2006 an der Schule gewesen. Inzwischen, nach Einführung der Ganztagsschule und der Inklusion, seien täglich bis zu 58 Fachkräfte hier: das Kollegium, Förderschullehrer des Mobilen Dienstes, Schulbegleiter von Kindern mit Handicaps, Ganztagskräfte, Helfer in der Mensa.

Alleingelassen wird in der Johannes-Grundschule übrigens niemand. Rekers berichtet von einem Jungen aus Rumänien, der vor zwei Jahren kam und kein Wort Deutsch sprach. Er verlasse die Schule mit einer Realschulempfehlung.


Der Schulausschuss der Samtgemeinde Spelle hat sich in seiner letzten Sitzung mit Investitions- und Sanierungsmaßnahmen an den Grundschulen in Trägerschaft der Samtgemeinde befasst. Dem Protokoll zufolge soll nun insbesondere die Johannes-Grundschule aufgrund der Schulgröße und der Anzahl der Schüler, die inklusiv unterrichtet werden, auf Erweiterungsmöglichkeiten geprüft werden. Damit sei das Architekturbüro B-Werk beauftragt worden, heißt es im Protokoll der Sitzung vom 21. Mai weiter. Die Beratung der Ergebnisse solle in einer der nächsten Sitzungen des Schulausschusses erfolgen. Was die Entwicklung der Schülerzahlen in der Samtgemeinde anbelangt, so wird davon ausgegangen, dass an der Johannes-Grundschule in Spelle der erste Jahrgang vierzügig wird. Derzeit liegen 80 Anmeldungen vor. Die St.-Vitus-Grundschule in Venhaus wird im ersten Jahrgang mit voraussichtlich 26 Schülern einzügig. Eine Teilung erfolgt bei 27. Dies ist in der Ludgerus-Schule in Schapen der Fall, wo es somit zwei erste Klassen gibt. Der erste Jahrgang der Ludwig-Schriever-Grundschule Lünne wird mit 18 Kindern einzügig.

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