"Dankbarkeit ist der größte Lohn" Speller Peter Reinhard hilft Schwerhörigen in Moldawien

Peter Reinhard aus Spelle hat mit gespendeten Hörgeräten in Moldawien hörgeschädigte Menschen versorgt. Foto: ReinhardPeter Reinhard aus Spelle hat mit gespendeten Hörgeräten in Moldawien hörgeschädigte Menschen versorgt. Foto: Reinhard

Spelle. Der Hörakustikmeister Peter Reinhard ist von Spelle nach Moldawien gereist. Vor Ort hat er mit seiner Arbeit dafür gesorgt, dass 80 Menschen wieder besser hören können.

Andrei hat schon viel erlebt in den fast 50 Jahren seines Lebens. Der Mann aus Moldawien ist alleinerziehender Vater. Zum Termin in der Klinik erscheint er in Begleitung seiner ältesten Tochter. Die 19-Jährige hilft ihm im Alltag – denn Andrei ist auf beiden Ohren so gut wie taub. Gesprächen kann er nicht folgen, Geräusche hört er nur, wenn sie sehr laut sind. Das zu ändern, hat sich Peter Reinhard (49) zur Aufgabe gemacht. 

Der Hörakustikmeister ist im Juli nach Moldawien gereist, um schwerhörigen Menschen wieder das Hören zu ermöglichen. Sein Arbeitgeber, das im Emstorhaus an der Osnabrücker Straße in Rheine ansässige Unternehmen auric Hörsysteme, hat ihn für die Zeit seines Hilfseinsatzes freigestellt. Insgesamt 80 hochwertige Hörgeräte hatte Peter Reinhard im Gepäck.

Ganz andere Welt

Nur zwei Stunden und 15 Minuten hat der Flug von Dortmund nach Chişinău gedauert. Gelandet ist Peter Reinhard, wie er sagt, „in einer ganz anderen Welt“. Es war sein erster Besuch in der Hauptstadt von Moldawien. „Interessiert hatte mich das Land aber schon lange.“

Zwei Bekannte von Peter Reinhard stammen aus Moldawien. Sie haben ihre Heimat verlassen, arbeiten in Deutschland, und sie überweisen regelmäßig Geld an ihre Familien in Osteuropa. Reinhard hörte ihre Geschichten und wollte mehr wissen. Also recherchierte er im Internet. Er las, dass Moldawien einer der ärmsten Staaten Europas ist. Kurz darauf stieß er im Netz auf die „Tageskliniken Emanuel“. Die christlich orientierten Einrichtungen in Schweizer Trägerschaft kümmern sich um die medizinische Versorgung von Menschen in Not, die sich keinen Arztbesuch leisten können. Kurz darauf stieß Peter Reinhard auf die Internetseite des Hörzentrums „AcustMed“. „Dann habe ich bei beiden Stellen angefragt, ob Interesse an einem gemeinsamen sozialen Projekt besteht“, sagt Peter Reinhard.

80 Hörgeräte gespendet

Es bestand Interesse. Und es war groß. Also holte Peter Reinhard seinen Arbeitgeber mit an Bord. Das Unternehmen auric ist bundesweit an mehr als 80 Standorten mit Hörcentern vertreten und spendete einen Großteil der Hörgeräte. Auch der angesprochene Hersteller Signia, ehemals Siemens, stiftete spontan noch einige Geräte dazu. „Die Spenden waren ausgesprochen gut“, sagt Peter Reinhard. 80 Hörgeräte kamen für den guten Zweck zusammen. Überwiegend waren es fabrikneue Geräte, teils waren sie gebraucht. Diese wurden komplett aufbereitet, neu verpackt und mit aktueller Software versehen.

Mittellose Bewohner versorgt

Fünf Tage verbrachte Peter Reinhard schließlich in Moldawien. Zeit für Sightseeing war jedoch nicht. Die Arbeit stand im Vordergrund. Die „Tageskliniken Emanuel“ hatten vorab Patienten ausgewählt, die für eine Hörgeräteversorgung infrage kommen. Das Hörzentrum „AcustMed“ stellte die technische Infrastruktur zur Verfügung. „Wir hatten lange Tage“, sagt Reinhard. „Das Ziel war, dass möglichst viele Menschen wieder am Alltag teilnehmen können.“ Während er sich um die Anpassung und Programmierung der Hörgeräte kümmerte, informierten andere Helfer die Patienten über Bedienung, Pflege und Wartung der Geräte.

Mit Hörgeräten versorgt wurden unter anderem Bewohner eines Behindertenheims, einer Altenwohnstätte und mittellose Menschen aus Chişinău und Umgebung. Und natürlich Andrei, der alleinerziehende Familienvater, dessen Hörverlust besonders schlimm war.

Als Reinhard das Hörgerät in Andreis Ohr aktiviert hatte, wurde dieser zunächst ganz still. Dann liefen dicke Tränen seine Wangen herab. Endlich konnte er wieder hören! „Ein gestandener Mann, der vor Glück weint – das war ein sehr bewegender Moment“, sagt Peter Reinhard. „Die große Dankbarkeit der Menschen war für mich der größte Lohn für all die Mühen im Vorfeld.“

Fortsetzung angedacht

Bereits jetzt überlegt Peter Reinhard, in der Zukunft erneut eine Hilfsaktion in Moldawien durchzuführen: „Es wäre beispielsweise denkbar, die Aktion alle ein, zwei Jahre zu wiederholen.“


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