Für die Sicherheit der Kinder Bürger in Lünne fordern „rote Streifen“

Unverständlich ist für viele Lünner Bürger die Maßnahme des Straßenbauamtes, das die roten „Sicherheitsstreifen“ in Lünne an der B70 wegfräsen ließ. Gerade für die Kinder sei es jetzt erheblich gefährlicher, die Straßen zu queren. Foto: Burkhard MüllerUnverständlich ist für viele Lünner Bürger die Maßnahme des Straßenbauamtes, das die roten „Sicherheitsstreifen“ in Lünne an der B70 wegfräsen ließ. Gerade für die Kinder sei es jetzt erheblich gefährlicher, die Straßen zu queren. Foto: Burkhard Müller

Lünne. Viele Eltern, Kinder und auch ein Großvater haben sich Mitte der Woche in Lünne vor der Volksbank getroffen, um ihrem Unmut Luft zu machen. Grund für ihre Protestaktion an diesem frostigen Vormittag ist für sie eine Maßnahme des Straßenbauamtes in Lingen. Die Behörde hat veranlasst, die erst eben aufgebrachten Rotmarkierungen an den Radwegefurten entlang der B70 in Lünne abzufräsen.

„Wir bedauern diese Maßnahme sehr, es fühlt sich für uns an wie ein Schildbürgerstreich“, erklärt Markus Roling seitens der Eltern.

Nachdem bereits im Jahr 2012 erste Rotmarkierungen an der B70 Höhe Heinrich-Schulte-Straße und der Beestener Straße/Brückenstraße seitens der Samtgemeinde aufgebracht worden waren, wurden im August 2013 aufgrund der überaus positiven Resonanz aus der Bevölkerung drei weitere Radwegefurten rot markiert. Dabei handelte es sich um die Ludwig-Schriever-Straße, die Vorbrückenstraße und die Straße Auf der Brinkwehr – allesamt entlang der B70.

„Die roten Streifen haben auf die Autofahrer, die von der Bundesstraße abbiegen wollten, wie ein Stoppschild gewirkt“, erklärt Christine Heskamp das Engagement der Samtgemeinde, hier tätig geworden zu sein. „Und das war auch gut so, weil viele Kinder diese Wege gehen und mit dem roten Streifen ein Mehr an Sicherheit hatten. Jetzt fehlt etwas, absolut“, erbost sich Christine Heskamp über die augenblickliche Situation. Wie alle anwesenden Eltern fordert auch sie: „Die roten Streifen müssen wieder aufgetragen werden.“

Dem kann auch Hans Joachim Räder, 67-jähriger Verkehrshelfer, nur zustimmen: „Ich begleite morgens meine Enkel zu Kindergarten und Schule und bedauere es daher sehr, dass diese der Sicherheit dienenden Streifen einfach entfernt wurden.“ Sie seien eine „Hemmschwelle“ für die von der B70 abbiegenden Autofahrer gewesen, eine Bundesstraße, die sowieso für Kinder schon sehr gefährlich sei.

Die gleiche Meinung vertritt auch Samtgemeindebürgermeister Bernhard Hummeldorf, unter dessen Federführung die roten Sicherheitsstreifen in den Jahren 2012 und 2013 aufgetragen wurden.

„Eine Markierung der Radwegfurten in roter Signalfarbe ist meiner Meinung nach grundsätzlich eine wirksame Möglichkeit, alle Verkehrsteilnehmer vor einer besonderen Gefahrenstelle zu sensibilisieren und zu warnen. Gerade in räumlicher Nähe zu Kindergärten oder Schulen muss der Schutz von schwächeren Verkehrsteilnehmern wie Kindern, Personen mit Kinderwagen, Senioren mit Rollator an erster Stelle stehen“, erklärte Hummeldorf auf Nachfrage.

Trotz vieler intensiver Gespräche mit der Polizei, dem Landkreis und dem Straßenbauamt sei im Dezember 2013 endgültig angeordnet worden, die Rotfärbung zu entfernen. Begründet wurde das, dass eine Rotfärbung „nur“ an verkehrlich besonders gefährlichen Stellen und Unfallschwerpunkten eingesetzt werden sollte.


Als nicht genehmigt und damit rückgängig zu machen wertet der Landkreis Emsland das Vorgehen der Samtgemeinde (SG) Spelle, Gefahrenpunkte aus Sicht der Gemeinde rot zu markieren. In der Stellungnahme heißt es: „Viele Eltern, Kinder und ein Großvater fordern in Lünne „rote Streifen“ an der B70. Sie sollen die Sicherheit ihrer Kinder auf dem Schulweg erhöhen. „Wie Herr Bürgermeister Hummeldorf richtigerweise in seiner Stellungnahme darstellt, sind für die Genehmigung von roten Markierungen auf der Bundesstraße 70 nicht die Gemeinde Lünne oder die SG Spelle rechtlich zuständig. Straßenbaulastträger und damit verantwortlich für die Bundesstraße ist die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Diese hatte in Abstimmung mit der Verkehrskommission, der Vertreter des Landkreises Emsland, Polizei und die jeweils betroffenen Baulastträger klassifizierter Straßen angehören, die Markierung nicht genehmigt. Begründet wurde dies damit, dass es keine besondere Indikation gibt, diese Stellen rot zu markieren. Grundsätzlich sollte die Rotfärbung nicht inflationär eingesetzt werden, um ihre Signalwirkung unbedingt zu erhalten. Nur Stellen, die beispielsweise eine Unfallhäufigkeit aufweisen, sollten farblich markiert werden, sodass eine mögliche Gefährdung von Verkehrsteilnehmern ausgeschlossen werden kann. An den von der Gemeinde markierten Stellen sind in den vergangenen Jahren jedoch keine Verkehrsunfälle aufgenommen worden. Da die Radwegefurten an der Bundesstraße ohne Genehmigung der Eigentümerin der Fläche, der Niedersächsischen Landesbehörde, rot markiert wurden, hat die Landesbehörde die SG Ende 2013 aufgefordert, [...] die roten Markierungen zu entfernen.“

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