Interview mit Geschäftsführung 100 Jahre Rekers: Gute Perspektiven für Standorte des Betonwerkes

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Christof und Ulrich Rekers (von links), Geschäftsführer des Betonwerkes in Spelle. Foto: Betonwerk RekersChristof und Ulrich Rekers (von links), Geschäftsführer des Betonwerkes in Spelle. Foto: Betonwerk Rekers

Spelle. Gute Perspektiven für die Standorte des Speller Betonwerkes Rekers, das an diesem Donnerstag seinen 100. Geburtstag feiert, sehen die beiden Geschäftsführer Christof und Ulrich Rekers. Im Interview mit unserer Redaktion schließen sie auch eine weitere Expansion nicht aus.

Christof und Ulrich Rekers, Sie leiten das Betonwerk Rekers nunmehr in der dritten Generation. Was waren für Sie in der 100-jährigen Unternehmensgeschichte rückblickend die wichtigsten Meilensteine?

Ulrich Rekers: Einer ist sicherlich die Gründung selbst im Jahr 1919, unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg. Das war eine Phase, wo man weniger ans Bauen dachte und die Existenzsicherung viel stärker im Vordergrund stand. Es gab große Not, die "spanische Grippe" forderte Opfer. Für unseren Großvater Gerhard Rekers war es damals bestimmt nicht leicht, mit dem Baubetrieb zu starten.

Um das Jahr 1927 entstand dieses Foto der Belegschaft und der Familie Rekers. Auf dem Foto ist Gründer Gerhard Rekers zu sehen. Archiv: Rekers

Christof Rekers: Ein weiterer Meilenstein war rückblickend betrachtet sicherlich die Übernahme der Unternehmensführung durch unseren Vater Hubert Rekers, wobei die Umstände damals alles andere als geplant waren. Sein Bruder Anton, der Älteste in der Familie, der die Nachfolge im Unternehmen antreten sollte, starb 1960. Unser Vater war damals noch Maschinenbaustudent in Hannover. Er beendete das Studium mit 24 und übernahm die Firma. Wenn man bedenkt, dass er damit gleichzeitig auch faktisch die Verantwortung für die Familie seines verstorbenen Bruders übernahm, war das auch rein menschlich gesehen eine beeindruckende Leistung. Die Grundlage für die überaus dynamische Entwicklung des Familienunternehmens hat unser Vater gelegt.

Zum Betonwerk Rekers

Zahlen und Fakten:
Geschäftsbereiche: Konstruktive Betonfertigteile/Tübbinge, Betonfertiggaragen, Winkelstützwände und Sonderbauteile, Betonwaren für den Straßen-, Garten- und Landschaftsbau, Transportbeton.

Werke: Spelle, Gelsenkirchen, Groß Ammensleben bei Magdeburg, Ochenbruck in Bayern und Olszowa in Polen. Hinzu kommt eine Vertriebsgesellschaft in den Niederlanden.
Betriebsleistung:
Geschäftsjahr 2014: 112 Millionen Euro, 2015: 120 Millionen Euro, 2016: 131 Millionen Euro, 2017: 144 Millionen Euro.
Hergestellte Betonmengen:
2014: circa 240.000 Kubikmeter, 2015: ca. 250.000 Kubikmeter, 2016: ca. 280.000 Kubikmeter, 2017: ca. 300.000 Kubikmeter.
Personal (Angestellte im kaufmännischen und technischen Bereich, Meister, Gewerbliche und Auszubildende:
Jahr 2014: 712 Beschäftigte, 2015: 711, 2016: 703, 2017: 709, 2018: rund 750.

Welche Bedeutung messen Sie dem Standortwechsel von der Ortsmitte, wo der Betrieb seinen Ursprung hatte, an die Portlandstraße bei?

Ulrich Rekers: Auch diese Entscheidung gehört sicherlich zu den Meilensteinen der Entwicklung unseres Familienunternehmens. Unser Vater hatte vorhergesehen, dass die Fläche im Ortskern langfristig nicht ausreichen wird. Und er hat wohl auch erkannt, dass die Bedeutung des Transportweges auf der Schiene für unser Unternehmen zunehmen wird. Da bot sich eine räumliche Nähe zur Bahn geradezu an.

Christof Rekers: Profitiert hat von dieser Entscheidung aber nicht nur das Betonwerk selbst, sondern auch die Gemeinde Spelle, wie heute an der geschäftlichen Entwicklung an der Hauptstraße gut zu erkennen ist. Zu den weiteren Meilensteinen in den Folgejahren zählen sicherlich auch der Bau der Werke in Groß Ammensleben bei Magdeburg 1990 und 2017 im polnischen Olszowa.


