Thema Pfarrgemeinderatswahl Familie aus Spelle lobt Familienrecht

Von Anne Bremenkamp

Für Familie Teders aus Spelle ist das Familienwahlrecht der Kirche auch ein deutliches Signal an die Politik, den Stellenwert der Familie in der Gesellschaft mehr zu beachten. Von links: Andreas, Simon, Malte und Petra Teders.Foto: Anne BremenkampFür Familie Teders aus Spelle ist das Familienwahlrecht der Kirche auch ein deutliches Signal an die Politik, den Stellenwert der Familie in der Gesellschaft mehr zu beachten. Von links: Andreas, Simon, Malte und Petra Teders.Foto: Anne Bremenkamp

Spelle. In Sachen Familienwahlrecht ist die Kirche fortschrittlicher als der Staat: Diese Auffassung vertreten Petra und Andreas Teders aus Spelle, die anlässlich der Pfarrgemeinderatswahl ihr Familienwahlrecht wahrnehmen werden. Anders als in der Politik können sie in ihrer katholischen Pfarrgemeinde St. Johannes erstmalig auch ihren Söhnen Malte und Simon eine Stimme zur Mitgestaltung geben.

Im Bistum Osnabrück ist das Familienwahlrecht im Jahr 2006 eingeführt worden. In dieser Wahlperiode macht zum ersten Mal auch die Pfarrgemeinde St. Johannes in Spelle davon Gebrauch, um den Belangen von Familien mehr Aufmerksamkeit zu schenken. So können Eltern stellvertretend für ihre unter 16 Jahre alten Kinder das Wahlrecht für den Pfarrgemeinderat wahrnehmen. Für die Wahl des Kirchenvorstands ist dies nicht möglich, weil der Staat hier ein Mitspracherecht hat und dem Familienwahlrecht auf allen politischen Ebenen ablehnend gegenübersteht.

„Wir versprechen uns vom Familienwahlrecht, dass die Interessen von Kindern und Jugendlichen in den Kirchengemeinden stärker berücksichtigt werden. Gleichzeitig ist das Familienwahlrecht ein Ausdruck der Wertschätzung gegenüber den Familien“, sagt Andreas Teders. Bei der Pfarrgemeinderatswahl wird der 45-jährige Maschinenbauingenieur eine zusätzliche halbe Stimme für jeden der beiden Söhne abgeben.

Deutliches Signal

Auch seine zwei Jahre jüngere Frau Petra, die als Bauingenieurin tätig ist, wird für Malte und Simon ein Kreuz auf dem Wahlzettel machen. Das Ehepaar findet, dass die Kirche mit dem Familienwahlrecht ein deutliches Signal an die Politik sendet, den Stellenwert der Familie in der Gesellschaft mehr zu beachten.

Die Familie Teders ist eng mit ihrer Kirchengemeinde verbunden. Der neunjährige Simon ist in der Messdienervorbereitung und stolz darauf, in der Weihnachtsmesse das erste Mal als Kerzenträger den Flambo halten zu dürfen. Sein 12-jähriger Bruder Malte besucht mit viel Freude die Bernadette-Gruppe in der Arche, eine integrative Spielgruppe, in der sich Kinder mit und ohne Behinderungen begegnen. Petra Teders ist in der KFD Spelle aktiv, ihr Mann engagiert sich in der Taufkatechese und gehört zu den Piepkuchen-Bäckern, die ihre Neujahrskuchen in diesem Jahr zugunsten des Hospizes in Thuine verkaufen werden. Alle vier Teders genießen zudem in einem vom Pfarrgemeinderat initiierten Familienkreis die lebendige Gemeinschaft mit Gleichgesinnten.

In Vorbereitung auf die Pfarrgemeinderatswahl hat sich die Familie Teders gemeinsam die Wahlliste angeschaut und über mögliche Wunschkandidaten gesprochen. „Das ist quasi Demokratie für Anfänger“, lacht Petra Teders, und ihr Sohn Simon freut sich, dass er vier der elf zur Wahl stehenden Anwärter sogar persönlich kennt. Die jüngsten Kandidaten auf der Liste sind 31 Jahre alt. Andreas Teders würde sich wünschen, dass es in Zukunft gelingt, auch die Jugend mehr für die Mitgestaltung in einem kirchlichen Leitungsgremium zu begeistern. „Junge Leute haben einfach noch einmal eine andere Sicht auf die Dinge“, so der Familienvater, der zudem hofft, dass sich die Einführung des Familienwahlrechts in seiner Gemeinde bis zum Wahltag noch weiter herumspricht. „Wir sind gespannt auf die Resonanz“, setzen Petra und Andreas Teders darauf, dass ganz viele Speller Familien zur Pfarrgemeinderatswahl aufkreuzen, um anzukreuzen.