zuletzt aktualisiert vor

Mit Leidenschaft Politik gestaltet

Meine Nachrichten

Um das Thema Spelle Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Im Kamin gehen die Holzscheite in Flammen auf. Das Feuer verbreitet eine wohlige Wärme im Wohnzimmer von Josef Löcken. Die Funken tanzen durcheinander. Wenn der 69-jährige Speller Bauunternehmer von der Kommunalpolitik erzählt, ist es nicht anders. Dann sprüht der Bürgermeister a. D. vor Begeisterung.

So richtig Abschied genommen vom Rathaus an der Hauptstraße, wo er seit 1991 als Bürgermeister und stellvertretender Samtgemeindebürgermeister tätig war, hat Josef Löcken noch nicht. Als sich der Samtgemeinderat zu seiner konstituierenden Sitzung nach den Kommunalwahlen traf, war er als Zuschauer dabei. "Bei Abstimmungen hätte ich beinahe mit die Hand gehoben", lacht der Bauunternehmer.

Die Stellung des ehrenamtlichen Bürgermeisters ist in einer Samtgemeinde stärker als in Einheitsgemeinden. So war Löcken als Speller Bürgermeister gleichzeitig Gemeindedirektor, der jeden Grundstücksvertrag bei Notarsterminen unterzeichnete. In solchen Verhandlungen war der Venhauser deshalb immer mit dabei, was Löcken aber weniger als Last, sondern vielmehr als Lust empfand. "Das mochte ich wohl auch gern tun", blickt er auf viele Gespräche zurück, vor allem mit Landwirten, wenn es um Flächenkauf und Tauschflächen zur Erweiterung von Wohn- und Gewerbegebieten ging.

Dabei bildete Löcken 13 Jahre lang mit Samtgemeindedirektor Werner Thele und seit 2005 mit dem ersten hauptamtlichen Samtgemeindebürgermeister Bernhard Hummeldorf jeweils ein gut funktionierendes Tandem. "Es hat mir immer Spaß gemacht, Spelle und die Samtgemeinde mitzugestalten", erzählt Löcken.

Der Spagat - mit einem Bein im stetig wachsenden Betrieb und mit dem anderen im Rathaus - gelang Löcken durch die Unterstützung seiner Familie. Seine Frau Elisabeth hielt ihm zu Hause den Rücken frei, und sein Bruder Clemens engagierte sich im Unternehmen.

Frühzeitig stellte Löcken auch die Weichen für die betriebliche Nachfolge, indem er den beiden Söhnen die Geschäftsführung für die Firmenbereiche Bau, Baustoffhandel und Baumarkt übertrug.

Loslassen können nicht nur im Beruf, sondern auch in der Politik: Der CDU-Politiker bestimmte selbst den Zeitpunkt seines Ausscheidens aus dem Bürgermeisteramt. Ein optimaler Zeitpunkt, denn Löcken konnte sich einen besseren Abgang von der politischen Bühne kaum wünschen.

Dass die Umgehungsstraße trotz heftigen juristischen Tauziehens in diesem Frühjahr für den Verkehr freigegeben werden konnte, ist zu einem Großteil sein Verdienst. Er führte die entscheidenden Verhandlungen. Und erst wenige Wochen ist es her, als es Löcken gelang, drei Nebenerwerbslandwirte vom Verkauf ihrer Areale zu überzeugen, um der Landmaschinenfabrik Krone Optionen für betriebliche Erweiterungen zu eröffnen. Mit einer solchen Erfolgsbilanz lässt sich trefflich "tschüss" sagen.

Erfolge rufen aber immer auch Neider auf den Plan. Ein Bauunternehmer als Bürgermeister: Da wird es in Spelle sicher auch Stimmen gegeben haben, die Löcken hinter vorgehaltener Hand Interessenpolitik in eigener Sache unterstellten. "Ich habe meinen Beruf und dieses Ehrenamt immer fein voneinander getrennt", betont der 69-Jährige. Den Bau des neuen Rathauses hätte er mit seiner Firma gerne realisiert, doch das Unternehmen war unter den Anbietern mit seinem Angebot nur zweiter Sieger. Das Gleiche galt für den Neubau des Feuerwehrgerätehauses. Zum Zuge kam die Firma Löcken aber aufgrund ihres preisgünstigsten Angebotes bei der Errichtung des Textilhauses Kleine auf dem Markelo-Platz, was den Seniorchef sicher gefreut hat. "Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie auf der Wiese dort früher die Schweine herumliefen", beschreibt Löcken den innerörtlichen Wandel in Spelle von der reinen Bauernschaft hin zur attraktiven Wohn- und Industriegemeinde.

Die Holzscheite im Kamin sind fast niedergebrannt. Elisabeth Löcken legt nach, und schon prasselt wieder ein munteres Feuerchen in Löckens guter Stube. Der Terminkalender des Venhausers ist nun - ohne politische Ämter- viel übersichtlicher geworden. Sein ehrenamtliches Engagement ist aber noch lange nicht zu Ende. Ein Beispiel ist Löckens Einsatz als Vorsitzender des Vereins "Freunde und Förderer St.-Johannes-Stift Spelle".

Für sein liebstes Hobby, die Jagd, hat der Bürgermeister a. D. nun auch mehr Zeit. Dass er nur noch auf dem Hochsitz nach dem Rechten bzw. Wild Ausschau hält, ist aber unwahrscheinlich. "Bis jetzt durfte ich immer mit den Enkeln Fußball spielen; jetzt ist Opa dran", schmunzelt Elisabeth Löcken.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN