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Früherer OS-Leiter im Ruhestand Willi Brundiers aus Schapen: Fast 40 Jahre Dienst im Klassenzimmer

Von Thomas Pertz

Willi Brundiers, früherer Orientierungsstufenleiter am Schulzentrum in Spelle, wurde am Donnerstag in den Ruhestand verabschiedet. Foto: Thomas PertzWilli Brundiers, früherer Orientierungsstufenleiter am Schulzentrum in Spelle, wurde am Donnerstag in den Ruhestand verabschiedet. Foto: Thomas Pertz

pe Schapen. Lehrer müssen länger in die Schule gehen als Schüler, das liegt in der Natur der Sache. Nicht alle tun es im Laufe der vielen Jahre noch gerne, fühlen sich ausgebrannt, erledigt. Willi Brundiers lächelt, und das nach fast 40 Jahren Dienst im Klassenzimmer. „Man muss Freude an seinem Beruf haben, die hatte ich“, sagt der 64-Jährige, der fast 30 Jahre lang Leiter der Orientierungsstufe am Schulzentrum in Spelle gewesen war.

Dort ist der Lehrer für Mathematik, Geschichte, Erdkunde, Religion und Deutsch am Donnerstag im Kreise seiner ehemaligen Kollegen von Schuldezernentin Maria Duisen offiziell in den Ruhestand verabschiedet worden. Auch Vertreter aus seiner alten Klasse, die er 1971 in Spelle übernommen hatte, waren dabei. „Wir haben noch heute Kontakt und treffen uns regelmäßig“, erzählt der Schapener. Das sagt ein wenig über den Lehrertyp aus, den Brundiers verkörpert hat: Hart, aber fair, am Schüler interessiert, aber kein Kumpel von ihnen, Grenzen setzend, aber innerhalb der Grenzen jemand, der ein offenes Ohr hatte.

Die erste Lehrerstation des Pädagogen, der gebürtig aus Friesoythe kommt, war gleichzeitig auch seine letzte. 1971 kam der verheiratete Vater von inzwischen vier erwachsenen Kindern zum Schulzentrum nach Spelle und blieb dort bis zum Schluss. 1975 wurde dort die Orientierungsstufe eingerichtet. Bis zu ihrer Abschaffung im Jahr 2004 blieb Brundiers deren Leiter. Ein wenig schmunzeln muss er deshalb, wenn er die Abschaffung der OS mit der aktuellen Einführung der Oberschule in Niedersachsen in Beziehung setzt. Viele Elemente der OS, wie zum Beispiel das Prinzip des längeren gemeinsamen Lernens bei gleichzeitiger Leistungsdifferenzierung, tauchten nun wieder auf.

Zwölf Kultusminister

Insgesamt zwölf Kultusminister hat der Schapener in seinen fast 40 Berufsjahren erlebt – manchmal auch erlitten, denn Schule war und ist ein beliebtes politisches Experimentierfeld der Landesregierung, egal, welche politische Farbe gerade regiert.

Seine berufliche Entscheidung hat Brundiers gleichwohl nie bereut. „Ich würde heute wieder so entscheiden“, zieht er rückblickend Bilanz.

Letzte Woche, als der Pä-dagoge an einem Nachmittag in der Schule war, um die gestrige Abschiedsfeier zu besprechen, tauchte ein junger Mann auf, der ihm bekannt vorkam. „Er studiert Englisch, macht ein Praktikum bei uns; ich hatte ihn früher in der Orientierungsstufe“, freut sich der Schapener über den Werdegang seines ehemaligen Schülers. Die Worte ‚bei uns‘ kommen ihm dabei ganz automatisch über die Lippen. So richtig gegangen ist Willi Brundiers noch nicht und zitiert Wilhelm Busch: „Ein jeder Abschied ist schwer, auch wenn man sich lange darauf freut.“