Als junger Maschinenbauingenieur übernahm Hubert Rekers Anfang der 60er Jahre nach dem plötzlichen Tod seines Bruders Anton die Unternehmensleitung. Foto: Archiv Rekers


Das Betonwerk Rekers hat in der Vergangenheit stets eine gute Nase für sich verändernde Märkte und Herausforderungen bewiesen. Stichwörter sind Stadionbauten, die Errichtung von Windkraftanlagen, U-Bahntunnel oder aktuell große Logistikzentren. Welche Herausforderungen sehen Sie in der Zukunft?

Christof Rekers: Da würde ich an erster Stelle zunächst die Personalgewinnung nennen. Fachkräfte in gewerblich-technischen Berufen zu finden wird immer schwieriger. In unserer Branche gilt dies in besonderem Maße für die Betonbauer, aber auch für andere Berufe. Hier haben wir bereits in der Vergangenheit erhebliche Anstrengungen unternommen und tun dies auch weiterhin, um Nachwuchskräfte für unser Unternehmen zu gewinnen.

Ulrich Rekers: Personal langfristig zu halten und diesem Perspektiven zu eröffnen, hat das Unternehmen in der Vergangenheit mit ausgezeichnet. Ein Beispiel: Alle Abteilungsleiter bei uns haben vor ihrem altersbedingten Ausscheiden ihre Nachfolger aus dem Unternehmen mit ausgesucht und eingearbeitet. Dadurch wurde kein Monopolwissen gebildet, das verloren gehen könnte.

Christof Rekers: Was die von Ihnen angesprochenen veränderten Märkte anbelangt, entwickeln wir im Bereich Brückenbau verstärkte Aktivitäten. Ein Beispiel ist das Lotter Kreuz. Für die Erneuerung des Lotter Kreuzes im Bereich der A 30/A 1 bei Osnabrück erstellen wir über 40 Brückenträger. 2018 erfolgten die Arbeiten für die Fahrtrichtung Osnabrück. Demnächst geht es in Fahrtrichtung Amsterdam weiter. Wenn man sich den Sanierungsbedarf für Brücken in Deutschland anschaut, können sich daraus noch weitere Aufträge entwickeln. Außerdem kommen wir dadurch auch an den Bereich Öffentlicher Bau heran.

Auftragsvergaben an Ihr Unternehmen stehen in der Regel unter dem Vorbehalt der Genehmigung des Vorhabens durch die Behörden an den Auftraggeber. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht, was zeitliche Abläufe, etc. anbelangt?

Ulrich Rekers: Die Planbarkeit, was die Auftragsvergabe und deren Umsetzung anbelangt, wird in der Tat immer komplizierter. Wir bekommen heute zu einem Zeitpunkt Aufträge, wo bestimmte Baustellenparameter wie Baugenehmigungen, Grundstücksfragen etc. noch gar nicht geklärt sind. Die Folge für uns: Drei Aufträge gleichzeitig unter Vorbehalt bedeuten sehr viel Arbeit, kommen die aber nicht zustande, ist plötzlich zu wenig zu tun. Für die Arbeitsvorbereitung ist das eine Herausforderung, denn Ziel ist es ja, eine gleichmäßige Produktion hinzubekommen.




Im Gewerbegebiet Südfelde an der Portlandstraße in Spelle befindet sich das Betonwerk Rekers. Foto: Rekers


Ihr Hauptproduktionsstandort ist Spelle, aber Rekers ist auch in Groß Ammensleben bei Magdeburg und in Olszowa in Polen aktiv. Welche Perspektiven sehen Sie für diese Standorte?

Christof Rekers: Gute, das gilt für alle Rekers-Standorte. Rein räumlich sind wir in Spelle weitgehend an der Kapazitätsgrenze angekommen. Im Werk Groß Ammensleben haben wir im vergangenen Jahr gerade eine Hallenerweiterung für die Garagen- und Fertigteilproduktion mit einem Investitionsvolumen von über vier Millionen Euro abgeschlossen. Was weitere Ausbauten anbelangt, wäre wohl in der nahen Zukunft am ehesten das Werk in Polen dran, wo wir bei den Betonteilen für den Garten- und Landschaftsbau weiter zulegen wollen. Auch eine Hallenerweiterung für die Fertigstellung von Garagen ist dort vorstellbar.

Und ein weiterer neuer Standort, auf grüner Wiese?

Ulrich Rekers: Wenn wir so auf die Karte schauen, ist der Südwesten Deutschlands für uns noch ein 'hellgrauer' Fleck.

Abschließende Frage, wie wird das 100-jährige Firmenjubiläum bei Rekers gefeiert?

Christof Rekers: Die 100-jährige Firmengeschichte von Rekers Betonwerk wäre ohne das tatkräftige Engagement  von vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht möglich gewesen. Deshalb werden wir im September neben einer offiziellen Feier ein großes Betriebsfest für die gesamte Belegschaft sowie einen Familientag mit einem Ehemaligentreffen durchführen. An den einzelnen Standorten werden darüber hinaus weitere Veranstaltungen stattfinden.


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